Geschenk erwarten durfte und ungeduldig war , es zu sehen . Die Nacht war unbewegt , nur selten gestört durch das Heulen eines Hundes . Als es drei Uhr schlug , kam der Mond und warf ruhige Lichtflecke in den Raum . Mit diesen Strahlen wurden die Figuren in Agathons Sinnen lebendiger und verklärter . Sie brachten ihm Reichtümer , von denen er nicht begriff , daß er sie je hatte entbehren können , er fühlte sich wachsen und es war , als hörte er einen Ruf über die Felder hinschallen , der ihm galt : lang und eindringlich . Am folgenden Vormittag brachte der Pedell Dunkelschott ein Schreiben des Rektorats und des Kantors der Schule für Elkan Geyer . Er verlangte den Weglohn und trollte ins nächste Wirtshaus . Elkan setzte sich an den Tisch und las . Kaum war er damit zu Ende , als er aufschrie wie ein Gefolterter . Gedalja ging zu ihm , aber Elkan ließ sich nicht halten , sein Gesicht wurde blaurot , er fiel über Agathon her , preßte die Hände um seinen Hals und hätte ihn erdrosselt , wenn nicht ein furchtbarer Angstruf aus dem Krankenzimmer ihn zur Besinnung gebracht hätte . » Aus meinem Haus , du Christ ! « röchelte er und stieg schwankend die Stufen zum Schlafgemach hinauf . Gedalja strich langsam und nachdenklich über Agathons Haar . » Was haste getan ? « murmelte er . » Der sanfte Mann , der sanfte Elkan is geworden e wildes Tier . Die Welt is nimmer ganz . Es is was los in der Welt un mer stehn da wie die hilflosen Kinder . « Er nickte ; Agathon lehnte die Stirn an seine Schulter . » Zum Doktor ! Zum Doktor ! « kreischte plötzlich die Pflegerin und rannte fort . Elkan stand gebrochen auf der Schwelle und sagte : » Sie stirbt . Schemaa Jisroel adonai elohim adonai echot . « Agathon richtete sich auf . Sein bleiches Gesicht war plötzlich von einem überirdischen Feuer erfüllt , das alle mit Bestürzung und Scheu gewahrten . Die heulenden Kinder sahen ihn an und waren auf einmal ruhig . Er ging ins Zimmer der Mutter , an Elkan vorbei , der sich zusammenduckte wie vor einem Pestkranken , und trat an das Lager der Mutter . Sie röchelte . Ihre Augen blickten matt , leblos , stumpf , suchten gleichsam den Tod . Agathon sah nicht dies Bild . Er sah die jüngere Mutter , die entsagt hatte , geliebt , verloren hatte und nun unter der schweren Bürde der Tage erlegen war . Er nahm ihre Hand und begegnete ihren Augen . Er legte seine Hand auf ihre verfallene Brust , gegen die das Herz verlöschend klopfte . Er wünschte , das Fenster möge offen sein und da öffnete es jemand , als ob es eine unsichtbare Hand wäre . Seine Brust war zum Springen voll , er wußte nicht ob vor Schmerz oder vor verhaltenem Jauchzen . » Werde gesund , Mutter , wache , Mutter , du bist nicht krank , du darfst nicht sterben . « Er kannte seine Stimme nicht mehr , sie war ihm etwas Neues ; die Kraft , die seinen Körper aufatmen und sich aufrichten ließ , als wäre eine unerhörte Last von ihm genommen , erhellte seine Augen mit einem himmlischen Glanz . Und das Feuer schien in den Körper der Kranken überzuströmen ; sie lächelte plötzlich unter seiner bebenden Hand , sie seufzte erleichtert auf , sie drückte mit den schwachen , fleischlosen Fingern seine Hand und rief seinen Namen . Und je länger er die erloschenen Züge ansah , je mehr belebten sie sich in einer geheimnisvollen Weise , - bis sie frei , mild und hoffnungsvoll schienen . Und als der Arzt kam , hereingeleitet von der Pflegerin , richtete sich Frau Jette zu dessen Erstaunen empor , legte den Kopf auf den aufgestützten Arm und lächelte dem Doktor und ihren Kindern mit dem inbrünstig strahlenden Lächeln einer Genesenden zu . Neuntes Kapitel Novemberstürme ! Bojesen schritt durch die leeren Gassen und der Umhang seines Mantels wehte hoch empor . Sein Hut flog vom Kopf , rollte hin über die Steine und blieb vor dem Eingang zum » siebenten Himmel « ruhig liegen , wie ein Pferd , das seine Station kennt . Bojesen hob ihn gemächlich auf und trat in das Lokal , das voll Menschen war . Er nahm Platz , bestellte Bier und wandte bald keinen Blick mehr von der Bühne . Über eine nächtige Landschaft schien ein kunstloser Mond ; ein Ritter wandelte an einem primitiven Wasser und streckte bisweilen den Arm aus . Da öffneten sich die unglaubwürdigen Wolken und eine Erscheinung stand zwischen ihnen : Luisina . Der Ritter verzweifelte , diesem geliebten Bilde jemals nahe zu kommen , warf sich auf die Erde und gab vor , zu weinen . Da erhob sich ein Zauberer aus einer mangelhaften Versenkung , oder es war Satan selbst , wies ein Pergamentum vor und befahl dem Ritter , ihm seine Seele zu verschreiben . Das tat der Ritter , darauf schwebte die schöne Luisiana aus den Wolken herab , die Nacht war beendet , Wasser und Mond verschwunden , Mädchen mit wilden Haaren stürzten auf die Szene und zerrten junge Männer hinter sich nach . Nun begann das Publikum mitzuspielen . Ein langhaariger Mensch saß am Klavier und entlockte dem unwilligen Instrumente eine Folge von schrillen Harpeggien im Walzertempo . Der Glühende erschien mit emporgehobenen Armen und ekstatischen Begeisterungsausbrüchen , die Köchin kam und schrie , sie könne das Wasser zum Punsch nicht kochen , denn der Wind fahre stets in den Schlot und lösche das Feuer aus . » Nimm das Feuer meiner Brust , Aglaia ! « heulte der Glühende . Ein Mann mit langem Haupthaar war da , den man Barbin nannte und der sich ängstlich gebärdete , obwohl er zugleich den Übermütigen zu spielen versuchte . Sein Äußeres wie