der Cameraden , mit den Waffen in der Hand , als bei Nacht und Nebel einsam und wehrlos einer Kugel aus dem Hinterhalt zu erliegen oder vielleicht einem noch schlimmeren Schicksal zu verfallen . Es gehörte mehr als gewöhnlicher Muth zu einem solchen Ende , das hier fast mit Gewißheit zu erwarten stand , und man hätte jeden Anderen lieber geopfert als gerade Walther Fernow . „ Ihnen , Lieutenant Fernow ? " sagte der Major langsam . „ Das geht nicht ! Ich darf bei solcher Gelegenheit keinen Officier opfern , wir haben ohnedies deren genug verloren in den letzten Schlachten und brauchen sie notwendiger für ' s Gefecht . Solch eine Botschaft ist Sache der Mannschaften , und zwar werde ich Freiwillige dazu aufrufen lassen . “ Walther trat noch einen Schritt näher zum Tische , das Licht der Kerzen fiel voll und klar auf sein Antlitz , es war bleich und fast wie Marmor . „ Ich bin augenblicklich der Einzige , der den Weg kennt , und also auch der Einzige , der ihn gehen kann . Beschreiben läßt er sich nicht ; den Gang einem Anderen übertragen , hieße das Gelingen von vorn herein in Frage stellen . " „ Aber , “ in der Stimme des Majors lag eine unterdrückte Bewegung , „ ich kann gerade Sie am wenigsten entbehren , und , ich wiederhole es Ihnen , die Möglichkeit den Pfad offen zu finden ist nur schwach — Sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach niedergeschossen ! “ „ Vielleicht ! Vielleicht auch nicht ! . Jedenfalls kann diese Möglichkeit mich nicht von einem Wagniß zurückhalten , das man Gemeinen übertragen will ! “ Der Major trat rasch auf ihn zu und reichte ihm die Hand . „ Sie haben Recht ! “ sagte er einfach . „ Nun denn in Gottes Namen ! Gelingt es , so retten Sie ein paar Hundert unserer braven Jungen ; wo nicht — nun , es stirbt sich von einer verirrten Kugel auch nicht schwer den Heldentod ! — Wie viel Bedeckung wollen Sie mitnehmen ? ” „ Niemand ! Werden wir überhaupt angegriffen , so erliegen wir auch der Uebermacht , und wo erst einer fällt , kommen die anderen sicher nicht durch , wenn der Feind einmal aufmerksam geworden ist . Es hieße die Leute nutzlos opfern , da zu der Botschaft ein Einziger genügt . Außerdem könnte eine größere Anzahl verhängnißvoll werden , wenn sie an den lichteren Stellen in den Mondschein treten muß , ein Einzelner entgeht eher der Beobachtung . “ Der alte Vorgesetzte blickte fast mit einer Art von Bewunderung auf den jungen „ Dichter und Träumer “ , wie Walther oft genug scherzweise genannt ward , der , wenn er sich erst einmal aus seiner Träumerei gerissen hatte , mit so kühler energischer Besonnenheit vorging , daß sie auch nicht den kleinsten Umstand außer Acht ließ . Er ahnte freilich nicht , welch ein Sturm noch vor kurzem in diesem Manne getobt , und woher die Ruhe stammte , die ihn so der Gefahr entgegentreten ließ . „ Also allein ! Und wann denken Sie aufzubrechen ? “ „ Nicht vor einer Stunde . Der Mond muß erst herauf sein , ich bedarf sein volles Licht , um die Höhe zu erreichen . Bis dahin ist die Helle noch gefahrlos , der Ort liegt zu nahe an L. , um hier schon eine Beobachtung von Seiten des Feindes zu besorgen , und Zeit bleibt mir noch reichlich , selbst wenn ein unvorhergesehenes Hinderniß entgegentreten sollte . “ „ Nun denn , meine Herren , “ wandte sich der Major jetzt an die Uebrigen , „ so gehen Sie jetzt Und halten Sie sich die Nacht auf einen Alarm gefaßt . Herr Hauptmann , Sie lassen die Posten verdoppeln und sorgen dafür , daß die vorhin bestimmten Anordnungen genau ausgeführt werden . Ich werde indeß noch das Nöthige mit Lieutenant Fernow besprechen . “ Die Officiere gehorchten , aber an der Thür wendete sich der Hauptmann noch einmal um . „ Gute Nacht , Lieutenant Fernow ! “ Um Walther ' s Lippen glitt einen Moment lang ein flüchtiges Lächeln , er wußte , was dies Lebewohl zu bedeuten hatte . „ Gute Nacht , Herr Hauptmann ! Gute Nacht , meine Herren ! “ Sich umwendend blickte , er in die Augen des Doctor Behrend , die ernst und vorwurfsvoll auf ihm ruhten . „ Liegt Dir denn wirklich so ganz und gar nichts mehr am Leben ? “ fragte dieser leise und gepreßt . „ Nein ! “ lautete die düstere , in demselben Tone gegebene Antwort . Der Doctor seufzte . „ Ich sehe Dich aber doch vorher noch ? “ „ Wahrscheinlich ! Aber geh jetzt , Robert ! " Mit einem zweiten noch schwereren Seufzer folgte der Arzt den Uebrigen , und Walther blieb allein mit dem Major und dem Adjutanten zurück . – Es mochte eine Viertelstunde vergangen sein , als er aus dem Gemach seines Vorgesetzten zurückkehrte , um sich nach seinem eigenen Zimmer zu begeben . Er hatte soeben den Fuß in den dorthin führenden Corridor gesetzt , als eine dunkle Gestalt sich von der Wand ablöste , an der sie bisher regungslos gestanden , und ihm den Weg vertrat . „ Mr. Fernow ! Ich warte auf Sie bereits seit längerer Zeit . “ Walther blieb stehen , er erkannte den Amerikaner . „ Was wünschen Sie von mir , Mr. Alison ? “ „ Kann ich die Ehre einer Unterredung mit Ihnen haben ? " Der Gefragte warf einen Blick auf seine Uhr , es war beinahe noch eine Stunde Zeit . „ Ich stehe Ihnen zu Diensten . “ Er wußte , was jetzt kommen würde , ein einziger Blick auf das Antlitz Henrch ' s hatte ihn überzeugt , daß Jane ' s Befürchtung richtig war . Also auch das noch ! Nicht ein einziger Tropfen des Kelches blieb ihm