das sich ihnen bot . Der Raum , den sie überflogen , bildete ein mit Marmorfließen ausgelegtes Badezimmer , jene üppige Anstalt des Orients , die eine wollüstige Neugebärung der Körper ist und aus dessen Pflege einen Cultus schafft . In der Mitte des Fußbodens war ein kleines Bassin mit warmen , wohlriechenden Wässern gefüllt , welchen die Aphrodite dieses Ortes eben entstiegen zu sein schien . In einer Nische , auf einem Marmorbett , von feinen linnenen Tüchern halb verhüllt , in dieser Verhüllung tausend Reize verrathend und entdeckend , lag die Herrin der Gemächer , Fatinitza , die Wölfin von Skadar , bedient von fast ganz entkleideten schwarzen Mädchen , die ihre Glieder salbten und rieben , und auf Haupt und Busen den Strahl des warmen , weichen Wassers sich ergießen ließen , während Andere das üppige rabenschwarze Haar kämmten und trockneten , oder mit weichem wollenem Gewebe Brust und Arme frottirten . Das Haupt zurückgebeugt , den Mund über den glänzend weißen Zähnen halb erschlossen , die dunklen dämonischen Augen nur in jener schmalen Spalte geöffnet , aus der Verlangen und Sehnsucht zu lauschen pflegt , lag das Mädchen in den Händen ihrer Frauen . Zum zweiten Male sah der Jüngling unverhüllt dies Antlitz , das einen so gewaltigen Eindruck auf ihn gemacht hatte . Das Oval desselben war in jenem vorspringenden Bogen gewölbt , welcher dem Antlitz etwas Adler- oder Geierartiges zu geben pflegt . Dennoch war jeder ihrer Züge einzeln zart und rein . Unter der fast schnabelförmig gebogenen Nase mit den weitaufgeschlagenen Nüstern , den Zeichen ungezähmter Leidenschaft , öffnete sich ein überaus zierlich und willenskräftig geschwungener Mund . Schief gesenkte starke Brauen , wie bei dem Wolf und Fuchs , senkten sich von den Schläfen zur Nasenwurzel , und so seltsam und unheimlich der Ausdruck dieses Kopfes an sich war , so lag doch ein eigenthümlicher fesselnder Zauber in ihm , eine medusengleiche erstarrende und zugleich entflammende Gewalt . Ueppig schlanke Glieder von jener matten , bräunlich weißen Porzellanfarbe , die manchen Brünetten , namentlich den Maurinnen , eigen ist , trugen diesen Kopf und die hundert Wendungen und Bewegungen , welche die Sclavinnen im üppigen Spiel diesem wollustathmenden Körper gaben , enthüllten mit jedem Augenblick neue Reize vor den gefesselten Augen des Jünglings . Seine Schläfe glühten , seine Pulse klopften in wildem Schlage , und gährend in der unsäglichen ungestillten Brausekraft der frischen Jugend tobte das Blut durch seine schwellenden Adern . Der Odem in seiner Brust schien zu stocken , das eigene Leben still zu stehen und sich in den Augen allein concentrirt zu haben . So stand und starrte er lange , er merkte es kaum , daß das verlockende Bild sich änderte und verschwand , daß Dunkel wieder die Geburtsstätte so verzehrenden Reizes verhüllte ; nur die hohe , unbeschreiblich herrliche Gestalt , der halb aufgeschlagene Blick , der , als die Herrin unter dem den Ausgang verhüllenden Teppich verschwand , verlangend , fragend , verheißend die Stelle streifte , an der sein trunkenes Auge ruhte , blieb in seinem Gedächtniß . Was kümmert den Trunkenen die Welt rings umher ? Erst als an der Pforte seines Kerkers ein Schlüssel rasselte , als der helle Strahl einer Blendlaterne durch die geöffnete Thür fiel , erwachte er aus diesen Träumen und sah ein Mohrenmädchen vor sich stehen , das ehrerbietig den Salem35 gab und ihm zu folgen winkte . » Wohin ? « Die Schwarze schüttelte das Haupt und legte den Finger auf ihre Lippen - Nicolas erbebte bei dem Zeichen . » Nicht von der Stelle gehe ich , bis ich weiß , wohin Du mich führst ! « Das Mädchen bemühte sich , zu sprechen , - ein stammelnder unheimlicher Laut zeigte ihm , daß sie stumm . Aber ihre Geberden sprachen lebendig , wie sie auf das Herz deutete , weit , wie empfangend , die Arme öffnete und dann die Hände flehend und bittend ihm entgegen faltete . Ihm dunkelte und glühte es ahnend vor den Augen und Sinnen , das Blut wollte seine Kehle ersticken - halb bewußtlos winkte er » Voran ! « und mit leisen , kaum hörbaren Tritten schlich das Paar durch die Gänge der Feste . Ein Schnauben und Sträuben erhob sich , wo sie stehen blieben . Im Schein der Lampe sah der Grieche den Wolf quer vor der Thür gelagert , ihn mit seinen rothen Feneraugen unheimlich anstarrend . Die Sclavin zog ihn bei Seite und öffnete die Thür . » Da hinein ! « winkte ihr Finger . Der junge Mann betrat halb taumelnd das Gemach - hinter ihm schloß sich die Pforte . Um ihn her war eine halbe Dämmerung . Er sah sich in einem orientalisch ausgestatteten Gemach von halb ovaler Rundung , dessen hohe Jalousieen hinaus nach dem See zu gehen schienen , denn durch die halb geöffneten hörte er die Wellen rauschen . An den Wänden hingen Waffen im bunten Gemisch , zur Jagd wie zum Kriege . Durch den halb erhobenen Teppich eines breiten Bogens in der Seitenwand strömte das matte Licht , welches das Vorgemach erhellte . Er stand still , er faßte mit beiden Händen nach dem klopfenden Herzen - er wagte kaum zu athmen - und deutlich durch die geheimnißvolle duftschwangere Stille klang ihm das Plätschern der Wellen . » Dschel36 ! « Mit einem Sprunge , wie der entfesselte Tiger nach seiner Beute , war er auf den leisen Ruf am Zugang des Gemachs und schlug den Teppich zurück . Da lag es vor ihm - weiß und üppig in seinen rothen Draperieen , über die das Milchglas einer Ampel an silbernen Ketten ein weiches milderndes Licht goß , während das wohlriechende Oel ihrer Flamme das Gemach mit wollüstigen Düften durchzog . Auf einem Tische von Rosenholz zur Seite glänzten und blitzten in silbernen und goldenen Schaalen cyprischer Wein , die duftenden Confitüren von Chios , die herrlichen Früchte des Orients . » Dschel ! « Vor ihm