würden , und wie sie ihn fragte , ob er selbst durch sie besser geworden sei , lachte er freundlich und sprach : » Ja , ich habe Sie doch lieb « ; da fiel sie ihm um den Hals und küßte ihn , und dann lief sie schnell weg . Nach Wochen aber sagte sie ihm , daß sie ihn geküßt habe , sei geschehen , weil er doch ein erwachsener Mann sei und sie noch ganz jung , und er sei doch ihr Lehrer . Peter teilte ihr auch mancherlei Pläne und Wünsche mit , so vor allem seinen Gedanken , eine Zeitschrift zu begründen , die nur der reinen Kunst und dem Schönen dienen solle und nicht abhängig sei von Rücksichten auf Gewinn und Verdienst , und meinte , da er selbst jetzt doch für sich eine passende Einnahme habe , die für seine Bedürfnisse genüge , so könne er die Leitung dieser Zeitschrift ohne Belohnung übernehmen , und solche Dichter , die wohlhabend seien , würden ihre Werke umsonst zum Abdruck geben , und die ärmeren Dichter müßten sehr viel bezahlt bekommen . Dann müßte sich ein Reicher finden ( oder es gebe vielleicht auch mehrere reiche Leute , die der Kunst helfen wollten , man kenne sie nur nicht , und sie wüßten nicht wie , weil sie vielleicht in entlegenen Schlössern wohnten , und es sei auch noch nicht eine solche Zeitschrift da ) , der sehr viel Geld schenke ; das müsse man dann natürlich recht sorgsam verwalten , damit auch das gewollte Ziel erreicht werde und es nicht Unwürdigen zugute komme . Wenn dann die Zeitschrift recht viele Leser habe , dann könne man das Volk zur wahren Kunst erziehen , daß es sich nicht mit den schlechten und dummen Büchern abspeisen lasse , die ihm heute gegeben würden , sondern gute Kost wolle , und dadurch würden auch wieder in Rückbeziehung die Dichter gehoben , denn die würden mehr Freude an ihrem Schaffen haben , und manche gebe es , von denen er für seinen Teil glaube , wennschon er keinen Namen nennen wolle , die gewiß Schöneres und Edleres schaffen würden , wie sie jetzt täten , wenn sie sähen , daß es seine Leser fände . Durch solche gegenseitige Vertraulichkeit kamen sich die beiden immer näher , und wie nun in den Kindern der Plan entstanden war , daß sie Peter verheiraten wollten , so kam sie zu dem Entschluß , sie selbst wolle ihn zum Manne nehmen , wenn sie zu ihrem Alter gekommen wäre , welche Gedanken sie aber noch verschwieg aus Scham und Bedenken . Es hatten aber die Eltern der jungen Mädchen am Ende gespürt , daß in den Literaturstunden mancher Unfug getrieben wurde , und daß die Kinder seltsame Ansichten und schlechte Kenntnisse erwarben . Hierdurch kam zuletzt Zwistigkeit und Ärger mit dem Lehrer , und so wurden am Ende die Stunden aufgekündigt , und Luise erhielt von ihrer Mutter noch außerdem viele Vorwürfe über ihre besondere Vertraulichkeit mit dem Dichter , und wurde häßlich über ihn gesprochen . Gegen solche Reden wehrte sie sich zuerst und verteidigte ihn , aber endlich , wie sie spürte , daß sie durch ihre Widerworte das Übel nur ärger machte , schwieg sie und ersann einen Plan . So erwartete sie ihn auf der Straße , sprach ihn an und sagte ihm , daß er wohl gemerkt haben werde , welche Wünsche sie habe , nämlich später einmal seine Frau zu werden ; aber jetzt sei ihr das Leben bei den Ihren so unerträglich geworden , daß sie nicht mehr so lange zu Hause bleiben wolle , bis sie sich ihnen , weil sie dann ganz erwachsen sei , offenbaren könne , sondern sie wolle mit ihm von Hause fliehen . Sie würden aber sicher schon einen Ort finden , wo gute Menschen sie aufnähmen , und sie seien doch beide auch nicht hochmütig , sondern würden gern jede Arbeit übernehmen , um sich ihr Brot zu verdienen . Peter erwiderte ihr , daß das zwar sehr schwer sei , was sie vorhabe , aber wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern bleiben könne , welches er glaube , wenn er ihrer beider Art betrachte , so wolle er ihr helfen und mit ihr entweichen , und denke er aber , sie zu seiner alten Mutter zu bringen , die weit weg in Westfalen lebe in einer kleinen Stadt und zwar recht arm sei , aber sie habe ihn sehr lieb und mache ihm nie Vorwürfe , daß er in den Augen der Welt kein großes Wesen geworden sei , wenn er ihr freilich auch immer erzählt habe , daß er viel Geld verdiene , welches man als Schriftsteller ja könne , indem mancher für einen kurzen Artikel , den er in einer Stunde schreibe , hundert Mark oder noch mehr bekomme . Dieser Mutter solle sie dann behilflich sein , weil sie nämlich außerdem , daß sie für Leute wasche , einen kleinen Laden halte mit Schreibwaren für die Schulkinder , und so könne sie ohne Sorge und in Liebe leben . Wie das Mädchen einverstanden war , machten sie sich gleich auf den Weg nach dem Bahnhof und kauften Fahrscheine , und da sie nicht genug Geld hatten , konnten sie freilich nicht bis zum Ende fahren , aber Peter tröstete sie und sprach , daß sie nur eine ganz kurze Strecke gehen müßten , acht oder zehn Stunden , durch einen schönen Wald . Und so fuhren sie nun , und am Ende stiegen sie aus , machten sich auf die Füße und gingen ; und wie sie zu dem Walde kamen und hochwipflige Bäume sie empfingen , da faßten sie sich freundlich an die Hand und schritten weiter fröhlichen Mutes wie zwei Kinder . Laub raschelte unter ihren Füßen , und hoch über ihren Köpfen bogen die Zweige sich wölbend zur Höhe , und durch grünes Laub leuchtete Sonnenschein , und Tropfen des