verringern ; sie hob ihn aus der Fülle seiner Erfindung ; sie beschränkte ihn auf ein müdes Nachahmen ; sie setzte ihn auf den Einzelnen herab , der er nicht war : sie machte ihn zum Betrüger . Und nun kam , leiser auflösend , diese Marina Mniczek hinzu , die ihn auf ihre Art leugnete , indem sie , wie sich später erwies , nicht an ihn glaubte , sondern an jeden . Ich kann natürlich nicht dafür einstehen , wie weit das alles in jener Geschichte berücksichtigt war . Dies , scheint mir , wäre zu erzählen gewesen . Aber auch abgesehen davon , ist diese Begebenheit durchaus nicht veraltet . Es wäre jetzt ein Erzähler denkbar , der viel Sorgfalt an die letzten Augenblicke wendete ; er hätte nicht unrecht . Es geht eine Menge in ihnen vor : Wie er aus dem innersten Schlaf ans Fenster springt und über das Fenster hinaus in den Hof zwischen die Wachen . Er kann allein nicht auf ; sie müssen ihm helfen . Wahrscheinlich ist der Fuß gebrochen . An zwei von den Männern gelehnt , fühlt er , daß sie an ihn glauben . Er sieht sich um : auch die andern glauben an ihn . Sie dauern ihn fast , diese riesigen Strelitzen , es muß weit gekommen sein : sie haben Iwan Grosnij gekannt in all seiner Wirklichkeit , und glauben an ihn . Er hätte Lust , sie aufzuklären , aber den Mund öffnen , hieße einfach schreien . Der Schmerz im Fuß ist rasend , und er hält so wenig von sich in diesem Moment , daß er nichts weiß als den Schmerz . Und dann ist keine Zeit . Sie drängen heran , er sieht den Schuiskij und hinter ihm alle . Gleich wird es vorüber sein . Aber da schließen sich seine Wachen . Sie geben ihn nicht auf . Und ein Wunder geschieht . Der Glauben dieser alten Männer pflanzt sich fort , auf einmal will niemand mehr vor . Schuiskij , dicht vor ihm , ruft verzweifelt nach einem Fenster hinauf . Er sieht sich nicht um . Er weiß , wer dort steht ; er begreift , daß es still wird , ganz ohne Übergang still . Jetzt wird die Stimme kommen , die er von damals her kennt ; die hohe , falsche Stimme , die sich überanstrengt . Und da hört er die Zarin-Mutter , die ihn verleugnet . Bis hierher geht die Sache von selbst , aber nun , bitte , einen Erzähler , einen Erzähler : denn von den paar Zeilen , die noch bleiben , muß Gewalt ausgehen über jeden Widerspruch hinaus . Ob es gesagt wird oder nicht , man muß darauf schwören , daß zwischen Stimme und Pistolenschuß , unendlich zusammengedrängt , noch einmal Wille und Macht in ihm war , alles zu sein . Sonst versteht man nicht , wie glänzend konsequent es ist , daß sie sein Nachtkleid durchbohrten und in ihm herumstachen , ob sie auf das Harte einer Person stoßen würden . Und daß er im Tode doch noch die Maske trug , drei Tage lang , auf die er fast schon verzichtet hatte . Wenn ichs nun bedenke , so scheint es mir seltsam , daß in demselben Buche der Ausgang dessen erzählt wurde , der sein ganzes Leben lang Einer war , der Gleiche , hart und nicht zu ändern wie ein Granit und immer schwerer auf allen , die ihn ertrugen . Es giebt ein Bild von ihm in Dijon . Aber man weiß es auch so , daß er kurz , quer , trotzig war und verzweifelt . Nur an die Hände hätte man vielleicht nicht gedacht . Es sind arg warme Hände , die sich immerfort kühlen möchten und sich unwillkürlich auf Kaltes legen , gespreizt , mit Luft zwischen allen Fingern . In diese Hände konnte das Blut hineinschießen , wie es einem zu Kopf steigt , und geballt waren sie wirklich wie die Köpfe von Tollen , tobend von Einfällen . Es gehörte unglaubliche Vorsicht dazu , mit diesem Blute zu leben . Der Herzog war damit eingeschlossen in sich selbst , und zuzeiten fürchtete ers , wenn es um ihn herumging , geduckt und dunkel . Es konnte ihm selber grauenhaft fremd sein , dieses behende , halbportugiesische Blut , das er kaum kannte . Oft ängstigte es ihn , daß es ihn im Schlafe anfallen könnte und zerreißen . Er tat , als bändigte ers , aber er stand immer in seiner Furcht . Er wagte nie eine Frau zu lieben , damit es nicht eifersüchtig würde , und so reißend war es , daß Wein nie über seine Lippen kam ; statt zu trinken , sänftigte ers mit Rosenmus . Doch , einmal trank er , im Lager vor Lausanne , als Granson verloren war ; da war er krank und abgeschieden und trank viel puren Wein . Aber damals schlief sein Blut . In seinen sinnlosen letzten Jahren verfiel es manchmal in diesen schweren , tierischen Schlaf . Dann zeigte es sich , wie sehr er in seiner Gewalt war ; denn wenn es schlief , war er nichts . Dann durfte keiner von seiner Umgebung herein ; er begriff nicht , was sie redeten . Den fremden Gesandten konnte er sich nicht zeigen , öd wie er war . Dann saß er und wartete , daß es aufwachte . Und meistens fuhr es mit einem Sprunge auf und brach aus dem Herzen aus und brüllte . Für dieses Blut schleppte er alle die Dinge mit , auf die er nichts gab . Die drei großen Diamanten und alle die Steine ; die flandrischen Spitzen und die Teppiche von Arras , haufenweis . Sein seidenes Gezelt mit den aus Gold gedrehten Schnüren und vierhundert Zelte für sein Gefolg . Und Bilder , auf Holz gemalt , und die zwölf Apostel aus vollem Silber . Und den Prinzen