angerichtet . Er aß die größten Brocken und das Beste vom Fleisch und schüttete dann den Rest auf die Schnauze des Belagerers . Der schien zu schlafen , er rührte kein Glied . Und so kam die Nacht heran . Robert nahm das Tuch , in dem er den Mundvorrat getragen hatte , und prüfte die Stärke . Dann band er wenigstens einen Arm an den nächsten Zweig , um zumindest rechtzeitig geweckt zu werden , wenn er dennoch einschlafen und vielleicht fallen sollte . So erwartete er die Nacht . Regenwolken verdeckten den Mond , Finsternis hüllte alles in ihre undurchdringlichen Schatten , nur die Stimmen der Natur klangen zuweilen aus dem schweigenden Wald herüber . Ein Klatschen des Wassers , ein vorüberhuschender Vogel , ein Knistern und Brechen im Unterholz oder gar ein leichter , schnell erstickter Angstschrei , das war alles , was Robert hörte . Er dachte an Pinneberg , an die Eltern und an Mohr , seinen lieben alten Freund , dessen Grab er morgen gleich besuchen wollte . Das Geld , das der sonderbare Mann während eines halben Menschenlebens zusammengespart und ihm vermacht hatte , war mit allem übrigen von den Räubern gestohlen worden , Robert konnte also nicht mehr daran denken , nach Hause zu reisen und sich mit den Eltern zu versöhnen . Sollte er als Bettler , ohne einen Groschen oder irgendetwas , das ihm gehörte , wieder in das Vaterhaus zurückkehren und bitten : Nehmt mich auf , ich bin hungrig und bitte euch um etwas zu essen ? Nein , dagegen sträubte sich sein Stolz . Er wollte vom nächsten Hafen aus einen langen Brief schreiben , wollte alles erzählen , was er erlebt hatte , besonders diese letzte Gefangenschaft auf der einsamen Insel und den Verlust des Geldes , - damit mußten sich die Eltern vor der Hand begnügen . Er dachte so lebhaft an die Heimat , an das kleine niedere Wohnzimmer und die sauberen Möbel , daß er fast glaubte , alle diese Dinge vor sich zu sehen . War es das Rauschen des Regens oder sprach dort seine alte Mutter zu ihm ? Ja gewiß , sie tröstete ihn , sie legte die Hand auf seine Stirn und flüsterte Worte voll Liebe . Es wunderte ihn , daß sie so plötzlich hier auf der entlegenen Insel bei ihm stand , er begriff nicht , wie sie den Räubern entgangen war und daß ihr das Krokodil kein Leid getan hatte . » Mutter « , sagte er leise , » der Vater irrt sich , wenn er meint , daß ich euch nicht lieb habe , gewiß , er irrt sich . Aber ich wollte ja so gern hinaus in die weite Welt - - das war es . « Und in den Blättern spielte der Wind , rauschte der Regen - - Die Sonne schien hell und lachend auf sein erstauntes Gesicht herab , als Robert am folgenden Morgen erwachte . Er blickte um sich , steif am ganzen Körper vor Schmerz , aber neugestärkt durch den festen , gesunden Schlaf von wenigstens fünf Stunden . Wie der Blitz durchzuckte ihn die Erinnerung an das letzte Erlebnis des Vortages , er sah durch die Zweige herab auf den Boden und prüfte sorgfältig die Umgebung . Das Krokodil war verschwunden . Er atmete tief auf . Jetzt mußte er den günstigen Moment benutzen und schleunigst Fersengeld geben , bevor der Feind möglicherweise zurückkam . Er bewohnte höchstwahrscheinlich den Sumpf zur Linken und konnte sich zu einem Morgenspaziergang veranlaßt fühlen , also mußte Robert auf seiner Hut bleiben . Er kletterte unter grimmigen Schmerzen herab und machte etwa zwei Meter über dem Erdboden auf einigen stärkeren Ästen Halt , um erst die Pistole zu laden . Pulver und Blei hatte er vorsichtigerweise durch eine Blechkapsel vor Feuchtigkeit geschützt und auch um den Revolver sein Taschentuch gebunden . Beides war in bester Ordnung , daher konnte er es getrost wagen , mit gespanntem Hahn den Rückweg aus der Umgebung des Sumpfes anzutreten . Schritt für Schritt drang er , nachdem er seine durchnäßte Mütze wiedergefunden hatte , durch das gestern niedergetretene Dickicht vor und kam bis an die Stelle , wo er den kleinen Vogel hatte greifen wollen . Das Ufer war hier sehr breit und senkte sich nur ganz allmählich bis zum Wasser herab . Von der Vogelfamilie sah Robert keine Spur , auch die Ranken schienen an mehreren Punkten gewaltsam zerrissen , und eine tiefe Erdfurche ging von oben bis an den grünschillernden Tümpel herab . Das Krokodil war also an dieser Stelle ins Wasser gekrochen . Robert faßte die Waffe fester . Jetzt hatte er vier Schüsse und konnte das Ungeheuer an sich herankommen lassen . Als er etwa zehn Schritte gegangen war , bewegten sich vor ihm auf halber Höhe des Ufers die sonnenverbrannten Halme , und raubgierige Augen starrten ihm entgegen . Das Krokodil lag in der Sonne und dehnte die schuppigen Glieder . Es mochte in diesem Augenblick nicht aufgelegt sein , sich zu erheben und nach Beute zu spähen , - nur die Augen glitzerten mordlustig , und die Kinnladen bewegten sich leise . Robert zögerte nicht lange . Er zielte auf die Augen des Tieres und tötete es fast auf der Stelle . Der Körper zuckte noch einige Male , der Schwanz schlug in die Luft , und die lippenlosen Kiefer bewegten sich im letzten Kampf , dann waren die Augen gebrochen . Ein Gefühl des Stolzes durchzog Roberts Brust . Da lag das riesige Tier , von ihm getötet , - er hatte ein Krokodil erlegt ! Wie schade , daß sich die Trophäe nicht aufbewahren ließ . Aber so gern er auch den Rückenpanzer abgelöst und mitgenommen hätte , davon mußte er doch absehen . Nachdem ihn ein Schlag mit dem Beil auf die Schnauze überzeugt hatte , daß das Tier tot sei , wagte er sich näher heran und besah den Körper . Der Panzer aus gekielten