Mühe weitergereist , als daß er nun eine Fußpartie unternehmen sollte , die dazu noch mit einer Bergbesteigung enden mußte , die sehr beschwerlich und dazu gefahrvoll sein konnte in diesem Lande , wo doch alles noch halb wild war , wie Sebastian annahm . Er schaute daher sehr vorsichtig um sich , wen er etwa beraten könnte über den sichersten Weg nach dem » Dörfli « . Unweit des kleinen Stationsgebäudes stand ein kleiner Leiterwagen mit einem mageren Rößlein davor ; auf diesen wurden von einem breitschultrigen Manne ein paar große Säcke aufgeladen , die mit der Bahn hergebracht worden waren . Sebastian trat zu ihm heran und brachte seine Frage nach dem sichersten Weg zum Dörfli vor . » Hier sind alle Wege sicher « , war die kurze Antwort . Jetzt fragte Sebastian nach dem besten Wege , auf dem man gehen könne , ohne in die Abgründe zu stürzen , und auch wie man einen Koffer nach dem betreffenden Dörfli befördern könnte . Der Mann schaute nach dem Koffer hin und maß ihn ein wenig mit den Augen ; dann erklärte er , wenn das Ding nicht zu schwer sei , so wolle er es auf seinen Wagen nehmen , da er selbst nach dem Dörfli fahre , und so gab noch ein Wort das andere , und endlich kamen die beiden überein , der Mann solle Kind und Koffer mit auf seinen Wagen nehmen , und nachher vom Dörfli aus könne das Kind am Abend mit irgendjemand auf die Alm geschickt werden . » Ich kann allein gehen , ich weiß schon den Weg vom Dörfli auf die Alm « , sagte hier Heidi , das mit Aufmerksamkeit der Verhandlung zugehört hatte . Dem Sebastian fiel eine schwere Last vom Herzen , als er sich so auf einmal seiner Aussicht auf das Bergklettern entledigt sah . Er winkte nun Heidi geheimnisvoll auf die Seite und überreichte ihm hier eine schwere Rolle und einen Brief an den Großvater , und erklärte ihm , die Rolle sei ein Geschenk von Herrn Sesemann , die müsse aber zuunterst in den Korb gesteckt werden , noch unter die Brötchen , und darauf müsse genau achtgegeben werden , daß sie nicht verloren gehe , denn darüber würde Herr Sesemann ganz fürchterlich böse und sein Leben lang nie mehr gut werden ; das sollte das Mamsellchen nur ja bedenken . » Ich verliere sie schon nicht « , sagte Heidi zuversichtlich und steckte die Rolle samt dem Brief zu allerunterst in den Korb hinein . Nun wurde der Koffer aufgeladen , und nachher hob Sebastian Heidi samt seinem Korb auf den hohen Sitz empor , reichte ihm seine Hand hinauf zum Abschied und ermahnte es noch einmal mit allerlei Zeichen , auf den Inhalt des Korbes ein Auge zu haben ; denn der Führer war noch in der Nähe , und Sebastian war vorsichtig , besonders jetzt , da er wußte , er hätte eigentlich selbst das Kind an Ort und Stelle bringen sollen . Der Führer schwang sich jetzt neben Heidi auf den Sitz hinauf , und der Wagen rollte den Bergen zu , während Sebastian , froh über seine Befreiung von der gefürchteten Bergreise , sich am Stationshäuschen niedersetzte , um den zurückgehenden Bahnzug abzuwarten . Der Mann auf dem Wagen war der Bäcker vom Dörfli , welcher seine Mehlsäcke nachhause fuhr . Er hatte Heidi nie gesehen , aber wie jedermann im Dörfli wußte er von dem Kinde , das man dem Alm-Öhi gebracht hatte ; auch hatte er Heidis Eltern gekannt und sich gleich vorgestellt , er werde es mit dem vielbesprochenen Kinde hier zu tun haben . Es wunderte ihn nun ein wenig , warum das Kind schon wieder heimkomme , und während der Fahrt fing er nun mit Heidi ein Gespräch an : » Du wirst das Kind sein , das oben beim Alm-Öhi war , beim Großvater ? « » Ja . « » So ist es dir schlecht gegangen , daß du schon wieder von so weit her heimkommst ? « » Nein , das ist es mir nicht ; kein Mensch kann es so gut haben , wie man es in Frankfurt hat . « » Warum läufst du denn heim ? « » Nur weil es mir der Herr Sesemann erlaubt hat , sonst wär ' ich nicht heimgelaufen . « » Pah , warum bist du denn aber nicht lieber dort geblieben , wenn man dir ' s schon erlaubt hat , heimzugehen ? « » Weil ich tausendmal lieber heim will zum Großvater auf die Alm , als sonst alles auf der Welt . « » Denkst vielleicht anders , wenn du hinaufkommst « , brummte der Bäcker ; » nimmt mich aber doch wunder « , sagte er dann zu sich selbst , » es kann wissen , wie ' s ist . « Nun fing er an zu pfeifen und sagte nichts mehr , und Heidi schaute um sich und fing an innerlich zu zittern vor Erregung , denn es erkannte die Bäume am Wege , und drüben standen die hohen Zacken des Falknis-Berges und schauten zu ihm herüber , so als grüßten sie es wie gute , alte Freunde ; und Heidi grüßte wieder , und mit jedem Schritt vorwärts wurde Heidis Erwartung gespannter und es meinte , es müsse vom Wagen herunterspringen und aus allen Kräften laufen , bis es ganz oben wäre . Aber es blieb doch still sitzen und rührte sich nicht , aber alles zitterte an ihm . Jetzt fuhren sie im Dörfli ein , eben schlug die Glocke fünf Uhr . Augenblicklich sammelte sich eine Gesellschaft von Kindern und Frauen um den Wagen herum , und ein paar Nachbarn traten auch noch herzu , denn der Koffer und das Kind auf des Bäckers Wagen hatten die Aufmerksamkeit aller Umwohnenden auf sich gezogen , und jeder wollte wissen , woher und wohin und wem beide zugehörten . Als der Bäcker Heidi heruntergehoben