humoristisch , halb feierlich , versprochen hatte , ihr einen Immortellenkranz aufs Grab zu legen . In der Unruhe , darin er sich befand , war es ihm schon eine Freude , daß ihm das Versprechen wieder einfiel , und so beschloß er denn die damalige Zusage sofort wahr zu machen . » Rollkrug und Mittag und pralle Sonne - die reine Reise nach Mittelafrika . Aber die gute Alte soll ihren Kranz haben . « Und gleich danach nahm er Degen und Mütze und machte sich auf den Weg . An der Ecke war ein Droschkenstand , freilich nur ein kleiner , und so kam es , daß trotz der Inschrifttafel » Halteplatz für drei Droschken « immer nur der Platz und höchst selten eine Droschke da war . So war es auch heute wieder , was mit Rücksicht auf die Mittagsstunde ( wo die Droschken überall , als ob die Erde sie verschlänge , zu verschwinden pflegen ) an diesem ohnehin nur auf ein Pflichtteil gesetzten Halteplatz kaum überraschen konnte . Botho ging also weiter , bis ihm , in Nähe der Van-der-Heydt-Brücke , ein ziemlich klappriges Gefährt entgegenkam , hellgrün mit rotem Plüschsitz und einem Schimmel davor . Der Schimmel schlich nur so hin , und Rienäcker konnte sich angesichts der » Tour « , die dem armen Tiere bevorstand , eines wehmütigen Lächelns nicht erwehren . Aber so weit er auch das Auge schicken mochte , nichts Besseres war in Sicht , und so trat er denn an den Kutscher heran und sagte : » Nach dem Rollkrug . Jakobikirchhof . « » Zu Befehl , Herr Baron . « » ... Aber unterwegs müssen wir halten . Ich will nämlich noch einen Kranz kaufen . « » Zu Befehl , Herr Baron . « Botho war einigermaßen verwundert über die mit soviel Promptheit wiederkehrende Titulatur und sagte deshalb : » Kennen Sie mich ? « » Zu Befehl , Herr Baron . Baron Rienäcker , Landgrafenstraße . Dicht bei ' n Halteplatz . Hab Ihnen schon öfter gefahren . « Bei diesem Gespräche war Botho eingestiegen , gewillt , sich ' s in der Plüschecke nach Möglichkeit bequem zu machen , er gab es aber bald wieder auf , denn die Ecke war heiß wie ein Ofen . Rienäcker hatte den hübschen und herzerquickenden Zug aller märkischen Edelleute , mit Personen aus dem Volke gern zu plaudern , lieber als mit » Gebildeten « , und begann denn auch ohne weiteres , während sie im Halbschatten der jungen Kanalbäume dahinfuhren : » Is das eine Hitze ! Ihr Schimmel wird sich auch nicht gefreut haben , wenn er Rollkrug gehört hat . « » Na , Rollkrug geht noch ; Rollkrug geht noch von wegen der Heide . Wenn er da durchkommt un die Fichten riecht , freut er sich immer . Er is nämlich von ' s Land ... Oder vielleicht is es auch die Musike . Wenigstens spitzt er immer die Ohren . « » So , so « , sagte Botho . » Bloß nach tanzen sieht er mir nicht aus ... Aber wo werden wir denn den Kranz kaufen ? Ich möchte nicht gern ohne Kranz auf den Kirchhof kommen . « » O damit is noch Zeit , Herr Baron . Wenn erst die Kirchhofsgegend kommt , von ' s Hallsche Tor an un die ganze Pionierstraße runter . « » Ja , ja , Sie haben recht ; ich entsinne mich ... « » Un nachher , bis dicht an den Kirchhof ran , hat ' s ihrer auch noch . « Botho lächelte . » Sie sind wohl ein Schlesier ? « » Ja « , sagte der Kutscher . » Die meisten sind . Aber ich bin schon lange hier und eigentlich ein halber Richtiger-Berliner . « » Und ' s geht Ihnen gut ? « » Na , von gut is nu woll keine Rede nich . Es kost ' t allens zuviel un soll immer von ' s Beste sein . Und der Haber is teuer . Aber das ginge noch , wenn man bloß sonst nichts passierte . Passieren tut aber immer was , heute bricht ' ne Achse , un morgen fällt en Pferd . Ich habe noch einen Fuchs zu Hause , der bei den Fürstenwalder Ulanen gestanden hat ; propres Pferd , man bloß keine Luft nich un wird es woll nich lange mehr machen . Un mit eins ist er weg ... Un denn die Fahrpolizei ; nie zufrieden , hier nich un da nich . Immer muß man frisch anstreichen . Un der rote Plüsch is auch nich von umsonst . « Während sie noch so plauderten , waren sie , den Kanal entlang , bis an das Hallesche Tor gekommen ; vom Kreuzberg her aber kam gerad ein Infanteriebataillon mit voller Musik , und Botho , der keine Begegnungen wünschte , trieb deshalb etwas zur Eile . So ging es denn rasch an der Belle-Alliance-Brücke vorbei , jenseits derselben aber ließ er halten , weil er gleich an einem der ersten Häuser gelesen hatte : » Kunst- und Handelsgärtnerei « . Drei , vier Stufen führten in einen Laden hinauf , in dessen großem Schaufenster allerlei Kränze lagen . Rienäcker stieg aus und die Stufen hinauf . Die Tür oben aber gab beim Eintreten einen scharfen Klingelton . » Darf ich Sie bitten , mir einen hübschen Kranz zeigen zu wollen ? « » Begräbnis ? « » Ja . « Das schwarzgekleidete Fräulein , das , vielleicht mit Rücksicht auf den Umstand , daß hier meist Grabkränze verkauft wurden , in seiner Gesamthaltung ( selbst die Schere fehlte nicht ) etwas ridikül Parzenhaftes hatte , kam alsbald mit einem Immergrünkranze zurück , in den weiße Rosen eingeflochten waren . Zugleich entschuldigte sie sich , daß es nur weiße Rosen seien . Weiße Kamelien stünden höher . Botho seinerseits war zufrieden , enthielt sich aller Ausstellungen und fragte