! « » Je « , sagte die Helen , » Sepherl , was machst denn du da ? « Was sie da mache ? Sie , die da unterm Dach schwere Zeiten hat tragen helfen ? Und das fragt die , welche dieselbn herbeigführt hat und ihr jetzt bei gutem Wetter wieder breit die Tür verstellt ! Oh , wie das hochmütig und höhnisch war ! - Dafür nahm es die eifersüchtige Dirne , und ihrem Empfinden nach hatte sie recht ; Helene aber dachte nicht , daß so ein unbeholfenes , unschönes Ding sich einbilde , man könne ihm ernstlich übelwollen oder überhaupt gegen es hochmütig sein . Sie hatte , ohne eine Antwort abzuwarten , die Neckerei mit dem Burschen wieder angehoben . Sepherl stemmte den einen Arm in die Seite und schüttelte den andern gegen das Paar . » Galsterts nur nit gar soviel « , rief sie kichernd , » sonst habt ihr ' s mit d ' Bauern z ' tun , dö brauchen hitzt schön Wetter , und wann Kaibeln raufen , kimmt bald ein Regen ! « Damit lief sie fort , und oft schlug sie mit der geballten Rechten in die flache linke Hand und lachte : » Dösmal hab ich ihr ' s gebn ! Ah , ich laß mich nit feanzen ! Dösmal hab ich ihr ' s ghörig gebn ! « Zwar hat sich der Muckerl auch ihre » spitze Red « gefallen lassen müssen , dem war nicht abzuhelfen , aber rechtschaffen freuen tat es sie nur , der hochmütigen Dirn eins angehängt zu haben . In ganz Zwischenbühel wunderte man sich darüber , » wie der Herrgottlmacher mit der Zinshofer Helen so gschwind wieder übereins hat werden können « , und besonderes Aufsehen machte es , » daß ' s den zwein Leuteln mitm Hochzeitmachen so unmenschlich eilt « . Auch im Pfarrhofe kam die Rede darauf . Die Zwischenbüheler Kirche war gar klein geraten , man hatte sie , seitab der Straße , auf den Hügel hingebaut , und eine ziemliche Anzahl niederer , breiter Stufen , für altersmüde Beine vorgesehen , führten zu ihr hinan , und eine eiserne , längs der Wand festgenietete Stange leitete die zitternden Hände . Rechter Hand umfriedete eine verfallene Bruchsteinmauer ein kleines Grundstück , durch die schwarz angestrichenen Latten des Tores sah man tiefgrünen , hügeligen Rasen , aus dem hie und da ein Kreuz ragte . Die Torflügel standen halb zugelehnt , und zwischen den Gräbern graste eine braungefleckte Kuh , sie beschnüffelte eben ein ganz verwittertes Blechschild , das einst jeden , der sich aufs Lesen verstand , davon benachrichtigte , daß hier die Margarete Zauner , genannt » Schluckaufgredl « , Kuhmagd beim Hochleitnerbauer , beerdigt liege . Die kannte vielleicht bei Lebzeiten die Braungefleckte noch als Kalb . Linker Hand lehnte sich der Pfarrhof an das Kirchlein , klein und unansehnlich wie dieses ; zwei Fenster im Erdgeschosse und zwei im Stockwerke und an Stelle des dritten , ober dem Tore , eine Nische , in welcher ein Heiliger stand , von dem unter den ältesten Leuten im Dorfe die Sage ging , es wäre der heilige Pamphilius gewesen , denn dermalen war das Steinbild durch langjährige Unbilden des Wetters so mitgenommen , daß davon nicht mehr übergeblieben als eine höchst fragwürdige Verallgemeinerung menschlicher Gestalt . Ein kleiner Hofraum , in welchem der Stall für die Braungefleckte stand , und ein schattiges Gärtchen stießen rückwärts an das Haus , dessen niedere Gemächer , man konnte in jedem mit ausgereckter Hand an die Decke reichen , drei Personen bewohnten . Die Stube unten , gleich neben dem Tore , war als Pfarrkanzlei eingerichtet , und die anschließende Kammer , mit den Fenstern nach dem Hofe , hatte ein junger Hilfsgeistlicher inne ; im Stockwerke waren diese Wohnräume getrennt und mündeten Tür an Türe nach dem Gange ; da hauste der Herr Pfarrer in der Stube und die Pfarrköchin in der Kammer nebenan , aber in Zwischenbühel hatte dessen niemand ein Arg , denn die Pfarr-Regerl war ein überjähriges , langes , dürres Weibsbild ; die Bauern meinten , vor der liefe der Teufel davon , wenn sie ihm Karessen mache , und der höllische Erbfeind soll doch sonst nicht heikel sein . Man sagte der Regerl nach , daß sie wie die » teuere Zeit « aussehe und der Herr Pfarrer wie die » gute Stund selber « ; er sah auch unter dem kurzgeschnittenen , schneeweißen Haar mit dem gutmütigsten Gesichte in die Welt , über dem zahnlosen , freundlich lächelnden Munde und den rot angehauchten Bäckchen blinkten ein Paar klare , graue Augen , forschend und traulich , selten saß davor , auf dem leicht gebogenen Sattel der Nase , die Brille mit der Horneinfassung , meist schob sie der alte Herr nach der Stirne hinauf , da er ihrer nur zum Lesen bedurfte . Von Gestalt war er ein kleines Männlein , kurz , beweglich , nirgendwo lange standhaltend , was ja auch zu dem Vergleiche mit der guten Stunde paßte , wie jeder bezeugen wird , der eine solche einmal erlebt . Als vor ungefähr einem Jahre der hochwürdige Herr Leopold Reitler , Pfarrer zu Zwischenbühel , merkte , daß ihm beim Schreiben manchmal die Hand versage und er sich obendrein über einigen Vergeßlichkeiten ertappte , da schritt er bittlich um einen geistlichen Hilfsarbeiter ein , der ihm denn auch nach überraschend kurzer Frist in der Person des hochwürdigen Herrn Kaplans Martin Sederl zugeteilt ward . Der junge Kleriker war ein hoch aufgeschossener , derbknochiger Mensch , er trug den Kopf , zu dessen beiden Seiten die Ohren fast platt anlagen , auf vorgerecktem Halse , das kurze , braune Haar fiel ihm struppig in die niedere Stirne , in seinem durch die vortretenden Backenknochen und derben Kinnladen auffallend breiten Gesichte verschwand eine kaum nennenswerte Nase und trat dagegen ein schrecklich großer Mund hervor , dessen Lippen über einem Gebiß von