Ziel hatte , gelobten sie einander Treue und Schweigen , bis es ihm möglich sein werde nach Nürnberg zu kommen . Ueber ein Jahr verging so getrennt , zuweilen durch ein zärtliches Brieflein unterbrochen . Endlich meldete ihr ein solches , daß er komme , daß er sie bitte ihn vor dem Thiergärtnerthor zu erwarten , damit ihr erstes Wiedersehen nach so langer Trennung ohne Zeugen sei , dann wolle er sie zu ihren Eltern begleiten . Liebeselig erfüllte sie seinen Wunsch noch vor der bestimmten Stunde . Die angegebene Stelle pflegte sonst menschenleer zu sein . Sie erstaunte eine verschleierte Dame dort zu finden . » Elisabeth Behaim , « fragte diese , » Ihr wartet auf Eberhard von Streitberg ? « Und da Elisabeth schwieg , gab ihr die Fremde den von Elisabeth selbst geschriebenen Brief . Elisabeth rief : » O er kann nicht kommen , und sendet mir seine Mutter oder Schwester ? oder wer seid Ihr , die er seines Vertrauens würdigt ? « Die Fremde nahm Elisabeth ' s Arm und sagte : » Wir wollen in die Stadt gehen , hier ist es so einsam , ich erzähle Euch unterwegs ; Eberhard schrieb Euch , daß er Euch nach Hause begleiten und um Euch werben wolle , und Ihr glaubtet das ? « » Ich habe nie an seinem Wort gezweifelt ! « sagte Elisabeth zuversichtlich . » Armes Kind ! « rief die Fremde , » Eure Unschuld spricht aus Euren Mienen wie aus Eurem Brief , darum kam ich , Euch und mich vor Schande zu bewahren , Ihr wißt wirklich nicht , daß Eberhard seit zehn Jahren verheirathet ist ? « » Ihr lügt ! « rief Elisabeth . » Ich bin seine Gattin , die er einst liebte wie Euch vielleicht auch ; könnte er ehrlich um Euch werben , käme er in Euer Haus ; so bestellte er Euch vor das Thor , um Euch zu entführen . Euer Brief fiel in meine Hände statt in seine , und so kam ich statt seiner . Glaubt Ihr mir nicht , so schreibt ihm nur , was Ihr von ihm gehört , und das Ihr ihn im Elternhaus erwartet , wie einer sittsamen Jungfrau ziemt ! « Was auch Elisabeth noch fragen und zweifeln mochte : es blieb bei diesem Resultat , und es blieb dabei , nachdem sie an Eberhard geschrieben und durch Andere Erkundigungen über ihn einzog . Er war verheirathet ; indeß er in der Welt herum abenteuerte , lebte seine Gattin einsam auf Streitberg , und jetzt , da sie hörte , daß er zurückkehre , war sie ihm entgegengereist , um auf dem Schloß eines seiner Freunde bei Nürnberg , des Herrn von Weyspriach , mit ihm zusammenzutreffen ; sie kam ihm doppelt ungelegen , als sein Brief an Elisabeth eben fort war , dessen Antwort in die Hände der unglücklichen Gattin fiel . Da Eberhard seinen Plan vereitelt sah , so schied er wieder aus der Gegend , und Elisabeth hörte nur , daß er in ' s heilige Land mit Weyspriach gereist . Freilich nicht zu einer Buß- und Betfahrt , sondern zu neuen Abenteuern . Acht Jahre waren seitdem vergangen . Elisabeth , so gräßlich in ihrer Jugendliebe betrogen , unschuldig eine Schuldige , den Mann ihrer Liebe als einen Gegenstand der Verachtung erkennend , wollte wenigstens sich davor bewahren , Anderen ein Gegenstand des Spottes zu werden , und trug die ganze Centnerlast ihres Schmerzes allein als ihr Geheimniß , daß sie jetzt tausendmal ängstlicher hütete als zur Zeit des Glückes . Sie suchte ihr Herz gegen die Liebe zu verhärten und setzte jedem Manne kalten Stolz entgegen . So vergingen fünf Jahre . Da schmolz die Eisrinde unter der Gluth der Poesie , aber auch Celtes erkannte ihr Herz nicht ganz , so zog es sich zusammen , und durch eine ewige Fessel wollte sie es zwingen ruhig zu schlagen . Und jetzt , nach acht Jahren hatte der Verräther ihrer Jugendgefühle sich wieder zu ihr zu drängen gewagt ; hatte er mit dem Markgrafen , mit dem Könige von ihr gesprochen - oder durch wen sonst - sollte jetzt verrathen worden sein , was sie als unauslöschlichen Schimpf empfand ? Nimmer hatte sie seinen Namen wieder über ihre Lippen gebracht , weder den Markgrafen noch den König nach ihm fragen mögen , wie sehr sie diesem auch seine Verbannung dankte . Aber hatte sie nicht für sich zu fürchten , nun er ihr wieder einmal genaht ? Das quälte und ängstete sie , und sie versank in vergebliches Sinnen darüber , wie über die Geschichte , die ihr der Goldschmied Dürer erzählt . Elftes Capitel Hexen und Wegelagerer Als die Baubrüder Ulrich und Hieronymus eines Abends in der Dunkelheit an ihre Wohnung kamen , sahen sie in einem Winkel der Hausthür irgend ein Wesen zusammengekauert hocken . Da sie eintreten wollten , erhob es sich , zupfte Ulrich leise , so daß dieser unwillkürlich an sein Schwert griff , indeß eine leise Stimme sagte : » Ich habe Eure Wohnung ausgekundschaftet und auf Euch gewartet ; nicht war , Ihr seid Ulrich von Straßburg und jener ist der blonde Hieronymus ? « » Wir schämen uns unserer Namen nicht ! « sagte Ulrich , der gewahr ward , daß es ein weibliches Wesen mit langen Zöpfen war , das sich an ihn drängte ; weiter vermochte er in der Dunkelheit Nichts zu erkennen , und da er eine Weile vergeblich auf einen Nachsatz zu der Anrede gewartet , sagte er unwillig das Mädchen zurückschiebend : » Geh ' fort , wir sind Baubrüder und mögen weder von ehrbaren Frauen noch weniger von verlaufenen Dirnen etwas wissen , die zur Nachtzeit in den Straßen lauern . « Das Mädchen stieß einen Schrei aus und sagte : » Ich kann Nichts wider die innere Stimme , die mich antreibt ein Unglück zu verhüten , wo es möglich . Ihr habt