wo ich aber mit mehreren dort auf Besuch war . Armes Kind , armes Kind ! Was das heißen will , in dem Gewühl dort verlassen zu sein - Herr Kandidate , sie zupft mich schon wieder ! Ich bitte dich , Fränzel , gib Ruhe ; laß mich erzählen . « » Ich möchte es lieber nicht , Onkel « , flüsterte das junge Mädchen . » Du hast die Sache auch schlimmer genommen , als sie war ; jener Herr - « » War eine Kanaille , die zu Brei verrieben werden mußte ; - nein , zupfe mich nicht , Fränzel . « Franziska warf einen flehenden Blick auf Hans Unwirrsch , und dieser hatte sich selten auf einem Stuhl so unbehaglich gefühlt , und dazu erfuhr er jetzt doch nicht , in welche Beziehungen sein Freund Moses zu der jungen Dame und zu dem alten Krieger getreten war . Obgleich ihn die Ungewißheit tief beunruhigte und der Zweifel an dem Freunde ihm wie mit spitzigen Nadeln in das Herz drang , so hätte er doch um alles in der Welt nicht den Kummer des bleichen Mädchens durch heftige , zudringliche Fragen vermehren können . Nur das wurde ihm klar , daß ein Spiel des Zufalls den angenehmen Moses in das Haus geführt haben mußte , in welchem Franziska Götz nach dem Tode ihres Vaters hülflos , einsam und schutzlos lebte , und daß sein Betragen nicht von der ritterlichsten Art gewesen war . Auf einem der Boulevards hatte dann eine heftige Szene zwischen dem Leutnant Götz und Monsieur Freudenstein stattgefunden , und eine eingewurzelte Abneigung gegen den armen Moses hatte ersterer sicherlich in das deutsche Vaterland heimgebracht . Mißtönig erschallte vor den Fenstern des Posthorns ein anderes Horn durch den Sturm . Der Nachtwächter rief die zehnte Stunde ab , und die kleine Gesellschaft trennte sich . In herzlicher Weise nahm der Leutnant von dem Theologen Abschied und forderte ihn nochmals auf , den Kopf über dem Wasser zu halten und den Hals , wenn es sein müsse , mit Gesundheit zu brechen . Auch Franziska Götz mußte auf seinen Befehl dem jungen Mann die Hand zum Lebewohl geben und tat es ganz natürlich und ungeziert . Früh mußten der Leutnant und das Fräulein am andern Morgen abfahren , um den Eisenbahnstrang , der jetzt bereits nach der großen Hauptstadt im Norden führte , zu erreichen . Hans Unwirrsch konnte länger schlafen ; nach Neustadt ging noch keine Eisenbahnlinie , und die Stadt trug eigentlich auch gar kein Verlangen danach , in solcher Weise der übrigen Welt zugänglicher gemacht zu werden . Wenn Hans sich vornahm , noch einmal am Wagen den beiden Reisenden eine glückliche Fahrt zu wünschen , so war das sein guter Wille , und wenn er die Zeit verschlief , so war das Schicksal , welches den guten Willen nicht zur Tat werden ließ , schuld daran . Er verschlief richtig die Zeit , nachdem er sich die halbe Nacht hindurch schlaflos auf seinem Lager hin und her gewälzt hatte . Die lange Wanderung und der Wind , welcher über das Dach fuhr und um die Ecke pfiff , der Brief des Oheims Grünebaum und der starke Punsch des Leutnants Rudolf Götz , Herr Moses Freudenstein in Paris und die bleiche , traurige Franziska ließen ihn nicht schlafen . Er stand auf und zündete das Licht an , um es wieder auszublasen ; er konnte nicht die geringste Ordnung in seine Gedanken bringen , und wenn ihm sonst seine Phantasie in bedrückten Stimmungen zu Hülfe gekommen war , um ihn mit allerlei heiteren und lieblichen Bildern aus der Vergangenheit zu trösten oder ihm den magischen Spiegel der Zukunft mit Lächeln und neckischen Winken vorzuhalten , so trieb sie ihm jetzt nur gespenstische Schatten um das Haupt und verhüllte ihm die Nähe und die Ferne in der drohendsten Weise . So mutlos wie in dieser Nacht hatte sich Hans Unwirrsch in seinem ganzen Leben noch nicht gefühlt ; er war eben bis jetzt zu glücklich gewesen . Zum erstenmal griffen jetzt von allen Seiten die dunkeln , erbarmungslosen Hände in sein Leben : der enge , sichere Kreis , welchen ein gütiges Geschick um seine Jugend gezogen hatte , war durchbrochen worden ; hinausgerissen wurde er in den großen Kampf der Welt , von welchem das junge Mädchen , das mit ihm in dieser Nacht unter dem Dach des Posthorns wohnte , schon soviel mehr wußte als er . Vae victis ! Zwölftes Kapitel Sie waren gegangen ; er aber wußte nicht , wer sie waren und was sie ihm werden sollten . Dort am Ofen stand der Tisch , an welchem sie gesessen hatten , und die Wirtin setzte den Kaffee darauf und rückte den Stuhl zurecht für Hans Unwirrsch . Der Wirt kam von seinem Morgengang durch Hof und Garten zurück und brachte noch einen Gruß von den beiden Reisenden . Sie waren gegangen , das heißt fortgefahren . Ehe Hans den Kaffee trank , sah er noch einmal aus dem Fenster auf die Straße . Keine Spur mehr von ihnen . » Das war ein wackerer alter Herr « , sagte der Posthalter , und die Posthalterin sagte : » Arme junge Dame ! Ich möchte wohl wissen , was ihr fehlte ; meine Marie , welche neben ihrer Kammer schlief , hörte sie die ganze Nacht hindurch weinen . Sie muß schon manches Leid erlebt haben in ihrem jungen Leben . « Hans kam vom Fenster zurück , setzte sich auf den Stuhl , auf welchem er am vorigen Abend saß , und sah auf die beiden leeren Stühle . Er fing an , jedes Wort , welches gestern gesprochen worden war , sich zu wiederholen . Und er schreibt mir nicht - ich weiß seine Adresse nicht ich kann ihn nicht fragen , was er dieser jungen Dame zuleide getan hat . Es ist wie ein Traum . O Moses , Moses ! - Sie waren fort ,