den Schäflein der Himmelsaue hauchend , webend , schien mit diesem Stimmchen zu raunen : » Nun sei frei ! Der Augenblick ist da ! « Auch klang mir im Ohre meiner geliebten Jungfer Raunen : » Wag ' s Knab ! « Schon tat ich spähende Blicke ringsum , schon spannten sich meine Glieder zum Sprunge , als auf einmal unter mir Hundekläffen erscholl . Und sieh , um den Hübel , den wir herabgestiegen waren , kam eine Koppel Hunde gehastet , von einem Pagen gehalten . Hinterdrein ein Jäger mit einem Spieß , ferner jener Rotmantel , und der war kein andrer , als Wallenstein , Herzog zu Friedland . Wie ich eben sein ansichtig geworden , strauchelt er und gleitet mit einem Beine derart in eine Felsenspalte , daß er es nicht herauszuziehen vermag . Dabei ist ihm das Jagdgewehr entfallen . Auf seinen Zuruf wendet sich der andre Jäger und sucht den Herzog aus dem Felsenspalt herauszuziehen . In diesem Augenblicke erschallt über mir ein gellend Posaunen , und wie ich emporblicke , kommt ein schwarzbrauner Bär auf dem Hinterteil über das steile Schneefeld herabgerutscht , gerade auf den einen Soldaten los . Dieser will hastig ausweichen , strauchelt und stürzt mit dem Kopfe voran den Hang hinab . Der andere Soldat legt sein Gewehr auf den Bären an und feuert . Unverwundet gleitet Petz weiter , springt mit gewandten Sätzen über die Knieholzbüsche und ist nur noch wenige Schritte vom Herzog entfernt . Indessen lässet der Page die Hunde frei , und mit wütendem Geheul packen sie an . Zugleich stürmet der Jäger mit dem Spieß auf den Bären los , der sich auf die Hinterfüße setzt und mit den Tatzen um sich haut . Vom Spieße gestochen , brüllt er und streckt mit einer Ohrfeige den Jäger nieder . Da beut sich mir nun die beste Gelegenheit zur Flucht : niemand kann ja schießen , und die Gefahr des Herzogs lenkt die Obacht von mir ab . So springe ich denn mit langen Sätzen den steilen Hang hinunter . Wie ich nun ganz nahe dem Untier bin , das aufsätzig mit den Tatzen nach den Hunden haut und , mein ansichtig , mit der glühenden Wut seiner roten Augen mich versengen möchte , da zuckt auf einmal in meiner Brust ein wilder Grimm , und mir ist , als müsse ich meine Kraft nur daran wenden , die Bestie unschädlich zu machen . Auch höre ich den Pagen um Hilfe schreien , dann ins Jagdhorn stoßen , den Herzog aber mir zurufen : » Her zu mir ! Nimm mein Gewehr ! « Und ich springe hin , hebe das Gewehr vom Boden und lege auf den Bären an . Eben hat er sich von den blutenden Hunden freigemacht , stürzt heran und richtet sich dicht vor mir auf den Hinterfüßen empor , zu seiner ungeheuerlichen Größe , reißt den geifernden Rachen auf und starrt mich mit glasigen Augen an . Schon holt die Tatze aus , da hab ich ihn gut aufs Korn genommen , genau in der Richtung des Herzens , und brenne los . Dem Krachen folgt ein dumpfes Stöhnen , das Untier stürzt vornüber , wälzt sich mir zu Füßen , mit den Tatzen um sich schlagend , und verröchelt , indes ihm Blut aus dem Maule schießt , und die Hunde , heulend vor Wut , sich in sein Fell verbeißen . Noch einmal bin ich in Versuchung , mich zur Flucht zu wenden . Aber der Herzog Wallenstein ruft mir zu : » Braver Schütze ! Her zu mir ! Helf Er mir ! « Da trete ich zu ihm . Nun kommt auch der Page gelaufen , und wir wälzen den Stein weg , der des Herzogs Bein festgeklemmt hat . Wallenstein erhebt sich und streckt das Bein , um es gelenkig zu machen ; dann schaut er nach dem andern Jäger , den des Bären Tatze traf , und spricht zum Pagen : » Flugs dem Grafen Max beigestanden ! « Indem ist der Verwundete schon selber zu sich gekommen , richtet sich auf , wischt sich das Blut von der Wange und nimmt seinen Filzhut ab , der glücklich den Tatzenhieb gedämpft hat . Was nun meine beiden Wächter betrifft , so richtet sich der abgestürzte ebenfalls auf . Der andere , so den vergeblichen Schuß auf den Bären getan , kommt atemlos herbeigerannt ; wie von Sinnen reißt er des Herzogs Gewehr aus meiner Hand und packt mich am Kragen . Wallenstein herrscht ihn an : » Mordsblitz ! Was hat ' s denn ? Was packest du den Mann ? « » Der Goldmacher ist das « - stammelt der Soldat - » ihn sollen wir bewachen . « Verächtlich lacht der Herzog : » Ha ha , der Goldmacher ! Senos Mann ! Und den solltest du mit deinem Kameraden bewachen ? Ihr seid mir ein paar Wächter ! Bequem hätte euch der Goldmacher durch die Lappen gehen können . « Hierauf wendet Wallenstein den starren Blick seiner düsteren Augen auf mich : » Und warum ist Er nicht durch die Lappen gegangen - he ? « - Wie ich dem gewaltigen Manne ins Auge sehe , kommt mir der Gedanke : » Der hält dein Geschick in Händen , und jetzo gilt ' s , eine günstige Entscheidung herbeizuführen ! « Es war das einzige Mal , daß ich diesem Helden der Geschichte von Angesicht zu Angesicht genüber gestanden bin . Der Mordstahl hat ihn hinweggerafft , doch lebendig herrscht er noch in meinem Herzen . Majestätisch seine hagere Gestalt . Wie einen König kleidete ihn der scharlachene Mantel , so über das silbern betreßte Jagdhabit niederwallte . Das Angesicht schmal , die Stirne hoch , das Haupthaar schwarz und straff , der Knebelbart ergraut . Die gelbliche Haut verriet mürrischen Sinn , das feine Geäst der Runzeln ein rastlos Grübeln , allezeit wache Gedanken . Unter buschigen Brauen sprang