es sie dünkte und wo sie es in ihrer Pflicht glaubte . Auch das wird dem Menschen oft erleidet und verkümmert , so daß ihm die Vorsätze kommen , fürderhin zu schweigen und zu keiner Sache mehr was zu sagen . Wenn solche Vorsätze stichhaltig wären , so hätten die Pfarrer in den Kirchen für nichts anderes zu bitten als für plötzlich stumm gewordene Weibspersonen , nach dem Beispiele , welches einst ein Pfarrer gab . Seine Frau war auch zum Vorsatze des Schweigens gekommen , der Pfarrer , darüber wahrscheinlich geängstigt , da die verstummte Zunge sonst nicht zu den schweigsamen gehörte , führte am nächsten Sonntage , wo seine Frau in der Kirche saß , unter den Kranken , welche der Fürbitte der Gemeinde empfohlen wurden , eine plötzlich stumm gewordene Weibsperson an . Man sagt , der Erfolg soll wirklich so auffallend gewesen sein , daß der Pfarrer darüber erstaunt und in großen Schrecken gefallen . Es ist allerdings sehr schwer , abzugrenzen zwischen Reden und Schweigen , und unmöglich , wenn man die Grenze bestimmen möchte nach den Reden eines Joggeli , der in seiner Schwäche das Beste verkehrte , die besten Ratschläge zunichte machte und dann die Schuld , daß er wirklich Dornen las von Weinstöcken , Andern zuschob , Schweigen und Reden beides gleich zum Vorwurf machte . Bei solchen Gemütern entrinnt man Vorwürfen nimmer , darum muß man tun nach seiner Pflicht und nach dem Maße seiner Stellung . Ein Mann darf gebieten , ein Weib darf sagen , mahnen , warnen . Joggeli gehörte zu den unglücklichen Menschen , welche weder was Gutes ausführen können noch was Gutes ausführen lassen . Wollte er , was recht war , so lähmten ihn böse Einflüsse , welche stärker waren als seine Kraft , wollte jemand anders was Gutes , so stach ihn der alte böse Mensch in der eigenen Seele , daß er diesem Willen hemmend in den Weg trat und ihn , wenn nicht ganz hinderte , so doch lähmte . Das sind unglückliche Menschen , ihnen geht alles schief ; sie selbst sind immer Klagens voll , aber sie erkennen nun und nimmer , wie ihr Charakter ein Gemisch von Schwäche und Bosheit ist , ein bitterer Kelch , aus dem sie und Andere trinken müssen und der nie leer wird , sondern stets neu sich füllt , weil eben im Kelch eine lebendige bittere Quelle ist , das dem Eigentümer unbekannte Gemüt . Alle Leute können nicht Helden sein , aber alle Leute sollten doch zu der Erkenntnis gebracht werden , daß zwischen unglücklichen Verhältnissen und Gemütskrankheiten ein wunderbarer Zusammenhang ist , und zu dem ernstlichen Bestreben , diesen Zusammenhang zu fassen , um namentlich zu der Weisheit zu kommen , welche nie Ursache mit Wirkung , nie Wirkung mit Ursache verwechselt , nie die Quelle des Unglücks in der Luft sucht , wahrend sie tief im eigenen Ich sprudelt . Neuntes Kapitel Vom Gemüt und vom Gesinde Ein Jahr ist nicht alle Jahre , so sagt ein Sprüchwort , die Wahrheit desselben erfuhr Uli . Es war ein spät Frühjahr , war wetterwendisch Wetter , man mußte die Zeit zur notwendigen Arbeit stehlen , mußte in Wind und Wetter , in Schneegestöber manchmal aushalten , fast wie die Franzosen in Rußland . Nun , die waren diszipliniert , darum schlugen sich noch so viele durch und kamen mit dem Leben davon . Wäre es lauter undiszipliniertes Volk gewesen , kein Mann wäre aus Rußland gekommen . Nun aber hatte der arme Uli weder alte noch junge Garde , sondern undiszipliniertes Volk in der Mehrzahl . Das war ein schrecklich Fuhrwerken mit demselben . Wer hat wohl schon an einer Ziege gerissen , damit sie rascher marschiere ? Der hat es erfahren , wie die Ziege , statt rascher zu marschieren , mit all vier Beinen verstellt und gar nicht mehr vom Platz will . So geht es auch mit Dienstboten , welche undiszipliniert sind , sie halten zurück , sie machen immer langsamer , am Ende gar nichts mehr . Jeder stellt so gleichsam einen Knittel vor , der sich dem Meister zwischen die Beine wirft , wenn er rascher zufahren will . Von dieser Widerspenstigkeit wurden allgemach auch die Tagelöhner angesteckt , es entstand eine heillose Wirtschaft . Uli arbeitete sich ab wie ein Roß in einer Tretmühle ; wie das Rad umgeht , liefen die Tage vorbei , aber wie das Pferd nicht weiter , kommt , so schien Uli gebannt und nicht vorwärts zu kommen . Je schlechter man arbeitete , desto mehr klagten die Leute über Ulis Unverständigkeit , wie man ihm nie genug arbeiten könne , auch wenn man sich quäle wie ein Hund . Natürlich hatte man immer später Feierabend , Uli immer mehr zu treiben und zu tadeln , daher die Leute scheinbar Grund zu klagen . Begreiflich suchten sie den Splitter in Ulis Augen , den Balken im eigenen sahen sie nicht . Sonst hatte Uli den Sonntag respektiert , Misten , Grasen und sonstige Arbeit vermieden , war gerne am Sonntag zur Kirche gegangen , hatte ordentlich Appetit nach Gottes Wort ; er hatte die Natur , welcher die Worte des ewigen Lebens wohl taten , Bedürfnis waren , gleichsam eine Nahrung , welche die Natur verlangte . Wie aber Nebel in Täler sich drängen allgemach , bis die Täler endlich voll Nebels sind und unsichtbar die Sonne geworden ist , so drängte sich allgemach die Arbeit in den Sonntag hinein ; er ward finster , das ewige Licht schien immer düsterer , schien am Ende gar nicht mehr hinein . Was sonst am Samstag gemacht worden war , ward verlegt auf den Sonntagmorgen , und wenn Uli nicht selbst dabei war , ward es gar nicht gemacht . Die lumpigsten Knechtlein waren Nachtschwärmer , wie es die meisten sind , stunden am Sonntag nicht auf , und was Uli darüber sagen mochte , es half alles nichts , sie hatten