machte das Steerttau los und sprang beiseite : die Kurre öffnete sich , und quuks-quaks stürzten die Fische schlagend und spaddelnd auf Deck . Da kreischten die hungrigen Möwen noch lauter : Störtebeker aber kam gänzlich aus der Tüte . Mann o Mann , Junge , Junge , watten barg Fisch ! Das war doch noch etwas anders , als wenn er Stichlinge fischte , oder als wenn die Lüttfischer am Fall mit den Garnen zogen ! Da klapperten und spaddelten die Schollen und Scharben , da sprangen die Rochen , da schnappten die roten Petermännchen nach Wasser , da knurrten die Knurrhähne , zwischen ihnen kroch ein Hummer , da lagen Seemäuse und Seesterne , Seeäpfel , Muscheln und Tang , ein alter Seestiefel , ein zerbrochener Topf und ein großer Stein . Die Luken wurden abgedeckt und die Schollen in den Bünn geworfen , nach der Größe gesondert , und gezählt . Der Streek hatte gelohnt , denn sie kamen auf 8 Stiege großer und 12 Stiege kleiner Schollen . Störtebeker mußte den Hummer in eine Kiepe setzen und sie in den Bünn hängen , die Taschen packte Hein Mück , dem nach altem Brauch das Taschengeld gehörte , in einen Hummerkasten . Knurrhähne und Rochen wurden für die Pfanne bestimmt , denn weil die Eiskisten noch leer waren , konnten sie nicht frisch erhalten werden . Die Scharben wurden zugemacht und in Salzlake gelegt , dann schaufelten sie den Rest des Fanges schnell über Bord und setzten die Kurre wieder aus . Die Fock rillte in die Höhe , der Ewer fiel ab und nahm seeseitigen Kurs . Die Möwen verließen das gastliche Schiff . Spurlos wie sie erschienen waren , verschwanden sie wieder , um andre fallende Focksegel aufzusuchen . Der erste Streek war getan . * * * Diesmal blieb Störtebeker an Deck , denn sein Vater stand am Ruder . Sie taten kurze , zweistündige Striche in der Schollenzeit , damit die Fische , die lebendig an den Markt gebracht werden mußten , in der Kurre nicht zu sehr litten . Kap Horn und Hein Mück gingen in voller Kleidung zu Koje und schliefen , denn wie ein ehernes Gesetz hatte nun die Fischerei Gewalt über die Fischer : das Tag- und Nacht-Kurren ließ sich nur dann durchführen , wenn die Freiwache verschlafen wurde . Bei gutem Wetter wurde ununterbrochen gefischt : Ruhe gab es erst , wenn der Bünn voll war , oder wenn die Stille oder der Sturm dazwischen kam . Wie der Fischermann inmitten der vielen Fische doch kein Stückchen wegwirft , wie er auch die letzte Gräte absaugt , so läßt er keinen Streek aus und fischt tags und nachts , Sonntags und alltags . Was für ein Leben ! Störtebekers Backen glühten , seine blauen Augen leuchteten wie die Elbe an Sonnentagen : sie fischten ja , sie fischten ja ! » Junge , Vadder , dat is wat , dat mokt Spoß « , versicherte er immer wieder und sprach die ganzen zwei Segelstunden von nichts anderm als von dem Streek . Die Seekrankheit war vergessen : er holte sich ein dickes Stück Schwarzbrot aus dem Schapp und aß es , er trank Kaffee dazu und war guter Dinge . In der Weite kurrten mehrere Finkenwärder , aber dicht bei ihnen segelte niemand : sie hatten das Feld allein . Wie im Fluge verging die Zeit . » Is so wiet « , sagte Klaus Mewes , » nu rop jüm man ! « Freudig sprang Störtebeker über die Luken , schob die halbgeöffnete Kapp zurück , kletterte die Treppe hinab und gröhlte so laut er konnte : » Kap Horn un Hein , upstohn ! Wöt intehn ! To , gau ! Vadder hett dat seggt ! « » Jo « , brummte Hein Mück , dem ein schöner Traum von seiner Gesine durch die Latten gegangen war , und grabbelte nach seinen Stiefeln , Kap Horn aber schwang sich auf die Bank und schalt : » Wat is dat eegentlich forn Snack von wegen opstohn , Klaus Störtebeker ? Du meenst woll , du büst hier bin Buern , wat ? Weeß du nich , dat an Bord allens utsungen wardn mutt ? Paß mol op : so heet dat : Reis ut , Quarteer , is mien Verlangen , reis ut , quarteer , in Gottes Nom ! De een von jo salt Ror verfangen , reis ut , Quarteer , de Wacht is don , acht Glosen sünd slon ! Reis ut , Quarteer , in Gottes Nom ! « » Junge , dat is jo een ganzen Gesang « , rief Störtebeker , » den kank ne beholen ! « Dann rüttelte er Hein , der auf der Bank wieder eingedusselt war : » Schall ik ierst mit een Pütz Woter kommen ? Hebb ik di ne seggt , du schullst upstohn ? « » Du kriegst gliek een annen Blackputt , wat van hier no Amsterdam flügst « , drohte der Junge mürrisch und erhob sich . Störtebeker ging nicht vom Fleck , bis sie fertig waren . Als sie alle drei an Deck kamen , hatte sein Vater den Ewer schon in den Wind schießen lassen , die Fock war schon gefallen , und die Möwen flogen schon wieder über den Masten . Sie legten die Leine um die Winsch und hievten . Es ging noch schwerer als vorher , daß Störtebeker rief , da säßen gewiß hundert Stiege Schollen drin . Ihr Seefischer , die Ihr ihn auslachtet : erwehrtet Ihr Euch der Gedanken an große Fänge , an reiche Schätze , wenn Ihr die Kurre einzogt ? Wenn ' s auch vorher nur Tang und Schlick und Steine gewesen waren , was Ihr zutage gehoben hattet : kam nicht bei jedem Streek die Hoffnung wieder , daß es auch einmal etwas andres sein könne ? Der Bauer , der Gerste gesät hat , weiß , daß er nichts andres