, im ganzen zu seinem Vorzug - eine ausgesprochene provinzielle Eigentümlichkeit zu bewahren gewußt . In dieser provinziellen Eigentümlichkeit , die sich vielleicht am besten als ein mitunter herber Ausdruck des Freiheitlichen bezeichnen läßt , stand auch Graf Drosselstein , und wenn er an der Tafel seiner Freundin , der Guser Gräfin , dem säbelbeinigen Generalmajor von Bamme gegenübersaß , der zweideutige Anekdoten erzählte und von Pferden , Prinzen und Tänzerinnen , weniger aus Renommisterei als aus Übermut und schlechter Erziehung , in krähstimmigem Jargon perorierte , so mochte er sich , nicht ohne Anwandlung ostpreußischen Stolzes , des Unterschiedes zwischen seiner heimatlichen Provinz und dem märkischen Stammlande bewußt werden . Aber solche Anwandlungen schwanden so rasch , wie sie kamen . Von seltener Unparteilichkeit , allem Engen und Selbstischen fern , in welcher Form es auch auftreten mochte , stand es für seine Erkenntnis längst fest , daß die Mark , trotz aller ihrer Unleidlichkeiten , als das Kern- und Herzstück der Monarchie anzusehen sei , mit oder ohne Bammes , ja zum Teil wegen derselben . Der Graf hatte nur kurze Zeit dem Staate gedient . Mit zwanzig Jahren in das erste Bataillon Garde tretend , aber schon nach Ablauf eines Jahres gesundheitshalber den Abschied nehmend , war er froh gewesen , den Anblick des Potsdamer Exerzierplatzes mit dem der Marine von Nizza vertauschen zu können . Wiederhergestellt , durchzog er Italien , lebte , ganz dem Studium der Kunst hingegeben , erst in Rom , dann in Paris und beschloß seine » große Tour « durch einen Ausflug nach Holland und England . Er war ausgangs der Dreißig , als ihn um 1788 Familienangelegenheiten an den Petersburger Hof führten . Hier machte er die Bekanntschaft einer Komtesse Lieven , die ihn durch ihre durchsichtige Alabasterschönheit in demselben Augenblicke gefangennahm , in dem er sie sah . Seine Werbung wurde nicht zurückgewiesen ; die Kaiserin selbst beglückwünschte dasschöne Paar , das sich , unmittelbar nach der mit großer Pracht und unter Teilnahme des Petersburger Hofadels gefeierten Vermählung , auf die ostpreußischen Güter des Grafen zurückzog . Aber das stille Glück der Flitterwochen erschien der jungen Gräfin bald zu still . Sie sehnte sich nach dem zerstreuenden Leben der » Gesellschaft « , und da weder die politischen Verhältnisse noch die Gesinnungen des Grafen ein erneutes Auftreten am russischen Hofe - das die junge Gräfin allerdings am liebsten gesehen haben würde - ausführbar erscheinen ließen , so wurde die Übersiedelung nach Hohen-Ziesar , einem ursprünglich den märkischen Drosselsteins zugehörigen Gute , das erst vor zwei oder drei Jahren an die ostpreußische Linie gekommen war , beschlossen . Von Hohen-Ziesar aus ermöglichte sich ein verhältnismäßig leichter Verkehr mit der Hauptstadt , wo das Hofleben , das während der Friderizianischen Zeit beinahe völlig geruht hatte , eben damals einen neuen Aufschwung zu nehmen begann . Es war nicht Petersburg , aber es war doch Berlin . Die junge Gräfin , wiewohl zeitweise von einem halb ermüdeten , halb zerstreuten Ausdruck , als ob ihre Seele nach etwas Fernem und Verlorenem suche , gab sich nichtsdestoweniger den Zerstreuungen ohne Rückhalt hin . Sie galt für glücklich ; sie schien es auch . Aber der durchsichtige Alabasterteint hatte nichts Gutes bedeutet ; ein Blutsturz überraschte sie kurz vor einer Opernhausvorstellung ; eine Abzehrung folgte , sie starb vor Ausgang des Winters . Der Graf war wie niedergeworfen . Er mied auf lange Zeit hin jeden Umgang ; selbst in Schloß Guse , wo er damals schon verkehrte , blieb er aus . Als er wieder in der Gesellschaft erschien , war seine Selbstbeherrschung vollkommen ; aber er hatte jenen lebemännischen Frohsinn und die gesprächige Heiterkeit eingebüßt , die ihn früher ausgezeichnet hatten . Er lachte nicht mehr . Er hatte nur noch das Lächeln derer , die mit dem Leben abgeschlossen haben . Hier und dort hieß es , daß es nicht der Tod der jungen Gräfin allein sei , der diesen Wandel in seinem Wesen geschaffen habe . Er wandte sich großen Bauten zu ; besonders waren es Parkanlagen , die ihn zu zerstreuen begannen . Hohen-Ziesar bot ein gutes Material , und so entstand im Geschmack jener Zeit eine kostspielige Schöpfung , die sich , vom Flachdach des Schlosses oder noch besser vom Kirchturm aus angesehen , als eine große in Stein und Erde ausgeführte Alpenreliefkarte darstellte . Granitblöcke wurden zu irgendeinem Rigi aufgetürmt , über den Grat des Gebirges liefen zwei Pässe , die nach Altdorf oder Küßnacht führten , während ein aus unsichtbaren Quellen gespeister See einen kataraktreichen Bergstrom in die Tiefe schickte . Sennhütten und Matten lösten sich untereinander ab ; zu Füßen dieser Künsteleien aber , in das wirkliche Oderbruch übergehend , dehnte sich eine reizende Flachlandszenerie mit Feld und Wiesen , mit Fluß , Bach und Brücken und einem stillen , weidenumstandenen Teich , dessen japanisches Inselhäuschen die Schwäne umzogen . An der Herstellung dieses Parkes nahm unsere Guser Gräfin , die sich zu allem Rokokohaften hingezogen fühlte , den regsten Anteil , der Verkehr wuchs , Briefe wurden gewechselt , Konferenzen abgehalten , deren endliches Resultat nicht nur der Aufbau der Hohen-Ziesarschen » Schweiz « , sondern auch die Etablierung einer Freundschaft war , die sich seitdem , namentlich von seiten der Gräfin , zu einer wirklichen , über Laune und Zerstreuungsbedürfnis weit hinausgehenden Intimität gesteigert hatte . Dies konnte kaum ausbleiben . Denn so gewiß die Gräfin am Aparten hing , sowenig sie der Originalfiguren ihres Zirkels entraten mochte , sosehr empfand sie doch auch , was der Mehrzahl derselben fehlte : Schliff , Bildung , Ton , vor allem jegliches Verständnis für Kunst und Schönheit . All dies besaß der Graf . Er hatte nicht nur die Höhe der Rheinsberger Gesellschaft , er übertraf dieselbe sogar durch jenes nachhaltig wirkende Ansehen , das allein aus Selbstsuchtlosigkeit und reinem Wandel sprießt . Ein bestimmtes Ereignis gab der schon gefestigten Freundschaft ein neues Band . Der Graf nahm Veranlassung , die Gräfin ins Geheimnis zu