brauche . Natürlich kann ich nicht an zwei Orten zu gleicher Zeit sein und auch über den Herrn die Kontrolle übernehmen . Ist auch nicht nötig . Die Hauptfrage bleibt in solchen Fällen immer : was treibt die Dame ? Man schlägt da stets zwei Fliegen mit einer Klappe . Nur noch eines : Wie ist das Verhältnis der Dame zu ihren Dienstboten ? Ich vermute , sie stehen auf ihrer Seite . Das müssen Sie zu ändern suchen und so bald wie möglich . Ein paar Zehn- oder Zwanzigmarkstücke - je nachdem können da Wunder thun . Es liegt das ganz außer meinen Gewohnheiten ; für mich sind die Dienstboten eben Dienstboten . Sehr löblich . Aber im Kriege , Herr Assessor , verschmähen auch sehr christliche Feldherrn die Spionage nicht . Ich selbst bin doch nichts anderes als ein Spion , sozusagen . Aber es ist Ihr Metier . Leider . Es giebt deren , welche weniger Mühe machen und besser rentieren . Und , Herr Assessor , da wir einmal bei dem Thema sind - Hier stellte der Mann seine Forderung , die von Viktor ohne Markten bewilligt wurde . Seitdem war er , wie Herr Krüger es ausdrückte , » auf dem Laufenden « erhalten worden . Sie trafen sich nach Viktors Amtsstunden in dem Café des Kaiserhofs zu einiger Verwunderung der Kellner , die nicht wohl begreifen konnten , wie der vornehme Herr zu dem sonderbaren Verkehr kam . Die Zusammenkünfte dauerten nicht lange , obgleich Herr Krüger stets etwas Wichtiges zu berichten hatte . Zuerst : die Dame - Herr Krüger bediente sich nie eines anderen Ausdrucks - holte sich regelmäßig eine halbe Stunde , nachdem der Herr Assessor die Wohnung verlassen , Briefe von dem Postamt Nr. 10 - poste restante , selbstverständlich . Er hatte zweimal in ihrer Nähe am Schalter gestanden , ihr einmal sogar über die Schulter gesehen , als ihr der Brief ausgehändigt wurde , leider aber die Chiffre nicht völlig herausbringen können . Es war nur ein Wort , dessen erste Silbe Ball war - Ballnacht vielleicht oder Ballabend - wahrscheinlich das letztere . Dann nach Hause , den Brief zu beantworten ; dann zu dem Briefkasten an der Ecke der Nachbarstraße . Dann Kommissionswege in die Stadt - unverdächtige , wie er zugeben müsse ; heute freilich eine mehr als verdächtige Affaire . Hier folgte eine genaue Schilderung von dem Rendezvous in der Nationalgalerie . Die Sache würde entscheidend sein ohne das Hinzukommen eines Paares : - junge Dame und Offizier , zweifellos Braut und Bräutigam - augenscheinlich so befreundet und vertraulich mit der Dame und dem Herrn , daß eine vorhergegangene gemeinschaftliche Verabredung , sich in der Galerie zu treffen , mindestens nicht ausgeschlossen sei . Viktor , der aus der sehr genauen Schilderung in dem hinzugekommen Paar sofort Stephanie und Herrn von Luckow erkannt hatte , war unter dem Vorwande , des Hauptmanns Verwendung für einen empfohlenen verwandten Kadetten in Anspruch zu nehmen , zu diesem gefahren , offenbar aber schon zu spät gekommen : Herr von Luckow , als er - wie zufällig - das Gespräch auf diese bewußte Begegnung brachte , hatte - gewiß auf vorhergegangene Verständigung mit seiner Braut - sich so diplomatisch ausgedrückt , - man konnte , wenn man wollte , auf ein Rendezvous zu vieren schließen . Aus Furcht , Luckow , den er jetzt auf Klotildens Seite glaubte , tiefer in seine Karten blicken zu lassen , war er von dem heiklen Thema alsbald auf ein anderes , unverfängliches übergegangen . Das war vorgestern . Der achttägige Kampf mit einem so entschlossenen Gegner , wie Klotilde , hatte Viktors Nerven doch mehr angegriffen , als sein Stolz zugeben wollte . Unter nur einigermaßen annehmbaren Bedingungen hätte er auch jetzt noch Frieden geschlossen ; die Gleichförmigkeit der zum größeren Teil indifferenten Nachrichten , welche Herr Krüger ihm täglich mitteilte , diente eher dazu , seine Streitlust einzuschläfern . Da kam der Sonnabend , auf den zufällig einer der in regelmäßigen Intervallen stattfindenden Kneipabende der alten Herren seines Bonner Corps fiel . Für ihn immer eine besondere Freude . Die Studentenzeit galt ihm als das Paradies seiner Erinnerungen . Auch hatten diese Zusammenkünfte eine praktische Seite , deren Wert er völlig zu schätzen wußte . Unter den Corpsbrüdern befanden sich hoch- und höchstgestellte Beamte , mit denen sich von Zeit zu Zeit zu begegnen und ein behaglich-freimütiges Wort auszutauschen , ebenso angenehm , wie vorteilhaft war . Sein specieller hoher Chef fehlte selten bei diesen Symposien , und gestern vormittag hatte er im Vorübergehen mit freundlichem Kopfnicken zu ihm gesagt : Nun , lieber Sorbitz , wir sehen uns doch morgen abend ; und er , sich verbeugend , geantwortet : Gewiß , Excellenz . Wäre es auch nur gewesen , in lebhaftem Gespräch mit geistesverwandten oder doch gesinnungsgleichen Kollegen über dem Glase diesen schlimmen Hader mir seiner Frau für ein paar Stunden vergessen zu können , - die Aussicht auf den Abend würde ihm willkommen gewesen sein . Am Nachmittage in der Konferenz mit Herrn Krüger erwähnte er zufällig seiner Absichten für den Abend . Der Detektive rieb sich das Kinn . Die Dame weiß , was Sie vorhaben ? fragte er . Ja . Weshalb ? Und diese Sitzungen pflegen lange zu dauern ? Ich komme selten vor zwei Uhr nach Hause . Manchmal auch später . Herr Krüger blickte starr vor sich hin . Ich bin überzeugt , heute abend passiert etwas , sagte er langsam . Viktor stieg das Blut in die Stirn . Sie haben dafür einen besonderen Anhalt ? fragte er fast heftig . Nein , erwiderte Herr Krüger ; es ist das auch gar nicht nötig . Der Herr und die Dame haben sich seit vier Tagen nicht gesehen ; das ist sicher . Mir ist nicht weniger sicher , daß sie dazu heute abend die Gelegenheit suchen werden ; vielmehr bereits verabredet haben . Wozu auch sonst die restanten Briefe ? Ich