können , denn er war schon sehr alt , aber mir blutet das Herz , daß ich dieses Land nie soll erreichen können , weil ich noch so ein junger Mensch bin und gottlob so gut zum Theater passe ! Sie haben ja selbst gesagt , daß Sie einen solchen Spieler noch nie gesehen haben , und es ist auch gewiß wahr ! Hier wird nichts aus mir , das kann ich Ihnen ganz sicher sagen . Also flehe ich Sie an , daß Sie es mir erlauben und daß ich darf zu Ihnen nach Czernowitz kommen . Mein Brot verdiene ich mir schon , vielleicht bei Ihnen , denn es scheint ja nur , daß der Vorhang von selbst in die Höhe geht , es muß ja doch jemand ziehen , und Lampen möchte ich anzünden und Stiefel putzen und alles pünktlich verrichten , bis ich spielen kann . Oder vielleicht trifft sich mir ein Uhrmacher in Czernowitz , oder sonst was , denn bin ich nicht gottlob ein geschickter Mensch ? So haben unsere Väter in der Wüste nicht nach dem Manna gelechzt oder nach dem Wasser , wie ich auf Ihre Antwort warte . Bitte ich also , mir zu schreiben , aber nicht an mich , sondern an Fedko Hayduek im Kloster in Barnow , weil sonst hier die Leut ' was merken könnten . Fedko wird mir schon den Brief geben , zu verzahlen brauchen Sie ihn nicht , denn meinetwegen sollen Sie nicht Geld ausgeben . Ich grüße den Herrn Wohltäter und die Frau Wohltäterin und schreibe darunter als Ihr Sender , der Pojaz . Daß ich schon schreiben kann , sehen Sie , lesen natürlich auch , und Deutsch kann ich reden , als wenn ich nie einen Kaftan getragen hätte . Alles auf Ehre ! - Sie können es mir glauben . « Als Sender am nächsten Tage diesen Brief im Schalter des Postamtes verschwinden sah , kehrten ihm auch Mut und Entschlossenheit zurück . Nun galt es , die nächste Gefahr abzuwehren , die Verlobung . Er machte keinen Versuch mehr , die Mutter umzustimmen ; er wußte , daß es vergeblich sein würde ; nun mußte auf eigene Faust gehandelt sein , freilich nicht mit Gewalt . Als ihm Frau Rosel am Freitag morgen den Befehl gab , für den Sonntag bei seinem einstigen Lehrherrn , dem lustigen Simche Turteltaub , ein Wägelchen zu mieten , verzog er keine Miene . » Es soll geschehen « , erwiderte er und entledigte sich des Auftrags . Auch dem Marschallik , der ihn am Sonnabend morgen vor der Schul ' beglückwünschte und umarmte , sagte er kurz : » An mir soll ' s nicht fehlen ! « » Gottlob , er scheint vernünftig geworden « , sagte der Alte einige Stunden später zu Frau Rosel , als er ihr seinen Besuch machte , um alles für den nächsten Tag genau festzustellen . » Wenn ich ihm noch so auf der Fahrt einige Winke gebe , so wird alles gut ablaufen . « » Was wollt Ihr ihm sagen ? « fragte sie . » Nun , wie er sich zu benehmen hat , um Reb Mortche und seinem Weibe zu gefallen . Sie sind auch Menschen und haben ihre Schwächen . « Sie dachte nach . » Davon redet ihm lieber nicht « , entschied sie . » Nicht etwa , als ob ich ihm nicht trauen würde . Ich habe ihn zum Gehorsam erzogen , er weiß , daß er sich fügen muß . Aber vergesset nicht , Reb Itzig , daß er ein Pojaz ist ! Ich werde ihn mahnen , sich anständig zu benehmen - mehr wäre von Übel ! « Zur selben Stunde unterhielt sich Sender mit seinem fröhlichen Freunde , dem dicken Simche , über dasselbe Thema , seine Brautfahrt . Aber auch dies geschah in einer Art , mit welcher der Marschallik anscheinend nur hätte zufrieden sein können . Simche , der nie den Verdruß verwunden , seinen liebsten Jungknecht an die langweilige Uhrmacherei verloren zu haben , neckte den Pojaz soviel er konnte , aber der ließ sich nicht unterkriegen . » Natürlich « , rief er , » Euer Mädele hätt ' ich nehmen sollen , an der kein Quentchen Fleisch ist , damit ich immer an die sieben mageren Küh ' denken muß . Da lob ' ich mir meine Dicke ! Das ist doch ein Beweis , daß Reb Mortches Kost gut ist . « » Gut und kräftig ! « höhnte Simche . » Die Fliegen in der Supp ' werden das einzige Geflügel sein , das du zu sehen bekommst . « » Ihr wißt es , Ihr wart bei Reb Mortche immer eingeladen ! « » Das nicht - aber wenn man alle Monat ' zweimal nach Mielnica kommt , wie ich , so kennt man die Leut ' und ihren Ruf . Dein Schwiegervater wägt seinem Weib die Knochen zur Supp ' zu - ein Knauser wie kein zweiter ! « » Und stehlen tut er auch ! « » Das besorgt sein Bruder , dein neuer Herr Onkel ! Nein , im Ernst , Sender , Reb Mortche ist sonst ein braver Mensch , aber wirklich ein Geizhals ! Ich rat ' dir , beding ' dir bei der Verlobung mindestens für jeden Sabbat fünf Lot Fleisch aus , sonst kriegst du es nie zu sehen , auch wenn du seiner Frau täglich sagst , daß sie das schönste Weib auf der Welt ist ! « » So schön wie Eure Surke ist meine Schwiegermutter natürlich nicht ! Eurem Schwiegersohn könnt Ihr ruhig täglich drei Pfund Fleisch versprechen , wenn er Eure Surke ansieht , vergeht ihm der Appetit ! « » Dafür ist meine Surke nicht lächerlich und zum Gespött fürs ganze Städtchen wie Mortches Rifke ! « erwiderte der Kutscher vergnügt . » Nämlich weil sie einmal hübsch war , hält sie sich noch