gern . “ Nelly schüttelte traurig das Köpfchen . „ O ja , er kommt wohl mit – aber Lieschen . Du glaubst es nicht , wie schrecklich es ist , so allein mit ihm zu sein ! Er geht finster neben mir her , und dann plötzlich fängt er lustig an zu pfeifen , wie ein Verzweifelter . Ach , bei Dir , Lieschen , ist mir am wohlsten . Wenn Du nicht wärst und die Muhme , und wenn Deine gute Mutter nicht so für uns sorgte , dann sähe es schlimm aus hier oben . “ „ Aber , Nelly ! “ flüsterte erröthend das junge Mädchen und legte die Hand aus den Mund ihrer Freundin . – – Während die beiden jungen Mädchen im Krankengemach solche Worte tauschten , saß die alte Baronin grübelnd oben in ihrem Zimmer . „ Einmal muß es sein , “ sagte sie endlich halblaut vor sich hin , „ ich muß mit ihm sprechen , was nun eigentlich werden soll . “ Sie erhob sich und klingelte . „ Ich lasse meinen Enkelsohn bitten , zu mir zu kommen , “ befahl sie kurz und unfreundlich der eintretenden Sanna und nahm ihren Platz wieder ein . Durch die rothen Vorhänge stahl sich nur ein mattes Licht in die Räume , denn draußen hatte sich der Himmel bezogen und ein scharfer herbstlicher Wind begann mit Macht die Blätter von den Bäumen zu fegen ; im Kamine flackerte ein Holzfeuer und warf leuchtende Streifen auf die rothen Polster und Vorhängen die verblichenen Farben loderten fast in ihrer früheren Purpurgluth wieder auf , wenn solch ein züngelnder Reflex sie traf ; finster sah die Baronin in die spielenden Flammen . „ Herein ! “ rief sie , als jetzt ein rasches Pochen an der Thür erschallte . „ Ich wollte Dich eben um eine kurze Unterredung bitten , Großmama , “ begann Army eintretend nach einer Verbeugung und blieb hinter dem Stuhle stehen , den ihm die alte Dame mit einer Handbewegung anwies . „ Es geht besser mit der Mama . Ich werde abreisen . “ „ Wirst Du im Dienste bleiben können ? “ fragte die alte Baronin tonlos . Er blickte finster zu Boden . „ Ich weiß es nicht , “ sagte er [ 787 ] dann , „ vorläufig hängt es von der Stimmung meiner Manichäer ab . Freilich , sobald die Kunde meiner zurückgegangenen Verlobung offenkundig geworden ist , werden sie sich wohl auf mich stürzen , wie eine Meute Jagdhunde ; die Sache kommt an ’ s Regiment ; der Oberst wird mich fragen : ‚ Bezahlen oder nicht ? ‘ Dann wird das Ende kommen . Mein Geschick wird mich ereilen , wie vor mir schon so Manchen . “ Die alte Dame hörte ihn so ruhig an , als ob er von einer Luftpartie spräche . „ Hellwig muß Rath schaffen , “ sagte sie entschlossen . „ Hellwig ? Ja , wenn er Geld machen könnte ! Er hat erst neulich die Unmöglichkeit eingestanden , mir zweihundert Thaler zu schaffen , eine Summe , die ich dem Wagenbauer an einem bestimmten Termine zahlen müßte . Der Mann wollte sich gedulden , bis ich – nun , bis Ende October , “ schloß er kurz . „ O , sie wollten sich Alle gedulden ; es hatte gar keine Eile – bewahre ! Ich war ja Tante Stontheim ’ s Neffe und im Begriffe , ihre Nichte zu heirathen – “ „ Auf wie viel belaufen sich Deine sämmtlichen Schulden ? “ fragte die Großmutter . Er machte eine abwehrende Handbewegung . „ Wozu das ? Bezahlt können sie ja doch nicht werden – ! “ Eine lange Pause entstand ; Army betrachtete scheinbar mit Interesse eine der italienischen Landschaften in dem goldenen Rahmen . Draußen hatte sich der Wind mächtig erhoben ; er fuhr heulend durch den Kamin und stäubte Funken auf den verblichenen Teppich und das schwarze Wollkleid der alten Dame . „ Army , es giebt nur ein Mittel , Dich und uns zu retten . “ Er wandte sich langsam um und sah sie fragend an . „ Du machst sobald wie möglich anderweit eine reiche Partie . “ „ Wie , Großmama ? “ „ Es giebt Mädchen genug , reiche , hübsche Mädchen , die sich einen Mann kaufen , wie man so sagt – “ „ Ah so , ich verstehe , “ erwiderte er leichthin . „ Ueberlege , Army ! Es handelt sich nicht allein um Deine Existenz ; es handelt sich um uns Alle . “ „ Hast Du mir sonst noch etwas mitzutheilen ? “ fragte er in einem Tone , der die alte Dame verstummen machte . „ Nichts ? Dann erlaubst Du wohl , daß ich mich verabschiede ; ich möchte nachsehen , wie es unten steht . “ Er machte eine Verbeugung und ging . Fast mechanisch lenkte er seine Schritte nach der Krankenstube ; im Vorzimmer blieb er stehen ; es war ihm , als ob er drinnen flüstern höre ; dann schritt er zum Fenster und preßte die Stirn gegen die Scheiben . Was seine Großmutter ihm da eben gesagt , das war wie ätzende Tropfen in die frische Wunde gefallen , die er trug ; der heiße Schmerz trieb ihm das Blut in die Wangen ; vor seinen Augen schwebte ja beständig ein lockendes verführerisches Bild , das ihn nicht lassen wollte , wenngleich er es tausendmal zu verbannen suchte ; er sah sie immer wieder , wie sie ihm an jenem Tage nach der Testamentseröffnung erschienen , als es so ruhig , so einsam geworden in der prächtigen Villa ; der Schwarm der Besucher hatte sich verlaufen , der Oberst war nach dem Essen im Nebenzimmer eingenickt , und er mit ihr allein – seit langer Zeit zum ersten Male . Wie wundervoll sah sie aus in der tiefschwarzen , mit Krepp garnirten Trauerrobe , die