das durch all das , was seitdem an Reiseliteratur über Ägypten erschienen ist , von seiner Bedeutung wenig und von seinem Reize nichts verloren hat . Dieser Reiz besteht zum Teil in dem , was ich schon wiederholentlich als » Gentzsche Vortragsweise « bezeichnet habe , noch mehr aber in jener ein gutes Wissen und einen freien Blick zur Voraussetzung habenden Fähigkeit , die großen Erscheinungen der Kunst , der Geschichte , des Lebens überhaupt , in ihrem Zusammenhange zu begreifen . Zum Beweise dessen mag es mir gestattet sein , aus dem an Anschauungen und Betrachtungen gleich reichen Buche wenigstens eine Stelle hier zitieren zu dürfen . So heißt es aus Dendare am 1. Januar 1851 ; » Wie Ägypten selbst als ein eigentümlicher , nur aus sich selbst verständlicher Organismus anzusehen ist , so prägen auch die ägyptischen Kunstwerke : ganze Ortschaften mit Tempeln , Obelisken , Grabdenkmälern , Sphinxalleen , eine in sich einige Totalität aus , welche der hierarchischen Gliederung und Ordnung des Lebens entspricht . Nur von diesem Gesichtspunkte aus wird die Kunst jener zurückliegenden Jahrtausende verständlich . Das Einzelne , und wäre es der kolossalste Obelisk , kann für sich allein keine Vorstellung von der Großartigkeit altägyptischer Kunstintentionen geben , – in dem Reichtum von Bauwerken , mit denen ein solcher Einzelobelisk zu einem Ganzen verbunden war , war er nichts als eine verschwindende Größe . Nur wer die verbliebenen Baureste im großen und ganzen übersieht , vermag einigermaßen zu würdigen , welche Großartigkeit künstlerischer Unternehmungen in diesem Lande heimisch war , hier , wo jetzt die Trägheit einer Sklavenbevölkerung nichts ahnt von jenem gewaltigen Geist , an dessen ewigen Monumenten sie gleichgültig vorbeizieht . « ... » Unsere moderne Welt « , so fährt Gentz in demselben Briefe fort , » hat , nach dem Untergange des griechischen Lebens , die Künste von einander separiert . Bei der weltfeindlichen Tendenz der katholischen Kirche konnte , zunächst wenigstens , im früheren Mittelalter kein großartiges Kunstleben erwachen ; der gotische Kirchenbau vereinigte später zwar mehrere Künste von neuem , aber doch immer nur in einer den höchsten Aufgaben der Kunst widerstreitenden Begrenzung , da der durch das Transzendentale bestimmte Charakter der Gotik sich nicht bemüßigt sehen konnte , die schöne Erscheinung festzuhalten . Nur das geistige und körperliche Leiden kommt in den alten Heiligenbildern zur Darstellung . Als dann aber später ( in Raphael und anderen ) die Malerei sich anließ , mit ihren unerreichten geistig und sinnlich schönen Madonnenbildern die Basiliken Roms zu schmücken , war sie ebenso weit über das eigentliche christlich mittelalterliche Kirchenwesen hinaus , wie die liberalen , in sinnlicher Üppigkeit dahin lebenden Päpste , Julius II. und Leo X. , die Zeit der Askese hinter sich hatten . « Bald nach Erscheinen der ägyptischen Briefe kehrte W. Gentz von Ruppin bzw. Berlin nach Paris zurück , Frühjahr 1853 , wohin es ihn längst gezogen haben mochte . Seine Tätigkeit verdoppelte sich und er begann , von 1853 bis 1858 , nach dem Vorbilde Horace Vernets , biblische Motive in treuer Wiedergabe orientalischen Wesens , wozu seine zahlreichen Studien ihn befähigten , zu komponieren . Und neben diesen Bildern biblischen Inhalts gab er Darstellungen aus dem Volksleben . Es entstanden um diese Zeit : 1. Sphinx bei Theben ; Hirt mit Ziegen im Vordergrund . 2. Ägyptische Studenten . 3. Christus und Magdalena beim Pharisäer Simon . ( Von Frau Hauptmann Steinberg in Ruppin gekauft und für die dortige Klosterkirche gestiftet . ) 4. Fülle und Elend ; früher bekannt unter dem Titel : » Wohl endet der Tod des Lebens Not , doch schauert Leben vor dem Tod . « 5. Christus bei den Sündern und Zöllnern , von den Pharisäern zurecht gewiesen . ( Vom Kommerzienrat Zimmermann für die Kunsthalle in Chemnitz gestiftet . ) 6. Ägyptische Bettlerinnen . Alle diese Bilder wurden in Paris ausgestellt , die beiden letztgenannten auch in Berlin , wohin er , aller Parispassion und alles internationalen Zuges unerachtet , im Herbste 1857 dennoch zurückzukehren für gut fand . Die vier Jahre von 1853 bis 1857 , während welcher Zeit er – nunmehr auf eigenen Füßen stehend – frei und selbständig schuf , waren ihm in besonders angenehmer Weise vergangen , wozu sehr wesentlich die freundlichen Beziehungen beitrugen , in denen er ebensowohl zu französischen wie zu deutschen Künstlern stand . Gerôme , Boulanger , Louis Hamon , Aubert , sämtlich , wie er selbst , aus der Gleyreschen Schule hervorgegangen , zählten zu seinem Umgang , während er sich mit Ferdinand Heilbuth ( Hamburger , aber in Paris geblieben und dort naturalisiert ; vor kurzem verstorben ) befreundete . Desgleichen stand er auf freundlichem Fuße mit Feuerbach , Viktor Müller , Rudolf Henneberg , Lindenschmidt , Gustav Spangenberg , alle Schüler von Couture , zu dem er sich , wie schon erzählt , nach Austritt aus dem Gleyreschen Atelier , ebenfalls ein Jahr lang gehalten hatte . Alle diese waren gleichaltrig Mitstrebende ; seine guten Beziehungen aber beschränkten sich nicht auf diese , sondern erstreckten sich auch auf solche , die damals in der Pariser Malerwelt als anerkannte Meister den Ton angaben : Paul Delaroche , Horace Vernet , Robert Fleury , Ary Scheffer , Courbet , Winterhalter . Und diesen hier Genannten darf auch Ludwig Knaus zugezählt werden , » der ( so schreibt G. ) schon als Meister dorthin kam , dort , wie überall , eine Ausnahmestellung einnahm und in Paris alles erreichte , was ein Maler erreichen kann . « IV Rückkehr in die Heimat . Ruppin . Übersiedlung nach Berlin . Verheiratung ( 1861 ) . Reisen . Briefe aus Stockholm ( Von 1857 bis 1874 ) 1857 , wie bereits kurz erwähnt , verließ W. Gentz Frankreich , um nun dauernd in die Heimat zurückzukehren . Aber er blieb , wie jeder Künstler das muß , in intimer Fühlung mit Paris , und so mag denn , ehe ich in Nachstehendem über die zweite Hälfte seines Lebens