. Dann aber hatte sie nicht länger an sich gehalten . Das Fräulein sah auch heute gar zu miserabel aus . Kein Wunder freilich nach der Scene mit dem Schwarzkopf gestern Abend . Dass dies keine Theaterscene , sondern ein Wirklichkeitsdrama gewesen war , hatte die brave Schlossersfrau allerdings bemerkt ; dieser Umstand aber hatte ihre Sympathie für das arme blasse Wurm nicht im geringsten herabgemindert . Im Gegenteil , Auguste hatte sich fest vorgenommen , was an ihr lag , dem armen Dinge beizustehen , auch wenn sie keine berühmte Schauspielerin zu werden versprach . Erst der Mensch , und dann ' s Metier . Das war ihre Maxime . Dass sie noch vor kurzem weniger human gedacht hatte , daran waren die Nachklänge aus dem Hause Veilchenfeld schuld gewesen , die noch immer ab und zu bei ihr herumspukten . Auf der steilen hohen Treppe hatten die beiden nur ein paar flüchtige Worte gewechselt . Erst oben vor Lottes Thür fand Auguste den Mut , ihr volles Herz auszuschütten . » Entschuldigen Sie nur , Fräulein - es sieht vielleicht unbescheiden aus - - aber wenn ich einen Augenblick bei Ihnen eintreten dürfte , ich hätte Ihnen was zu sagen , Fräulein ! « Lotte war ein wenig verwundert , aber sie dachte nicht weiter über das seltsame Ansinnen der Schlossersfrau nach . Sie hatte es sich allgemach abgewöhnt , zu denken . Ihr Kopf war zu müde und schwer dazu , und seit gestern Abend gar lag es wie dichter Nebel über ihrer Denkkraft . Sie öffnete die Thür und schritt der robusten Frau voran , ihr einen Stuhl anzubieten . » Bitte , setzen Sie sich doch , Frau Korn , wenn Sie mir etwas zu sagen haben - « Auguste schüttelte den Kopf und sah sich in dem kleinen Zimmer um . Wie nett es hier aussah ! Ganz anders wie sonst bei Leuten , die für dürftigen Tageslohn arbeiten . Man sah doch gleich , dass das Fräulein aus gutem Hause war . Das arme junge Ding ! Frau Korn brannte darauf , ihr mit ihrer reiferen Erfahrung gegen den wüsten Schwarzkopf zu Hilfe zu kommen . Sie setzte sich nun doch , denn so schnell würde sie mit dem was sie vorhatte , nicht zu stande kommen . Ihre Zunge war nicht so flink wie die ihrer Mutter . Der Fettern that es nicht leicht eine gleich . » Also , Fräulein , wenn Sie ' s mir nicht übelnehmen möchten , das kann so mit Ihnen nicht weiter gehen , Fräulein . Nee , genieren müssen Sie sich nicht vor mir - ich bin ' ne alte Frau gegen Sie , Fräulein , und so was wie Sie hab ' ich auch durchgemacht , ehe ich meinen Karl geheiratet habe . - Aber wenn Sie ' s beruhigt - im Haus , da weiss niemand davon als ich - und ich halte reinen Mund . Sehen Sie ' mal , Fräuleinchen , so aufregen wie gestern Abend , das sollten Sie nicht thun , und auch nicht den ganzen Tag hier oben in dem engen Loch hocken , und immer alleine , da wird der Mensch ja ganz dämlich bei , und für Ihren Zustand ist es das reine Gift . Ordentlich an die frische Luft gehen sollten Sie und mit Gesellschaft ! Meine , na , die kann ich Ihnen ja freilich nicht anbieten , habe auch nicht viel Zeit übrig für ins Freie bei die Menge Gören , aber da hat Sie doch neulich so ' ne hübsche , junge , schwarze Dame besucht , die Ihnen all die schönen Blumenstöcke da ' rauf gebracht hat , wie wär ' s denn mit der ? « Lotte sass mit abgewandtem Antlitz da . Die Scham drohte sie zu ersticken . Und doch hatte sie nicht das Herz , die Freundlichkeit der braven Frau zurückzuweisen , aus deren Worten sichtbarlich keine müssige Neugier sondern echte Anteilnahme sprach . Jetzt fühlte sie die breite Hand Augustes auf ihrer Schulter . Ihr warmer gesunder Atem streifte sie . » Ach , liebes Fräulein , nee , das müssen Sie nicht ! So dasitzen wie tot und verstorben ! Sehen Sie so , weinen Sie man und erleichtern Sie sich . Thränen sind immer was Gutesl « Langsam wandte sich Lotte vollends zu der Sprechenden um und reichte ihr die Hand . » Ich fühl ' es , ja , Sie meinen es gut mit mir , und wenn ich erst verheiratet bin - « » Ach , darum machen Sie sich keine Sorge , Fräuleinchen - aber gut , dass Sie mich darauf bringen . Sehen Sie , mit dem Heiraten , das ist so ' ne Sache . Thuts der Mann nicht in unserer Lage , dann denkt man , die Welt soll untergehen , und thut er ' s , na , dann is es in den meisten Fällen auch man so . Und wenn dann ein Kind nach dem andern kommt und Schmalhans Küchenmeister bleibt , dann verwünscht man die ganze Heiraterei oft genug und sagt sich : wärst Du man lieber mit dem Ersten allein geblieben ! Eins füttert sich , auch ohne Mann , leichter durch , als ' n halbes Dutzend in der Ehe . Nee , liebes Fräulein , glauben Sie mir , die Welt geht noch lange nicht darüber zu Grunde , wenn so ' n Mann nicht mit uns aufs Standesamt geht , da bin ich schon längst dahinter gekommen . Heut sind Sie vielleicht noch anderer Ansicht , aber die Zeit wird auch kommen , wo Sie sagen : die dumme unjebildete Schlossersfrau , die Korn , die hat doch so Unrecht nicht gehabt und Du hättest Dir nicht die Augen drum blind heulen sollen und ihn womöglich auf den Knien ums Heiraten anflehen ! Aber der gute Ruf , werden Sie sagen ! - Na ja - das ist ja eine ganz