gering wären ; denn der Bauer ist der einzige , welcher nur sein Brot als das beste erachtet und es als solches jedermann anbietet . Seine Leckerbissen sind die Erstlinge jeder Frucht ; die neue Kartoffel , die erste Birne , die Kirschen und die Pflaumen gehen ihm über alles , und er schätzt sie so hoch , daß er wunder glaubt was zu gewinnen , wenn er von fremden Bäumen im Vorübergehen eine Handvoll erhaschen kann , während er an den bunten Leckereien der Städte gleichgültig vorübergeht . Diese Überzeugung , daß er das Beste und Gesundeste biete , geht auf den Gast über , welcher sich alsbald einer kräftigen Eßlust hingibt , ohne sie zu bereuen . Darum saß ich schmächtiges » Vetterlein « wieder tapfer schmausend hinter dem Tische , obgleich ich heute schon ein Erkleckliches getan hatte . Mit Wohlwollen überhäuften mich die Verwandten und betrachteten mich , wie jeden Städter , der nicht ein Zinsherr ist , als einen Hungerschlucker . Sie führten ein lebhaftes Gespräch über unser Schicksal und befragten mich des genauesten nach allen unseren Umständen . Nachdem ich noch den Stall besehen und in der Scheune jeder Kuh eine Gabel voll Klee hinübergeschoben , verabschiedete ich mich ; die Base ließ es sich aber nicht nehmen , mich ein Stück Weges zu begleiten , um mich schnell noch einer anderen Base vorzustellen , wo ich mich nicht lange aufzuhalten brauche für dieses Mal . Ich fand eine freundliche Matrone , nicht ganz von dem edlen und feinen Wesen meiner Großmutter , aber doch anständig und wohlwollend . Sie wohnte allein mit einer Tochter , welche früher , einer häufigen Sitte gemäß , zwei Jahre in der Stadt gedient , dann einen vermöglichen Bauern geheiratet hatte und nach dessen baldigem Tode nun als Witwe lebte . Kaum zweiundzwanzig Jahre alt , war sie von hohem und festem Wuchse , ihr Gesicht hatte den ausgeprägten Typus unsers Geschlechtes , aber durch , eine ungewöhnliche Schönheit verklärt ; besonders die großen braunen Augen und der Mund mit dem vollen runden Kinn machten augenblicklichen Eindruck . Dazu schmückte sie ein schweres dunkles , fast nicht zu bewältigendes Haar . Sie galt für eine Art Lorelei , obschon sie Judith hieß , auch niemand etwas Bestimmtes oder Nachteiliges von ihr wußte . Dies Weib trat nun herein , vom Garten kommend , etwas zurückgebogen , da sie in der Schürze eine Last frischgepflückter Ernteäpfel und darüber eine Masse gebrochener Blumen trug . Dies schüttete sie alles auf den Tisch , wie eine reizende Pomona , daß ein Gewirre von Form , Farbe und Duft sich auf der blanken Tafel verbreitete . Dann grüßte sie mich mit städtischem Akzente , indessen sie aus dem Schatten eines breiten Strohhutes neugierig auf mich herabsah , sagte , sie hätte Durst , holte ein Becken mit Milch herbei , füllte eine Schale davon und bot sie mir an ; ich wollte sie ausschlagen , da ich schon genug genossen hatte , allein sie sagte lachend : » Trinkt doch ! « und machte Anstalt , mir das Gefäß an den Mund zu halten . Daher nahm ich es und schlürfte nun den marmorweißen und kühlen Trank mit einem Zuge hinunter und mit demselben ein unbeschreibliches Behagen , wobei ich sie ganz ruhevoll ansah und so ihrer stolzen Ruhe das Gleichgewicht hielt . Wäre sie ein Mädchen von meinem Alter gewesen , so hätte ich ohne Zweifel meine Unbefangenheit nicht bewahrt . Doch war dies alles nur ein Augenblick , und als ich mir darauf mit den Blumen zu schaffen machte , zwang sie sogleich einen großen Strauß von Rosen , Nelken und stark duftenden Kräutern zusammen und steckte mir denselben wie ein Almosen in die Hand ; das alte Mütterchen füllte meine Taschen mit Äpfeln , daß ich nun , mit Gaben förmlich beladen , ohne Widerrede gedemütigt von dannen zog , von sämtlichen Frauen zu fleißigem Besudle bei ihnen , wie bei den noch übrigen Verwandten , aufgefordert . Neunzehntes Kapitel Neues Leben Es war schon tiefer Nachmittag , als ich endlich das Haus meines Oheims wiederfand , und zwar verschlossen , weil alle Bewohner ins Freie gegangen ; doch wußte ich , daß ich durch Scheune und Stall ein Schlupfloch finden würde . In der Scheune sprang mir das Reh entgegen und schloß sich mir unverweilt an ; im Stalle sahen sich die Kühe nach mir um , und ein lediges Rind tappte halbwegs auf mich zu und machte Anstalt , einen vertraulichen Satz gegen mich zu nehmen , daß ich mich furchtsam in den nächsten Raum salvierte , der ganz mit Ackergerätschaften und Holzgerümpel angefüllt war . Aus dem dunklen Wirrsal hervor schoß mit vergnüglichem Murren der Marder , welcher sich hier einsam gelangweilt hatte , und saß mir im Augenblicke auf dem Kopfe , mir mit dem Schwanz um die Backen schlagend und vor Freude tollen Unsinn treibend , daß ich laut lachen mußte . So gelangte ich mit meiner Gesellschaft in den helleren , bewohnten Teil des Hauses und fand endlich die Wohnstube , wo ich meine Bürde von Blumen , Früchten und Tieren abwarf . Auf dem Tische stand mit Kreide geschrieben , wo ich zu essen finden würde , im Falle ich Lust hätte , nebst allerlei beigefügten Witzen des jungen Volkes ; aber ich zog vor , mir das Geburtshaus meiner Mutter nun gemächlich anzusehen . Der Oheim hatte schon seit einigen Jahren dem geistlichen Stande entsagt , um sich ganz seinen Neigungen hinzugeben . Da die Gemeinde ohnehin willens war , ein neues Pfarrhaus zu bauen , kaufte der Oheim dazumal das alte Pfarrhaus von ihr , welches ursprünglich eigentlich der Landsitz eines Herren gewesen war und daher steinerne Treppen mit Eisengeländern , in Gips gearbeitete Plafonds , einen Saal mit einem Kamine , viele Zimmer und Räume und überall eine Unzahl fast schwarzer Ölgemälde enthielt . In dieses Wesen hinein hatte der Oheim , unter das gleiche Dach , seine Landwirtschaft