Der Inder wird ganz aufgebracht , sagt dem Battany ganz derb über das Arabertum seine Meinung und schließt erregt : » Lieber Battany ! In Safurs Genußwut liegt eine gewisse Frechheit . Es ist unverschämt , dort mühelos genießen zu wollen , wo Andre nur im sauren Schweiß ihres Angesichts kärglich Früchte sammeln dürfen . Safur wird noch für seine Frechheit bestraft werden - seine Art , sich zu benehmen , ist übrigens empörend ! « Nun - Battany ist durch diese Eröffnungen nicht sehr entzückt - lädt aber , ohne zu erwidern , alle Inder , die er mitgebracht hat , zum Abend auf die Sternwarte . Er prophezeit eine Mondfinsternis . Stolz ruft er : » Heute bin ich ein Prophet ! « Und feuriger Wein muß die schlechte Laune des indischen Schauspieldichters rasch fortschwemmen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Am Abend stehen die Inder mit Battany auf dem fünfeckigen Altane der Sternwarte und schauen in den Vollmond . Abu Maschar ist auch auf dem Altane . Und der Mond verfinstert sich wirklich . Die Inder verneigen sich vor dem arabischen Astronomen . Abu Maschar steht steif wie ein Stock . Battany ist empört darüber . Der Sterndeuter sagt aber leise flüsternd : » Lieber Freund , was hast Du nun erreicht ? Du weißt wieder etwas , das des Wissens nicht würdig ist . Ob der Mond hell oder dunkel ist , bleibt sich so schrecklich gleich , daß ich über Deine Freude lachen muß . « - Und der Sterndeuter geht langsam davon auf seinen Mittelturm , will wieder rechnen . Battany sieht dem alten Kräkler wütend nach . Dann aber blickt der große Astronom starr in den immer dunkler werdenden Mond und wird stolzer - immer stolzer - er ballt die Fäuste - seine Augen funkeln - - - - - - seine Rechnungen stimmen ! Zwanzigstes Kapitel Die Lehmkate am Tigrisstrande ist sehr hübsch . Da lebt die Tarub mit ihrem Safur anfänglich viel friedlicher als in Bagdad . Der Tigris ist da so breit und groß . Wenn man vor der Türe der Kate steht , die auf einem Hügel erbaut ist , so überblickt man eine große dunkelblaue Wasserfläche . Die Palmen am gegenüberliegenden Ufer erscheinen ganz klein , so breit ist der Strom . In Bagdad lassen die vielen reich bewaldeten Inseln den Tigris viel kleiner erscheinen . Safur steht vor seiner Tür und blickt hinaus in die große Wasserwelt , über die ein frischer Wind hinstreicht , sodaß kleine weiße Schaumkämme das dunkle Blau der Flut durchstreifen . Unten am Ufer plätscherts und gurgelts - was sich sehr lustig anhört . In die Außenwände der gelbbraunen Lehmkate sind rote Tonplatten eingelegt , in die einst unförmliche altertümliche Figuren eingeknetet wurden ; was die Bilder darstellen sollen , kann man nicht mehr ordentlich erkennen . Auf dem Dach des Hauses ragt wie eine kleine Pyramide ein dunkelbraunes Zelt in den blauen Himmel . Ein paar riesige Palmen stehen rechts , links und hinten auf dem Hügel ; Adler nisten in den Kronen der Palmen . Vor dem Hause ist ein großer viereckiger Platz ganz mit roten Ziegelsteinen ausgelegt , die schon recht ausgetreten sind . Unten am Ufer wächst hohes Schilf . Mächtige rosa blühende Oleanderbüsche und weiß blühende Myrtenbüsche umwuchern den ganzen Hügel . Und oben rings um die alte Kate blühen unzählige weiße Rosen , die duften wunderbar . Safur schaut hinaus in die blaue Wasserwelt - die weißen Schaumkämme und die weißen Möven ziehen sanft über die Flut - wie Geisterhände . In den Kronen der Palmen pfeifen leise die jungen Adler ; der Dichter glaubt , es seien Töne aus einer andren Welt . Er denkt dabei an seine großen Wüstenreisen - an Damascus und Cairo . In seinen Gedanken reitet er wieder hoch zu Roß neben den Kamelen der Karawane durch die einsame Wüste wie ein Beduine - mit suchendem Auge und horchendem Ohr - wieder geht das Gesumm und Gesurr durch die Luft ; die Sterne funkeln , die Dschinnen locken und rufen , in der Ferne klingen hell die blitzenden Damaszenerklingen , die Rosse wiehern , der heiße Sand knirscht - und überall summts und surrts von Käfern und Nachtfaltern - und die Dschinnen reiten schneller - Safur schrickt zusammen und hält die Hand vor den Augen . Von der blauen Pracht des großen Stromes , der unten rauschend vorüberzieht , sieht und hört der Dichter nichts mehr . An das Wasser ist das Auge des Arabers nicht gewöhnt ; das Auge des Arabers ist nur gewöhnt , von Wüsten und von Palästen - zu träumen , in die wirkliche Welt blickt es nicht gern hinein - als wenns sich vor der blendenden hellen Sonne fürchten müsse . Drum wirkt der große Tigris auf den Safur garnicht befreiend - garnicht groß . Anfänglich ist der Dichter in viel besserer Stimmung - es ist ihm so Vieles am Ufer des Tigris neu . Die Tarub ist auch viel verträglicher . Safur wird sogar wieder ein bißchen lustig und neckt seine Köchin , daß sie lachen muß . Er neckt sie aber so oft , daß sie sich eines Tags drüber ärgert und zornig sagt : » Ach , hab Dich nicht immer so albern ! « Na - da ist es denn wieder mit der Neckerei zu Ende ; Safur ist wieder verletzt . Aber - es geht noch . Safur zieht morgens gewöhnlich mit einem langen Speer , mit Pfeil und Bogen , mit Schwert und Dolch auf die Jagd . Abends angelt der Dichter . So kommts , daß die Beiden nicht Mangel leiden . Datteln , Bananen und Feigen gibts auch in der Umgegend . Und Battany schickt in jeder Woche Brot und Wein . Der Tarub ist nur das Leben ein bißchen zu einsam . Safur ist auch so schweigsam