eine Magd . « Der Sohn athmete tief auf und Mutter und Sohn schwiegen eine geraume Weile ; endlich legte die Mutter die Hand auf seine Schulter und sagte : » O du bist brav , ich danke Gott , daß er dich so hat werden lassen . Das hast du brav gemacht , daß du dir das aus dem Sinn geschlagen . Dein Vater hätt ' das nie zugegeben und du weißt ja , was Vatersegen zu bedeuten hat . « » Nein , Mutter , ich will mich nicht braver machen als ich bin ; es hat mir selber ganz allein nicht gefallen , daß sie eine Magd ist ; das geht nicht und drum bin ich fort . Aber es ist mir doch härter geworden , mir das aus dem Sinn zu bringen als ich geglaubt habe , aber jetzt ist ' s vorbei , und es muß vorbei sein , ich habe mir das Wort gegeben , daß ich mich nicht nach ihr erkundige , Niemand frage wo sie ist und wer sie ist , ich bringe Euch , will ' s Gott , eine rechte Bauerntochter . « » Du hast doch den Rechtschaffenen an dem Mädchen gemacht und hast ihm nicht den Kopf verwirrt ? « » Mutter , da , meine Hand , ich habe mir nichts vorzuwerfen . « » Ich glaube dir , « sagte die Mutter , und drückte mehrmals seine Hand , » und Glück und Segen auf den Weg . « Der Sohn stieg auf und die Mutter sah ihm nach , und jetzt rief sie : » Halt ' , ich muß dir noch was sagen , ich habe das Beste vergessen . « Der Sohn wendete das Pferd , und bei der Mutter angekommen , sagte er lächelnd : » Aber nicht wahr , Mutter , das ist das Letzte ? « » Ja , und die beste Probe . Frage das Mädchen auch nach den Armen im Ort und dann lauf ' herum und horch die Armen aus was sie über sie reden . Das muß eine schlechte Bauerntochter sein , die nicht ein Armes an der Hand hat , dem sie Gutes thut . Merk ' dir das , und jetzt behüt ' dich Gott und reit ' scharf zu . « Und wie er nun davon ritt , sprach die Mutter noch ein Gebet auf seinen Weg , dann kehrte sie zurück nach dem Hof . » Ich hätt ' ihm doch noch sagen sollen , daß er sich auch nach des Josenhansen Kindern erkundigen soll , was aus Denen geworden ist , « sagte die Mutter in seltsamer Erregung vor sich hin , und wer weiß die verborgenen Wege , die die Seele geht , die Strömungen die hinziehen über unserer erkennbaren Schicht oder tief unter ihr ? Es erwacht eine längst verklungene Lied- und Tanzweise in deiner Erinnerung , du kannst sie nicht laut singen , du bringst die Töne nicht zusammen , aber innerlich erklingt es dir ganz deutlich und es ist dir als ob du es hörtest . Was ist ' s , das plötzlich diese verklungenen Töne in dir erweckte ? Warum dachte gerade jetzt die Mutter an diese Kinder , die schon längst aus ihrem Gedächtniß entschwunden waren ? War die andächtige Stimmung von jetzt wie eine Erinnerung an eine andere längst verklungene und erweckte sie damit die begleitenden Umstände derselben ? Wer kann die unwägbaren und unsichtbaren Elemente fassen , die hin und her , von Mensch zu Mensch , von Erinnerung zu Erinnnerung schweben und schwingen . Als die Mutter in den Hof zurückkam zu dem Bauer , sagte dieser spöttisch : » Du hast ihm gewiß noch viel Unterweisung gegeben , wie man die Beste fischt ; ich habe auch dafür vorgesorgt , ich habe voraus an den Krappenzacher geschrieben , der wird ihn schon in die rechten Häuser bringen . Er muß Eine bringen , die brav Batzen hat . « » Das Batzenhaben macht die Bravheit nicht aus , « entgegegnete die Mutter . » So gescheit bin ich auch , « höhnte der Bauer , » aber warum soll Eine nicht brav sein können und doch auch brav Batzen haben ? « Die Mutter schwieg . Nach einer Weile aber sagte sie : » An den Krappenzacher hast ihn gewiesen ? Beim Krappenzacher ist der Bub vom Josenhans untergebracht gewesen . « So knüpfte sie jetzt durch den Namen laut an ihre frühere Erinnerung an und jetzt erst wurde sie sich bewußt , wessen sie sich erinnert hatte . » Ich weiß nicht , was du redest , « sagte der Bauer , » was hast du mit dem Kind vom Josenhans beim Krappenzacher ? Warum sagst du jetzt nicht , daß ich das gescheit gemacht habe ? « » Ja , ja , das ist gescheit , « bestätigte die Frau , aber dem Alten genügte das nachträgliche Lob nicht , und er ging brummend hinaus . Ein gewisses ärgerliches Bangen , daß es doch mit dem Johannes schief gehen könne , und daß man sich vielleicht zu sehr übereilt habe , machte den Alten unwirsch für die Gegenwart und für Alles was ihn umgab . 14. Der Schimmelreiter . Am Abend desselben Tages , an dem Johannes ausgeritten war von Zusmarshofen , kam der Krappenzacher in ' s Haus des Rodelbauern und saß mit diesem lange im Hinterstübchen und las ihm leise einen Brief vor . » Hundert Kronenthaler mußt du mir geben , wenn die Sache in ' s Reine kommt , und das will ich schriftlich , « sagte der Krappenzacher . » Ich meine , fünfzig Kronenthaler wären auch genug , das ist ein schön Stück Geld . « » Nein , keinen rothen Heller weniger als runde Hundert , und ich schenke dir dabei noch gut und gern hundert , aber ich gönne es dir und deiner Schwester , und thue gern Einem im Ort