zurückkam als gewöhnlich . Effi sprang auf , um ihn schon im Flur zu begrüßen , und war um so zärtlicher , je mehr sie das Gefühl hatte , etwas gutmachen zu müssen . Aber ganz konnte sie das , was Crampas gesagt hatte , doch nicht verwinden , und inmitten ihrer Zärtlichkeiten , und während sie mit anscheinendem Interesse zuhörte , klang es in ihr immer wieder : » Also Spuk aus Berechnung , Spuk , um dich in Ordnung zu halten . « Zuletzt indessen vergaß sie ' s und ließ sich unbefangen von ihm erzählen . Inzwischen war Mitte November herangekommen , und der bis zum Sturm sich steigernde Nordwester stand anderthalb Tag lang so hart auf die Molen , daß die mehr und mehr zurückgestaute Kessine das Bollwerk überstieg und in die Straßen trat . Aber nachdem sich ' s ausgetobt , legte sich das Unwetter , und es kamen noch ein paar sonnige Spätherbsttage . » Wer weiß , wie lange sie dauern « , sagte Effi zu Crampas , und so beschloß man , am nächsten Vormittage noch einmal auszureiten ; auch Innstetten , der einen freien Tag hatte , wollte mit . Es sollte zunächst wieder bis an die Mole gehen ; da wollte man dann absteigen , ein wenig am Strande promenieren und schließlich im Schutze der Dünen , wo ' s windstill war , ein Frühstück nehmen . Um die festgesetzte Stunde ritt Crampas vor dem landrätlichen Hause vor ; Kruse hielt schon das Pferd der gnädigen Frau , die sich rasch in den Sattel hob und noch im Aufsteigen Innstetten entschuldigte , der nun doch verhindert sei : letzte Nacht wieder großes Feuer in Morgenitz - das dritte seit drei Wochen , also angelegt - , da habe er hingemußt , sehr zu seinem Leidwesen , denn er habe sich auf diesen Ausritt , der wohl der letzte in diesem Herbste sein werde , wirklich gefreut . Crampas sprach sein Bedauern aus , vielleicht nur , um was zu sagen , vielleicht aber auch aufrichtig , denn so rücksichtslos er im Punkte chevaleresker Liebesabenteuer war , so sehr war er auch wieder guter Kamerad . Natürlich , alles ganz oberflächlich . Einem Freunde helfen und fünf Minuten später ihn betrügen waren Dinge , die sich mit seinem Ehrbegriffe sehr wohl vertrugen . Er tat das eine und das andere mit unglaublicher Bonhomie . Der Ritt ging wie gewöhnlich durch die Plantage hin . Rollo war wieder vorauf , dann kamen Crampas und Effi , dann Kruse . Knut fehlte . » Wo haben Sie Knut gelassen ? « » Er hat einen Ziegenpeter . « » Merkwürdig « , lachte Effi . » Eigentlich sah er schon immer so aus . « » Sehr richtig . Aber Sie sollten ihn jetzt sehen ! Oder doch lieber nicht . Denn Ziegenpeter ist ansteckend , schon bloß durch Anblick . « » Glaub ich nicht . « » Junge Frauen glauben vieles nicht . « » Und dann glauben sie wieder vieles , was sie besser nicht glaubten . « » An meine Adresse ? « » Nein . « » Schade . « » Wie dies schade Sie kleidet . Ich glaube wirklich , Major , Sie hielten es für ganz in der Ordnung , wenn ich Ihnen eine Liebeserklärung machte . « » So weit will ich nicht gehen . Aber ich möchte den sehen , der sich dergleichen nicht wünschte . Gedanken und Wünsche sind zollfrei . « » Das fragt sich . Und dann ist doch immer noch ein Unterschied zwischen Gedanken und Wünschen . Gedanken sind in der Regel etwas , das noch im Hintergrunde liegt , Wünsche aber liegen meist schon auf der Lippe . « » Nur nicht gerade diesen Vergleich ! « » Ach , Crampas , Sie sind ... Sie sind ... « » Ein Narr . « » Nein . Auch darin übertreiben Sie wieder . Aber Sie sind etwas anderes . In Hohen-Cremmen sagten wir immer , und ich mit , das Eitelste , was es gäbe , das sei ein Husarenfähnrich von achtzehn ... « » Und jetzt ? « » Und jetzt sag ich , das Eitelste , was es gibt , ist ein Landwehrbezirksmajor von zweiundvierzig . « » ... Wobei die zwei Jahre , die Sie mir gnädigst erlassen , alles wiedergutmachen - küß die Hand . « » Ja , küß die Hand . Das ist so recht das Wort , das für Sie paßt . Das ist wienerisch . Und die Wiener , die hab ich kennengelernt , in Karlsbad , vor vier Jahren , wo sie mir vierzehnjährigem Dinge den Hof machten . Was ich da alles gehört habe ! « » Gewiß nicht mehr , als recht war . « » Wenn das zuträfe , wäre das , was mir schmeicheln soll , ziemlich ungezogen ... Aber sehen Sie da die Bojen , wie die schwimmen und tanzen . Die kleinen roten Fahnen sind eingezogen . Immer wenn ich diesen Sommer , die paar Mal , wo ich mich bis an den Strand hinauswagte , die roten Fahnen sah , sagt ich mir : da liegt Vineta , da muß es liegen , das sind die Turmspitzen ... « » Das macht , weil Sie das Heinesche Gedicht kennen . « » Welches ? « » Nun , das von Vineta . « » Nein , das kenne ich nicht ; ich kenne überhaupt nur wenig . Leider . « » Und haben doch Gieshübler und den Journalzirkel ! Übrigens hat Heine dem Gedicht einen anderen Namen gegeben , ich glaube Seegespenst oder so ähnlich . Aber Vineta hat er gemeint . Und er selber - verzeihen Sie , wenn ich Ihnen so ohne weiteres den Inhalt hier wiedergebe - , der Dichter also , während er die Stelle passiert , liegt auf einem Schiffsdeck und sieht hinunter und sieht da schmale ,