... « Die Schmolke glaubte nicht recht gehört zu haben und sagte : » Du hast für dich selber sorgen müssen ? Was meinst du damit , was soll das heißen ? « » Es soll heißen , liebe Schmolke , daß ich mich heut abend verlobt habe . « » Himmlischer Vater , is es möglich . Aber sei nich böse , daß ich mich so verfiere ... Denn es is ja doch eigentlich was Gutes . Na , mit wem denn ? « » Rate . « » Mit Marcell . « » Nein , mit Marcell nicht . « » Mit Marcell nich ? Ja , Corinna , dann weiß ich es nich und will es auch nich wissen . Bloß wissen muß ich es am Ende doch . Wer is es denn ? « » Leopold Treibel . « » Herr , du meine Güte ... « » Findest du ' s so schlimm ? Hast du was dagegen ? « » I bewahre , wie werd ich denn . Un würde sich auch gar nich vor mir passen . Un denn die Treibels , die sind alle gut un sehr proppre Leute , der alte Kommerzienrat voran , der immer so spaßig is und immer sagt : Je später der Abend , je schöner die Leute un noch fufzig Jahre so wie heut und so was . Und der älteste Sohn is auch sehr gut und Leopold auch . Ein bißchen spitzer , das is wahr , aber heiraten is ja nich bei Renz in ' n Zirkus . Und Schmolke sagte oft : Höre , Rosalie , das laß gut sein , so was täuscht , da kann man sich irren ; die Dünnen un die so schwach aussehn , die sind oft gar nich so schwach . Ja , Corinna , die Treibels sind gut , un bloß die Mama , die Kommerzienrätin , ja höre , da kann ich mir nich helfen , die Rätin , die hat so was , was mir nich recht paßt , un ziert sich immer un tut so , un wenn was Weinerliches erzählt wird von einem Pudel , der ein Kind aus dem Kanal gezogen , oder wenn der Professor was vorpredigt un mit seiner Baßstimme so vor sich hin brummelt : Wie der Unsterbliche sagt ... un dann kommt immer ein Name , den kein Christenmensch kennt , un die Kommerzienrätin woll auch nich - dann hat sie gleich immer ihre Träne un sind immer wie Stehtränen , die gar nich runter wolln . « » Daß sie so weinen kann , ist aber doch eigentlich was Gutes , liebe Schmolke . « » Ja , bei manchem is es was Gutes un zeigt ein weiches Herz . Un ich will auch weiter nichts sagen un lieber an meine eigne Brust schlagen , un muß auch , denn mir sitzen sie auch man lose ... Gott , wenn ich daran denke , wie Schmolke noch lebte , na , da war vieles anders , un Billetter für den dritten Rang hatte Schmolke jeden Tag un mitunter auch für den zweiten . Un da machte ich mich denn fein , Corinna , denn ich war damals noch keine dreißig un noch ganz gut im Stande . Gott , Kind , wenn ich daran denke ! Da war damals eine , die hieß die Erhartten , die nachher einen Grafen geheiratet . Ach , Corinnchen , da hab ich auch manche schöne Träne vergossen . Ich sage schöne Träne , denn es erleichtert einen . Un in Maria Stuart war es am meisten . Da war denn doch eine Schnauberei , daß man gar nichts mehr verstehn konnte , das heißt aber bloß ganz zuletzt , wie sie von all ihre Dienerinnen und von ihrer alten Amme Abschied nimmt , alle ganz schwarz , un sie selber immer mit ' s Kreuz , ganz wie ' ne Katholsche . Aber die Erhartten war keine . Un wenn ich mir das alles wieder so denke un wie ich da aus der Träne gar nich rausgekommen bin , da kann ich auch gegen die Kommerzienrätin eigentlich nichts sagen . « Corinna seufzte , halb im Scherz und halb im Ernst . » Warum seufzt du , Corinna ? « » Ja , warum seufze ich , liebe Schmolke ? Ich seufze , weil ich glaube , daß Sie recht haben und daß sich gegen die Rätin eigentlich nichts sagen läßt , bloß weil sie so leicht weint oder immer einen Flimmer im Auge hat . Gott , den hat mancher . Aber die Rätin ist freilich eine ganz eigene Frau , und ich trau ihr nicht , und der arme Leopold hat eigentlich eine große Furcht vor ihr und weiß auch noch nicht , wie er da heraus will . Es wird eben noch allerlei harte Kämpfe geben . Aber ich laß es darauf ankommen und halt ihn fest , und wenn meine Schwiegermutter gegen mich ist , so schadt es am Ende nicht allzuviel . Die Schwiegermütter sind eigentlich immer dagegen , und jede denkt , ihr Püppchen ist zu schade . Na , wir werden ja sehn , ich habe sein Wort , und das andere muß sich finden . « » Das ist recht , Corinna , halt ihn fest . Eigentlich hab ich ja einen Schreck gekriegt , und glaube mir , Marcell wäre besser gewesen , denn ihr paßt zusammen . Aber das sag ich so bloß zu dir . Un da du nu mal den Treibelschen hast , na , so hast du ' n , un da hilft kein Prätzelbacken , un er muß stillhalten und die Alte auch . Ja , die Alte erst recht . Der gönn ich ' s. « Corinna nickte . » Un nu schlafe , Kind . Ausschlafen is immer gut , denn man kann nie wissen , wie ' s kommt un wie man