den Herren , wie andächtig die Ramsauer sind . Und dein Vater wird morgen nit zum Fürsten gehen , weil der Fürst zu deinem Vater kommt , jetzt , in der Nacht . Nit selber . Fürsten schicken ihre Knecht , wenn der Weg ein harter ist . Und da wird dein Vater morgen keiner sein , der gekommen ist , sondern einer , den man geholt hat . So einer hat ' s nit gut . Das Leben ist diesmal ein spaßig Ding . Dem Lämmlein in der Einschickt geht ' s allweil härter als dem Fuchs unter hundert Wölfen . Wär dein Vater so andächtig auf die Wallfahrt gelaufen wie die Ramsauer , da tät er bei Landsverrat seines Lebens sicherer sein als jetzt , wo er redlich und treu geblieben . « Jula schüttelte stumm den Kopf und preßte die Stirn auf ihre Fäuste . » Schau ! Dein Vater hat einen Mangel wie die Sonn , von der die Blinden sagen , sie wär im Winter zu kühl und im Sommer zu hitzig . Dein Vater ist so übermäßig redlich , daß ihm die Mißtrauischen das nimmer glauben . Einer , dem man das Weib genommen ? Einer , dem man das Kind erschlagen ? Einer , vor dem die Herren sich schämen und fürchten müssen ? Wie sollen die Herren von dem noch glauben können : Der ist treu ? Tatst du das glauben ? Ich nit . Wie wahrhafter dein Väter vor dem Fürsten reden wird , um so hinterlistiger und verlogener wird ' s für die Herren ausschauen . Alles Übermaß im Leben ist von Übel . Auch beim Guten . Die Heiligen , eh man ihnen das Kerzl angezunden , sind doch allweil geschunden worden . Ein Heiliger braucht dein Vater nit werden . « Mit rauher Stimme fragte Jula : » Willst du dem Vater raten , daß er lügen soll und unrecht tun ? « » Das nit . Aber einer , der doppelt redlich ist , muß doppelte Fürsicht üben . Dein Vater wird im schiechen Loch liegen , er weiß nit wie . Kann sein , es geht sein Weg aus dem Loch wieder in die Freiheit . Völlig vernagelt ist ja die Menschheit noch allweil nit . Auch Herren werden nach schwerem Wein wieder nüchtern . Aber - « » Red ! « » Es kann auch sein , daß dein Vater sich vor lauter Redlichkeit um den Hals schwätzt . Daß er als Ramsauer büßen muß für die Untreu der Andächtigen . Und daß sein Weg aus dem Herrenloch zum roten Holz geht . « Verzweifelt faßte Jula den Soldknecht an der Brust . » Und da hast du ihm Eisen und Wehr verschleppt ! « » Ja , Gott sei Dank ! « Malimmes löste sanft diese zuckenden Hände von seinem Kittel . » Schau ! Dein Vater harret doch jetzt aufs Recht . Was kommt , wird ausschauen wie neues Unrecht . Und so redlich dein Vater ist , er ist doch allweil bloß ein Mensch . Da wird ihm der Zorn ins ehrliche Blut fahren . Und kriegt er ein Eisen zu fassen , so schlagt er zu . Schlagt vier oder fünfe nieder . Ein Dutzend rumpelt über ihn her . Und am Morgen liegt dein Vater neben dem Jakob . Und du - « » Ich ? « » Du wirst neben ihm liegen . Wenn du an deinem lieben jungen Leib nit leiden willst , was eines Hofmanns Recht ist . Da heißt die Fürschrift : Mag ' s der Vogt nit tun , so steht ' s den Reitern zu , mögens die Reiter nit tun , so haben die Knecht das Recht . Einer ist alleweil da , der mag und Zeit hat . « Bei dem heiteren Klang dieser Worte rann ein kaltes Grauen durch Julas Leib und Herz . Verstört umklammerte sie den Arm des Malimmes . » Was muß ich tun ? « » Bloß mir ein lützel trauen . Freilich , irren kann sich ein jeder . Sogar unser Herrgott hat sich getäuscht , wie er gemeint hat , er hätt die Menschen so gut gemacht , daß sie besser nit sein könnten . Denk , sogar der Herrgott ! Und ich bin nur ein irdisches Würml . Ich kann mich verrechnet haben . Das muß ich dir sagen . Geht ' s schief , so hab ich selber den Kopf in der Schling . Und mir bleibt als letzte Hoffnung , daß die Gadnischen Herren einen so schlechten Seiler haben , wie der Fischbauer vom Hintersee einer ist . « Eine wehe Klage : » Ich versteh dich nimmer . Was bist du für ein Mensch ! Tu nit so grausig scherzen ! « » Die fluchen , machen das Leben nit besser . Nur schlechter noch . Freilich , es hat ein jeder sein unsinniges Stündl . Gestern zum Abend bin ich ein trauriger Lapp gewesen . Heut freut mich das narrische Leben wieder . Und ich verwett meinen Hals drum , daß ich morgen , eh die Sonn wieder scheint , deinen Vater auf festem Boden hab . Willst du mir helfen ? « » Red ! « Jula richtete sich auf . » Was verlangst du , das ich tun soll ? « » Ein hartes Stückl für ein gutes Kind . « » So red doch ! « » Fort mußt du . Jetzt . Mit mir . Jetzt gleich . Und dein Vater darf ' s nit wissen . « » Das tu ich nit . « » Es geht nit anders . Wenn die Hofleut kommen , muß dein Vater glauben , du bist im Haus und liegst im Bett . Das macht ihn fürsichtig . Er wird sich geben ohne Streit , wenn ihm die Hofleut den Hausfried zusagen . Die lügen schnell . Und alles ist gut . « Jula schwieg . Dann streckte sie