uns , ob wir in Felchner ' s Fabrik arbeiteten , und als wir bejahten , fragte er uns nach Tausend Dingen aus , wie Viel wir ihrer wären , ob wir untereinander zusammenhielten , ob wir im Ganzen zufrieden oder unzufrieden wären . Wir sagten ihm unbefangen die Wahrheit , daß wir Alle fleißige Arbeiter wären , aber doch wenig verdienten , und daß besonders es erbarmungswürdig sei , wie man die Kinder behandele . - Er schien sehr mitleidig zuzuhören und fragte weiter , ob wir Nichts thäten , dieser Noth abzuhelfen , oder ob wir nicht unsere Unzufriedenheit aussprächen . - Da sprach Anton von dem Vereine der unverheiratheten Arbeiter , welchen wir bilden wollten . Wie Jener das hörte , nahmen seine Augen einen ganz eigenen Ausdruck an , halb wie vor Schreck , halb wie vor Freude . Dem ungeachtet fragte er nicht weiter danach , sondern ließ sich nur von unsern Familienverhältnissen erzählen , ich sprach von meiner armen , kranken Mutter - Anton war sehr verdrießlich , weil er im Schafkopf seinen letzten Groschen verloren hatte und nicht wußte , was er darauf antworten sollte , als der Wirth die Zeche verlangte . Kaum sah dies der dürre Mann , als er für Anton bezahlte und uns noch Jedem ein großes Glas Schnaps geben ließ . Er sagte , daß Diejenigen , welche uns zu einem Vereine bewegen wollten , wo wir sogar dem Branntwein entsagen sollten , unmöglich uns wohl wollen könnten , und daß alle solche Vereine für uns höchst lästig und gefährlich werden könnten , wir hätten ja dann gar keine Freiheit mehr , wenn wir nicht einmal mehr trinken , spielen und in die Schänke und herausgehen dürften , wenn wir Lust hätten . Nachher sagte er , wir mögten nur bald wieder kommen , wir gefielen ihm , er käme jeden Sonntag an diesen Ort und er würde sich freuen , uns zu treffen . Ich war einmal hinausgegangen , während dem hatte er mit Anton heimlich gesprochen , wie ich wohl merkte , denn während ich nun , aufgehetzt von Jenem , ganz gegen den Verein war und es dann Dir und Allen offen sagte , auch wegblieb , sagte Anton : ich trete dazu , sonst weiß man ja gar nicht , wie es dabei hergeht . - Am nächsten Sonntag beredete mich Anton , wieder mit hin in die Schänke zu gehen , wo wir den langen , dürren Mann getroffen hatten - er war auch richtig wieder da , er gab mir Geld für meine arme Mutter , und Anton gab er auch welches . Er sagte , wir sollten nun wenigstens alle vier Wochen in die Schänke kommen , wo wir ihn treffen würden , und ihm aufrichtig erzählen , was etwa unterdeß in unsrer Fabrik und unter uns Arbeitern vorginge ; es wäre zu unser Aller Vortheil , zum Vortheil der ganzen arbeitenden Classen , besonders aber solle es unser Schaden nicht sein . - Die Sache schien uns auch gar nicht so übel , besonders da wir aufgeregt waren und es wenigstens in meinem Kopfe nicht mehr ganz klar herging , denn er ließ uns sehr viel Branntwein einschänken . Dennoch fragte ich ihn , wer er sei , und warum er sich so um unsre ganzen Angelegenheiten bekümmerte ? Er nannte sich Stiefel und daß er das nur aus menschenfreundlichen Absichten thue , weil ihm unsere Lage am Herzen liege und es nothwendig sei , daß er darüber alle mögliche Notizen sammele , dann könne er vielleicht durch Schrift und Wort dazu beitragen , unsere Lage zu verbessern . - Wie wir nun das nächste Mal wieder beisammen waren , gestern , nannte ihm Anton Deinen Namen und gab ihm das Buch Erzählungen aus dem armen Volke , welches Du geschrieben und nach der Aufschrift allen Menschenfreunden gewidmet hast . Stiefel nahm es mit derselben sonderbaren Miene , mit welcher er damals die Erzählung von der Bildung Eures Vereins anhörte und rief : Ein Fabrikarbeiter , der solche Sachen schreibt , ist ein entsetzlicher Mensch , nun , dessen wird man sich bald zu bemächtigen wissen - hier habt Ihr noch mehr Geld und wer mir von Euch noch Etwas von seinen Schreibereien bringt , der erhält das Dreifache - aber wo möglich Ungedrucktes , Papiere , die er geheim hält . - Da ging mir plötzlich ein Licht auf , ich ward zornig , ich warf ihm das Geld in ' s Gesicht und sagte , ich bin kein Judas , der seinen Bruder an einen Elenden verräth , der vielleicht die Macht hat , ihm Uebles zu thun - und damit lief ich schnell fort aus der Stube , aus der Schänke , aus der Stadt gerade Wegs heim . Da fand ich meine kranke Mutter hungernd und frierend und sie machte mir Vorwürfe , daß ich ihr kein Geld mitbringe , wie früher - ich konnt ' es nicht ertragen , sie so vor mir zu sehn , bittend und fluchend , matt vor Hunger und Frost , wimmernd unter unsäglichen körperlichen Schmerzen - ich war noch trunken , es kochte in mir vor kalter , stiller Wuth - ich ging in unsre Schänke - ich spielte falsch - es war ja nicht für mich , es war für meine Mutter - ich spielte auch erst falsch , als ich sah , daß ich anders nicht gewann , denn ich dachte , ich wär ' es in der Stunde wohl werth gewesen zu gewinnen , wo ich den Versucher von mir abgeschüttelt hatte wie eine giftige Schlange , die mich schon umringelt hatte . - - Nun weiß ich Alles , und wenn ich mit in Euren Verein treten könnte - nun thät ich ' s gern . - « » Sie werden Dich jetzt nicht aufnehmen , « sagte Franz , der mit wachsendem Interesse seinen Bericht angehört hatte . » Komm aber nächste Mittwoch mit