die Dinge und Menschen fischen will , die doch nur Träume sind ? Denkst Du Dir auch manchmal , daß ich Leiden fühle ? Und daß ich doch immer und immer nur lache und lache . Und wenn sie mich ans Kreuz nageln , die gesunden Esser und Trinker , und alle , die es mit der harten Erde tun ? Wenn ich bei Dir wäre ! Du wärst eine , der ich auch noch die Hand küßte , mein Liebchen . Dir und keiner sonst außer Frau Rehorst , meiner Göttin , vor der ich mich ewig im Staube fühle . Und nun : den Blick in den Weihnachtsglanz , mein Liebchen , und wo es etwas Verheißendes gibt ! Dein Einhart . 12 Das war kurz vor Weihnacht gewesen . Weihnacht war im Hause von Rehorsts ein glänzendes Leuchten auf Treppen und in den weiten Räumen . Frau Rehorst war in einer unsagbaren Fülle bunter Dinge allzeit jetzt mitten inne . Rings lagen Schachteln und standen Spielsachen , und Stoffe lagen herum , kleine köstliche Etuis standen halboffen , einiges auf ihrem Tisch und auf den Borduren . Allenthalben lag das Glitzerwerk der Weihnachtsbäume , die sie selber mit Margit und den beiden Kleinen und Grottfuß geputzt hatte . Zwei Bäume , die fast bis zur Decke reichten , hatte man aufgerichtet . Es war ein Herzutragen und Kommen und Gehen allenthalben . Am Morgen waren schon die Armen erschienen . An mehr als hundert hatte Frau Rehorst selber , wie eine Mutter Anna , auf der Küchentreppe ausgeteilt . Dann war Frau Rehorst sanften Ganges durch den Fabrikhof zu ein paar kranken Frauen ans Bett getreten , bewegt selber heimlich zu Tränen von dem Dank aus den scheuen Augen der Armseligkeit . Unterdessen einer nach dem andern von den Geladenen in dem erleuchteten Hause die breiten Treppen emporstieg und in die von Tannenduft erfüllten Räume eingetreten . Unter allen im Hause war es wie eine Art Opferfest . Das Gefühl wußte Frau Rehorst mit einem leidenschaftlichen Sinne zu wecken . Sie hatte dafür eine reine Inbrunst . Sie selber ging stumm und wie beschwörend mit einer silbernen Schaufel , die sie für diesen Zweck sich extra hatte von Einhart zeichnen und bilden lassen , einsam am Nachmittag ein paarmal durch die Räume und trug das heilige Räucherwerk hindurch , sich dünkend wie eine alte Prophetenfrau , die dem Feste ihre Seelenflammen einhauchte . Stark fühlte sie sich , frei noch immer , sie selber aus ihrer Atemfülle , eine , die garnicht trauerte . Weil sie jetzt alles aus einem unausgesprochenen , unbekannten Glücke tat , das ihre Seele sich niemals eingestand . Sie selber in der wahrsten Festfreude , so in sich wartend und alles auch rings noch einmal prüfend , ob es Einharts Augen sehen und mit feinem Anfühlen der heimlichen Begehrung ebenso als eine Sprache und Rede zu sich empfinden würde . Alles hatte sie hergerichtet , wie er es geheißen . Er hatte eine ganz erlesene Art , eine Festweihe zu ersinnen und einzuteilen . Er hatte ausdrücklich gewünscht , daß es mit einem vollen , schönen Hochklange aus aller Mündern müßte begonnen sein . Das Feierliche lag im allgemeinen Herrn Rehorst nicht . Und die Kinder drängten gewöhnlich gleich ins Licht und sahen nur die Geschenke . Das kritisierte Einhart in der Idee , obwohl er garnicht je gesehen , daß es hier oft so gewesen . Frau Rehorst hatte sich stets sanft darein gefügt . Sie hatte dann nur heimlich für sich eine Viertelstunde versunkner Besinnung ins Heilige gefunden . Jetzt hatte es Einhart bestimmt gesagt : » die Münder müßten sich alle einmal auftun , das Licht zu loben . « » Und ich sage Ihnen , « hatte er ausführlich erklärt , » nur wenn es eine Weile in den Atemstrom sich sammeln muß , einig zum Hinaustönen , wenn der Atemstrom so aus der Brust ein preisender Ton wird , und der Mund sich dann öffnet , die innige Sammlung hinauszugeben , dann ist der Mensch einen Augenblick eingefangen in seine Tempel und geht dann darnach lange einher mit froher Seele und frohen Augen . « So redete Einhart . Er war schon ein rechter Kenner . Und Frau Rehorst hatte alles angeordnet , wie es Einhart geheißen . Jetzt begannen sich also die Gäste allmählich zu sammeln . Grottfuß war schon am Nachmittag gekommen . Er saß , weil die Damen helle Toiletten antaten , in feierlicher Salonkleidung in einem Winkel des Mittelzimmers unter einer glühenden Glasblume und las die Zeitung . Einige Beamte der Fabrik waren die Ersten . Dann kam ein junges Paar , ein Musiker mit seiner sehr musikalischen , jungen , runden Frau . Beide sahen sich lachend um , als sie Grottfuß kurz begrüßt hatten . Der Duft und die Stille der hellen Räume machten sie stumm . Dann kam als hauptsächlich erwartet ein junger , blonder Doktor , mit seiner ebenso rätselhaften , spröden , schönen , dunklen Frau . Alles wartete . Alle schienen festlich zu lächeln . Alles war in köstlichen Roben . Auch Frau Rehorst und Margit . Wie in Wolken von weißem Glanze schwebten sie herein . Und es begann auch gleich ein Leben . Es begann draußen eine Glocke zu rufen . Auch der Hausherr erschien sanft und fast mit leisen Worten einen jeden Gast noch einmal willkommen heißend . Man begann einen regen , wenn auch noch gedämpften Ton anzuschlagen . Man stand beieinander . Frau Rehorst hatte sich hastig gleich im Nebenzimmer umgesehen . Sie konnte es nicht begreifen . Sie lief noch einmal in ihr Boudoir zurück . » Ach Gott nein , « sagte sie geschäftig zu Margit gewandt , » wir möchten doch noch eine Weile warten . Es sind gewiß noch nicht alle beisammen . « » Wer fehlt denn noch , Mutter ? « sagte Margit arglos . Sie hatte es garnicht bemerkt , daß Einhart noch nicht unter