empor . Die Bildhauerarbeit an der Steinrampe und die Stukkaturen an den Wänden waren so oft übertüncht worden , daß es kaum mehr möglich war , ihre ursprünglichen zierlichen Formen zu erkennen . Vom Korridor her kamen der Graf und die Gräfin herbei und blieben , ihre Gäste erwartend , auf dem obersten Treppenabsatze stehen . Regula beschleunigte ihre Schritte nicht ; langsam stieg sie hinan , warf schräge Blicke um sich und dachte : Ärmlich ! ... Ärmlich ! - Voll peinlicher Ungeduld folgte Röschen der Tante und flüsterte ihr zu : » Sie warten , die alten Leute warten ! « Endlich vor dem Paare angelangt , machte Regula eine tiefe Reverenz , der Graf erwiderte sie freundlich mit entblößtem Haupte , die Gräfin verbeugte sich mehrmals nacheinander ; rasch und , wie es schien , unwillkürlich bewegten sich ihre Lippen . -Wehmütig ergriffen von dem Anblick der alten Frau , trat Röschen auf sie zu und küßte ihre Hand . Der Graf bot der Tante seinen Arm , die Gräfin nahm den der Nichte , und so geleiteten sie ihre Gäste zu den ihnen bestimmten Gemächern . An der Schwelle blieb der Hausherr stehen und sprach : » Es ist alles zu Ihrem Empfange bereit , treten Sie ein , meine Damen . « Die Hausfrau stammelte einige Worte der Entschuldigung und bat , vorliebzunehmen . Unzufrieden unterbrach sie ihr Gemahl : » Ohne Komplimente ! Nicht wahr , meine Damen ? - Lassen Sie sich ' s bei uns gefallen . In einer halben Stunde wird die Tischglocke das Zeichen zur Tafel geben . Auf Wiedersehen ! « Die Zimmer , welche die Ankömmlinge bezogen , waren groß und kahl : sie boten die Aussicht auf den Teich des Dorfes und auf einen Teil des verwilderten Parks . Ein kleineres , an das Röschens anstoßendes Zimmer war für Bozena bestimmt . Regula ließ sich von dieser ankleiden und fragte spöttisch : » Wie gefällt es Ihnen hier ? - Ein hübsches Haus ? - Ein hübscher Park ? « Dabei rieb sie sich die Hände mit Mandelkleie und sagte zu sich selbst : Das wird anders werden . Sie hatte ihre Toilette eben beendet , als eine heisere Glocke ertönte und derselbe alte Diener , der sie am Wagen begrüßt hatte , die Meldung brachte , die Suppe sei aufgetragen . Der » Lakai « war jetzt mit einem Frack nach der Fasson des Rondsperger Schneiders angetan . Er hatte ein weißes Tuch um den Hals geschlungen und trug Gamaschen , aber keine Handschuhe . Die Wappenknöpfe , die auf seiner Kleidung angebracht waren , mochten wohl einmal versilbert gewesen sein . Mit einer gewissen nachlässigen Grazie geleitete der Edle , sich von Zeit zu Zeit umsehend , ob sie ihm auch folgten , die Damen in den Salon . Der lag in der Mitte des Gartenflügels , hatte fünf Fenster und den Umfang einer mäßig großen Reitschule . An den Wänden ließen sich die Spuren einer äußerst feinen und zarten Malerei entdecken und Reste von Vergoldung an der weiß lackierten Einrichtung im Stile des Kaiserreichs . Über einem Kanapee , auf dem sechs Personen bequem Platz gefunden hätten , hing das Brustbild der Mutter des alten Grafen . Sie war als Hebe gemalt und nur mit einer roten Echarpe aus durchsichtigem Stoff bekleidet . Regula , deren Auge sich zufällig zuerst auf sie gerichtet hatte , dachte mit stillem Entsetzen : Die Hebe wird verbrannt ! - Und doch war dieses Bild das einzige in dem ganzen Gemache , das nicht mit grausamer Beredsamkeit von Verfall sprach . Die blauen Seidenüberzüge der Möbel , so matt und glanzlos und so vielfach geflickt , die kunstvoll geschnitzten Trophäen über den Fenstern und Türen , die einst kostbare Vorhänge getragen hatten und jetzt so nutzlos in ihren eisernen Haken hingen , an den Pfeilern die halb erblindeten Spiegel , die traurig all diese verblichene Pracht widerstrahlten , wie deutlich bezeugten sie den Gegensatz , der hier herrschte zwischen einst und jetzt ! Am Eingange des Saales stand das greise Ehepaar , wie es im Treppenhause gestanden hatte . Er zufrieden und selbstbewußt ; sie kummervoll und beschämt . In respektvoller Entfernung hielt sich ein großer alter Mann mit derben Zügen , das dichte graue Haar über der Stirn zu einer Schnecke zusammengedreht , einen goldenen Siegelring auf dem knochigen Zeigefinger . Er wurde von dem Hausherrn als » mein Burggraf « vorgestellt , und man begab sich zu Tische . Die Gräfin selbst servierte eine safrangelbe Suppe , und Peter trug mit großer Geschäftigkeit die gefüllten Teller umher und schien sich nichts daraus zu machen , wenn sein heißer Inhalt seine Daumen umspülte . Ein bäurischer Gesell , Peters Gehilfe , den dieser seit langem mit wenig Geduld und wenig Glück in die Geheimnisse seines Berufes einzuführen suchte , schlich hinter ihm her . Peter kommandierte ihn mit Blicken , Winken und halblauten Anrufungen , wovon eine - sie lautete : » Du Roß ! « - vom Grafen überhört wurde , die Gräfin in Schrecken versetzte , Regulas Indignation erweckte und den Burggrafen ergötzte . Auf dem Tische stand prachtvolles Obst in Schalen aus Sevresporzellan und dazwischen ein Bronzeaufsatz ; wunderbare Arbeit aus der besten Florentiner Zeit , ein Kunstwerk von hohem Werte . Regula nahm sich vor , heute noch an Wenzel zu schreiben , im Kaufvertrage sei der Punkt , der von der Erwerbung des Schlosses samt Mobiliar handelt , ganz besonders zu betonen . Und sie sprach : » Ein bewunderungswürdiger Tafelschmuck ! - Die Figuren sind vorraffaelisch gedacht und könnten wohl von Donatello oder von Bruneleschi ausgeführt sein , wenn nicht gar von Ghiberti - ja , ich würde es sogar wagen , sie Benvenuto Cellini zuzuschreiben . « » Sie sind Kennerin ! « antwortete der Graf vergnügt . » Ich hatte keine Ahnung von dem Werte dieses Dings . Ein Schurke von Antiquar , der hier herumreist und die Schlösser