er rasch zur Antwort . » Es ist die gerechte Strafe für meinen Unglauben ! - Und doch - es wäre fürchterlich . « » Besinne Dich , Richard , Du sprichst im Fieber . « Er schüttelte den Kopf . » Sie ist rein , und unentweiht wie ein ahnungsloses Kind . « Der Ausdruck der Wahrheit , welcher in diesen Worten lag , erschütterte Alicen auf ' s tiefste . » Und der Grund ? « - fragte sie . Er lachte bitter . - » O , der triftigste - ich wollte den Grad ihrer Weiblichkeit kennen lernen . « Jetzt verstand ihn Alice vollkommen . Nach einer kurzen Pause sagte sie mit kaltem , ruhigem Ton : » Du bist ein Narr , Richard , ich habe es Dir schon einmal gesagt . « » Ich weiß es « - erwiederte er in derselben Weise , und schweigend ritten sie weiter . Zwölftes Kapitel Als Berger so unvermuthet in das Zimmer getreten war , blieb Lydia anfangs von Schreck gelähmt ruhig auf dem Sopha sitzen . Sie glaubte in einer heillosen Täuschung befangen zu sein und fuhr unwillkührlich mit der Hand über die Augen , um das vermeintliche Schattenbild ihrer Phantasie zu verscheuchen . Aber vergeblich . Als sie die Hand von den Augen nahm , fiel wiederum ihr Blick auf die unheimliche Gestalt ihres ehemaligen Verlobten . » Ich bin ' s wirklich , Lydia « - sagte Berger langsam , indem er einen Schritt auf sie zutrat . Lydia stieß beim ersten Laute seiner Stimme einen leisen Schrei aus ; dann sagte sie mit fremdem und kaltem Tone : » Sie haben sich wohl in der Thüre , vielleicht gar im Hause geirrt , mein Herr . « » Nichts weniger . - Wie sollte ich auch irren können , ich habe Sie ja erwartet . « Lydia erbleichte , aber noch immer war sie über die eigentliche Lage , in der sie sich befand , vollkommen unbewußt . » Ich wüßte nicht , wie Sie mich hier sollten erwartet haben . - Ich muß Sie bitten , sich zu entfernen , da ich jeden Augenblick zu meiner Freundin gerufen zu werden hoffe . « Berger lachte . » Mein Herr , was soll das Alles bedeuten ? « - sagte jetzt Lydia mit wirklicher Angst . » Wo ist Frau von Rebenstock ? Ich will zu ihr . « » Bemühen Sie sich nicht . « - Er hielt eine Weile , während welcher er sich zugleich an ihrer Angst und ihrer Schönheit zu weiden schien , inne . Dann trat er noch einen Schritt vor und sagte mit hochmüthigem Tone : » Hier werden Sie keine Freundin , sondern nur einen Freund sehen , der Freund bin ich . « Lydia schloß die Augen , denn die ganze Umgebung schien sich plötzlich mit ihr im Kreise zu drehen . Als sie sie wieder öffnete , war Berger verschwunden . » War es doch nur ein Traum ? « - fragte sie sich . Ihre Gedanken verwirrten sich immer mehr . Ihr war , als sei sie plötzlich in ein Labyrinth gerathen , in dem sie weder Aus- noch Eingang wüßte . So saß sie eine lange Zeit , den Kopf auf die Hand gestützt , am Fenster und starrte bewegungslos auf den Fleck , wo vorhin Berger gestanden . Dann sprang sie auf und eilte nach der Thüre . Aber wie erstarrt blieb ihre Hand auf der Klinke liegen , als sie die Thüre von der andern Seite verriegelt fand . Da tauchte zum erstenmale der furchtbare Gedanke an die Wahrheit in ihr auf . - Sie war hintergangen - durch Betrug hierher gelockt - verrathen , verlassen von Allen - schutz- und machtlos . Ein kurzer , aber durchdringender Schrei entfuhr ihrer beklemmten Brust , dann sank sie leblos vor der Thüre zu Boden . Einige Minuten darauf trat Cornelia ein . » Bleiben Sie zurück , Berger « - sagte sie rückwärts sprechend , als sie Lydia erblickte , indem sie den linken Arm wie abwehrend nach hinten streckte . » Was ist mit ihr geschehen ? « - fragte dieser - » ist sie entflohen ? « » Nein , wenigstens ihr Körper nicht . « - Ein cynisches Lächeln begleitete diese Worte . » Lassen Sie mich hinein « - rief Berger , sie auf die Seite schiebend . » Himmel , sie ist todt ! « - setzte er erbleichend hinzu , als auch er Lydiens ausgestreckten Körper vor sich sah . Cornelie knieete nieder und legte ihr Ohr an die linke Seite Lydiens . Berger harrte in tiefem , angstvollem Schweigen auf ihre Antwort . Endlich erhob Cornelia ihren Kopf und sagte : » Diesmal kommen Sie mit dem bloßen Schrecken davon . Sie ist nur in Ohnmacht gefallen , doch helfen Sie mir , es ist keine Zeit zu verlieren . « Berger richtete Lydia empor und umfaßte sie mit seinen Armen . Er zitterte heftig , als er durch die von Cornelien geöffnete Thüre schreitend sie eine Treppe höher in ein anderes Zimmer trug , wo er sie auf ein Sopha niederlegte . » Jetzt entfernen Sie sich , Berger . « Er warf noch einen Blick auf die bleichen Züge seiner ehemaligen Braut und entfernte sich schweigend . Cornelie schloß die Thüre hinter ihm ab , und lösete Lydiens Kleider . Die ideale Form dieses schönen Leibes , die seelenvolle Harmonie des Ganzen , welche ihr daraus wie lebendige Poesie entgegen leuchtete , übte einen wunderbaren Eindruck auf das verhärtete Gemüth Corneliens . Sie konnte ihr Auge von diesem Anblick nicht losreißen . Da störte ein leises Klopfen sie aus ihrem tiefen Sinnen auf . » Berger « - rief sie wie erwachend aus , indem sie unwillkührlich eine Bewegung machte , als wollte sie schützend zwischen ihn und sein Opfer treten . Aber schnell besann sie sich . » Was will ich