' Mannsbilder , dös tragt allweil mehr ! « Die Zaunerin gab einen Zuckerbrocken , wie ein Kinderfäustchen so groß , in Lieserls Schale . » Aber lang bist ausblieben . « » Ja , der Pointner-Andreas , was sagst , der hat mir den Weg wieder abpaßt und hat Augen gmacht wie a gstochener Gockel ! Ich sag dir ' s , Mutter , wann so a Trumm Bauernlackel verliebt wird , dös is zum Lachen ! « » Bist aber doch freundlich gwesen ? « » Ordentlich abfahren hab ich ihn lassen ! « » Aber Herzerl ! « Die Zaunerin schüttelte mißbilligend den grauen Kopf . » Der Andres is freilich a Trumm . Aber der einzige Sohn , und der Vater hat ' s schönste Anwesen im Ort . « Lieserl leerte die Tasse . » Mutter ! Für so an gscherten Bauernlümmel bin ich mir z ' gut ! « » Stimmt , Herzerl ! Du bist für was Bessers geboren . Aber man weiß net , wie ' s geht in der Welt . Drum sollst dir den Andres warm halten für den Fall , Gott bhüt , daß nix Bessers kommt . « Lieserl lachte . » Wird schon kommen . Wer weiß , vielleicht recht bald . Und was viel Bessers ! « Das war so geheimnisvoll gesprochen , daß die Zaunerin neugierig wurde . » So red doch , Herzerl ! Deiner Mutter kannst dich anvertrauen ! « » Na ! « Lieserl trat vor den Spiegel und zupfte an dem roten Seidenband , das um ihre Halskrause geschlungen war . » Wenn ' s einmal Zeit is zum Reden , wird d ' Mutter Augen machen ! « Die Zaunerin brannte vor Neugier ; doch sie hörte vor dem Haus einen schweren Schritt . » Der Vater ! « Flink trug sie das Kaffeegeschirr hinter den Ofen , während Lieserl sich an die Nähmaschine setzte . Die Tür wurde aufgestoßen , und Meister Zauner trat in die Stube , eine nicht allzu behäbige Gestalt , mit einem gescheiten und gutmütigen Gesicht , das aber jetzt auf übel Wetter zeigte . Ein paar Jährlein mochte er schon über die Fünfzig haben . Die klobigen Daumen und die von der Lederbeize violett gefärbten Fingerspitzen verrieten sein Handwerk . Im übrigen eine Figur , so ähnlich , wie auf kleinen Theatern der verkommene Künstler geschildert wird : mit karierter Tuchhose , in blusenartigem Janker , eine langgedröselte Seidenbinde um den Hemdkragen und mit einem breitkrempigen Filzhut , der noch schwarz zu nennen war , aber schon in alle Farben hinüberschillerte . Bei Meister Zauner war dieses Äußere ein Widerspruch zum inneren Menschen . Trotz der Genialität , mit der er fast ein Dutzend brotloser Künste betrieb , war er ein tüchtiger , fleißiger Handwerker , ein braver Kerl , der nur den einen Kardinalfehler hatte , daß er mehr als zulässig unter dem Pantoffel stand - nicht unter dem schweren Schlappschuh seiner Frau , sondern unter dem kleinen Pantöffelchen seiner einzigen Tochter . Zuweilen suchte er gegen diese niedliche Macht anzukämpfen . Auch jetzt ließ er deutlich merken , daß die Kanone seines Zornes schwer geladen und auf Lieserl gerichtet war . Mutter und Tochter tauschten den verständnisvollen Blick der zu Schutz und Trutz Alliierten . » Grüß Gott , Herr Vater ! « sagte Lieserl und setzte die Nähmaschine in Gang , deren hurtiges Geklapper das wirre Gezwitscher der Vögel übertönte . Meister Zauner warf seiner zwar nicht besseren , aber unleugbar gewichtigeren Ehehälfte einen wütenden Blick zu und schleuderte seinen Hut auf das Fenstergesims , daß die vier Vögel dieser Nische erschreckt in alle Winkel ihrer Käfige flatterten und sämtliche Maschinen in Bewegung setzten . Dann ging er auf den leeren Tisch zu . Als säße der Gegenstand seines Zornes hier vor ihm , so bohrte er den gestreckten Zeigefinger gegen die Platte und schrie : » Ich sag ' s zum letztenmal . Wenn die Gschicht net bald an End nimmt , gibt ' s an ordentlichen Spitakel ! Ich bin a guter Kerl . Jung sein und lustig , dös laß ich mir gfallen . Aber was ich alles hören muß , is nimmer schön ! Wenn ich schon glauben will , daß d ' Hälft davon erlogen is - es muß mir vor der andern Hälft noch grausen . Wie steh ich denn da , wenn so was ins Schloß eini tragen wird ? Ich müßt vor der gnädigen Herrschaft in Boden versinken vor lauter Schand ! Da schieb ich an Riegel für ! Die Gschichten hören auf ! Oder es gibt an Spitakl ! Himmelherrgottsakrament ! « Meister Zauner schlug die Faust auf die Tischplatte , trat zum Fenster , legte die Hände hinter den Rücken und starrte auf die Straße hinaus . Lieserl hatte die Nähmaschine gestellt , und Stille war in der Stube . Nur einer der Vögel wagte ein schüchternes Gezwitscher . Kopfschüttelnd blickte das Mädel auf die Mutter . » Was hat denn der Herr Vater ? « » Was weiß denn ich ? « seufzte die Zaunerin auf der Ofenbank . Lieserl erhob sich . » Aber Herr Vater ? Was is denn ? « » Du wirst schon wissen , was los is ! « schrie Meister Zauner , ohne das Gesicht zu wenden . » Ich ? « fragte das Mädel staunend . » Der Herr Vater hat doch net am End mich gmeint ? Da müßt ich aber bitten - « Gereizt fuhr Wastl Zauner auf die Tochter zu und hob ihr die Faust vor das nette Näschen . » Lieserl , tu dich net föppeln mit mir ! « » Jesses Maria ! « kreischte die Meisterin und schlug die Hände über dem Kopf zusammen . » Wie kann sich denn a Mensch so aufführen gegen sein einzigs Kind ! « » Du sei still , gelt ! Du bist schuld an allem . Mit deiner ewigen Schöntuerei