geharrt und ausgehalten , um aus unserer Vermählung eine Maskerade zu machen ! « » Nein , das tun wir nicht ! « bestätigte Netti ; » wir haben auch etwas dazu zu sagen ! « Die Mutter schlichtete den Streit . » Genaugenommen haben sie recht , was den hiesigen Teil des Festes betrifft , « sagte sie , » es wäre im Bahnhof doch eine wunderliche Existenz und auch die Küche in einem guten Hotel angemessener . Das Getrappel zu Fuß geht ja eigentlich auch nicht , dazu ist die Stadt zu bevölkert ; tausend Kinder würden uns vor- und nachlaufen . Den Mädchen können wir das Brautkleid , das sie nur einmal im Leben tragen , auch nicht absprechen , und so sind Kutschen im voraus notwendig und damit müssen wir für die ganze Gesellschaft Kutschen haben ! Wie es draußen im Dorf gehalten werden soll , mag bei eurem Programm bleiben , dieser Teil ist ja die Hauptsache . « » Gut , ich füge mich ! « entschied sich Salander . » Dann frühstückt man aber im großen Saal zu den Vier Winden und fährt dahin und von dort nach dem Bahnhof , meinetwegen in hundert Kutschen und noch mehr ! Die Vier Winde möchte ich haben , weil das Lokal einen politischen Beigeschmack hat . « Frau Marie Salander blickte den Mann mit unmerklich zuckendem Munde an , vielleicht das erste Mal mit dem zweifelhaft fragende Ausdruck , der in ihren Augen lag . Der Tag war nach allen Vorbereitungen endlich da , inmitten des Junimonats , und der Himmel unbewölkt . Vom Salanderschen Hause fuhren zwei Wagen mit den Braut- und Elternpaaren nach den Vier Winden , während in einer Anzahl anderer Fuhrwerke gegen vierzig Personen beiderlei Geschlechts dort anlangten . Außer den Bräutigamen und ihren Vätern erschienen fast sämtliche Männer in bequemen Kleidern jeder Farbe und Machenschaft . Nur Herr Möni Wighart , vielleicht der einzige nicht demokratische Gast , kam schwarz gekleidet . Er stimmte stets mit der liberalen Partei , freute sich aber zuweilen , wenn sie eine Ohrfeige bekam , weil er es vorausgesagt , und ließ im übrigen die Dinge sich nicht viel zu Herzen gehen . Heute war er überaus gespannt auf das Hochzeitsfest , das schon im voraus von sich reden gemacht , und hatte die Einladung des alten Freundes mit Dank aufgenommen . Die Frauensleute der ganzen Gesellschaft kamen hochzeitlich gekleidet , mit frisierten Haaren , Blumen und anderer Zierat , wie es Alter , Geschmack und Mittel erlaubten . Und das ohne alle Verabredung ; jede tat , was sie wollte , und alle hatten das gleiche gewollt , trotz den Mahnungen der Männer , die sich an Salanders Vorschrift hielten . Sie freuten sich jetzt doppelt , als sie sich mit beflissener Neugier um die Bräute versammelten und deren romantischen Staat und Anblick bewunderten , den sie feenhaft nannten , während man ihnen hatte weismachen wollen , sie würden auch in gewohnten Sonntagsröcken auftreten . Setti und Netti aber fühlten eine große Befangenheit , denn noch nie war eine Hochzeit in Münsterburg gewesen , an welcher die Braut so wenig bekannte Gesichter unter den Hochzeitsgästen sah . Indessen schuf das gute Frühmahl , verbunden mit dem sonnigen Tage , bald eine vertrautere Stimmung , und der Extrazug in der Bahnhalle nahm eine zur Heiterkeit ziemlich gleichmäßig vorbereitete Gesellschaft auf . In einer Stunde war man an Ort und Stelle . Auf dem Stationsplatze bliesen acht gediente und geübte Musikanten einen schönen Marsch , bis der Zug anhielt und die Insassen ausgestiegen ; im Wartesaal begrüßten die versammelten Gäste von der Landschaft die Ankommenden und ordneten sich mit denselben zum Gange nach der Kirche . Beim Heraustreten machte die Musik kehrt und führte den Zug unverweilt mit klingendem Spiele in den Tempel . Der Teil des Volkes , das nicht schon dort saß , besonders die Jugend , lief nebenher , am dichtesten , wo die denkwürdigen Zwillingsbrüder und die geschmückten , ebenso merkwürdigen Bräute gingen . In der gefüllten Kirche standen auf der Empore in der Tat zwei Häuflein Sänger , jedes von einem Schulmeister mit gelber Stimmpfeife angeführt , die ihm zugleich als Taktstock diente . Takt im weiteren Sinne besaßen sie nicht genug , denn statt sich als ein Chor zusammenzutun , hatten sie sich ausgestellt , als ob sie gegeneinander das bekannte Pintschgauer Wallfahrtslied singen wollten . Dennoch intonierten sie gemeinschaftlich unter dem Schwingen der zwei Stimmpfeifen ganz ordentlich ein kirchliches Lied , welches vom Gemeindegesang kräftig gedeckt wurde . Der Pfarrer verlas hierauf ein eigens verfaßtes Gebet , welches den kirchlichen Sinn und die Rechte des freien Denkens gleichmäßig vertrat , und hielt eine schöne Predigt oder religiöse Rede über das gefeierte Ereignis , dasselbe mehrseitig erklärend und zu einer Parabel ausgestaltend , die allgemein wohlgefiel und wahrhaft erbauend genannt wurde . Zum Schlusse trugen die Sänger eine treffliche Komposition von Uhlands » Brautgesang « vor , die ihnen etwas schwieriger wurde als der vorige Choral , indem sie jetzt ohne die Gemeinde singen mußten und die gelben Stimmpfeifen nicht ganz gleich auf und nieder gingen . Auch war im Text durch den heutigen Sonderfall eine kleine Änderung als geboten erachtet worden . Statt des Einganges : Das Haus benedei ich und preis es laut , Das empfangen hat eine liebliche Braut ; Zum Garten muß es erblühen ; wurde gesungen : Das Haus benedei ich und preis es heut , Das empfangen hat zwei liebliche Bräut ' usw. und statt » Aus dem Brautgemach tritt eine herrliche Sonn ' « hieß es : » tritt eine doppelte Sonn ' « . Allein niemand bemerkte die unnötige Verschlimmerung , und die kleinen Takt- und Harmoniewirren fanden duldsame Hörer . Zufrieden mit dem guten Willen , wenn es unter sich ist , betrachtet das Volk eine stramme Kunstübung eher als ein aristokratisches Wesen und ist durch alle Schichten hindurch darauf aus , eifrig zu demokratisieren , was in seinen Bereich