davon war , daß Alles genau so gemacht und eingerichtet wurde wie er es wünschte . Wir wurden in aller Stille vermält . Otbert verließ das Hotel Danieli am Quai der Slavonier wo er bis dahin gewohnt hatte und bezog meinen Palast Gradenigo . Eine kleine Wohnung auf Torcello - aber eine andere als Benvenutas - erwählte er sich für Stunden und Launen in denen ihm völlige Einsamkeit nothwendig sei ; und das fiel mir weiter nicht auf , da ich selbst mehr als jeder Andre die aller unabhängigsten , ja vielleicht grillenhafte Lebensgewohnheiten hatte . So war ich denn Otberts Frau ! - bis dahin hatte mich eine unüberwindliche Schüchternheit zurückgehalten mit ihm über seine pecuniären Verhältnisse gründlich zu sprechen . Jezt that ich es ; denn aus den Zeiten meiner Ehe mit Paul wußte ich in welch ein Labyrinth von Sorgen man sich durch nachlässige Verschwendung und gedankenlose Unordnung verwickelt . » Geliebter Engel , entgegnete Otbert sehr gelassen , ich habe unzählige Schulden . « » Ich wünschte doch sehr daß Du sie zählen mögtest .... weiter nichts , Otbert ! « » Ja sieh , das werden die Leute , welche mir geborgt haben , wol genauer können als ich . Mit dem unseligen Gelde war ich immer übel dran . Wir haben uns nie mit einander vertragen können , drum nahm es immer mit der größten Eile bei mir Reißaus . « » Erlaubst Du mir künftig Dein Schatzmeister zu sein ? « » O ! rief Otbert entzückt , dann wird mir das Leben noch einmal so freudig vergehen als sonst . Die Qual nie Geld zu haben und immer Geld zu brauchen , ist mit keiner andern zu vergleichen ! Zuweilen fühlte ich mich durch sie gelähmt an allen Sinnen und Kräften .... wahrhaft elend . Ich verstehe diese Geschäfte nicht , habe sie nie gelernt , erwuchs als der Sohn eines reichen Mannes , der aber noch zwei Söhne außer mir hatte . Nach seinem Tode wurde das Vermögen zwischen uns und der Mutter vertheilt . Meine Brüder haben es verstanden reiche Männer zu werden ; ich habe mich nie um mein Vermögen gekümmert ! meine gute Mutter hat es nach besten Kräften verwaltet .... jezt wird ihr , glaub ' ich , diese Verwaltung nicht mehr viel Mühe machen . Indessen .... wenn wir einmal nach Deutschland heimkehren , wollen wir doch die Sache genau untersuchen um zu erfahren , was ich eigentlich habe oder nicht habe .... wenn ' s Dich interessirt , mein Engel . « Nie hab ' ich einen Menschen gesehen , der das Geld weniger beachtet und mehr verbraucht hätte ! er war nichts weniger als habsüchtig ; er verschenkte und verschwendete eignes wie fremdes Gut mit derselben Fahrlässigkeit ; er war im höchsten Grade freigebig und großmüthig ; das gefiel mir sehr ! allein ebensosehr mißfiel mir diese bodenlose Unordnung . Es kam ihm nicht in den Sinn irgend Jemand übervortheilen zu wollen . So wie seine Gelder einliefen , berief er seine Gläubiger und zahlte ihre Foderungen ; blieben jene aber aus oder reichten sie für seinen Verbrauch nicht hin , so beunruhigte ihn das nicht im Mindesten ; er borgte aufs Neue und verzehrte in dieser Weise seine Habe . Als mein Haus das seine ward und er mir die unbeschränkte Leitung desselben übertrug , ordnete ich seine ganzen pecuniären Verhältnisse insoweit sie sich an Venedig knüpften aufs Pünktlichste . Er dankte mir herzlich - aber nur für meine Mühe ; die Sache selbst war ihm gleichgültig . Ich fühlte mich einmal verpflichtet ihn über deren Wichtigkeit aufzuklären . Er hörte mir verwundert zu und erwiderte dann : » Lieber Engel ! ganz unabhängig ist auf unsrer Sclavenwelt Niemand . Lebt man wie ich , so ist man , wie Du ganz richtig bemerkst , etwas abhängig von Juden , Wucherern und dergleichen Gesindel ; - lebt man wie Du , so ist man abhängig von seinem Budget . Der Eine fühlt sich frei durch die Ordnung in seinen Rechnungsbüchern ; den Andern bedrückt der Gedanke sie in Ordnung halten zu sollen . Wenn ich gestern zehntausend Thaler ausgegeben habe , so weiß ich heute kaum - und morgen gewiß nicht mehr die Zahl . Wozu auch ? Den Genuß den sie mir verschaft hat habe ich erstrebt und erlangt : und das ist der Zweck des Geldes . « Ich sah ein daß es ganz umsonst sein würde über diesen Punkt mit ihm zu streiten . Aus Neigung und Bequemlichkeit hatte er sich ein System über diesen Zweck des Geldes gemacht , wohinter er sich mit der höchsten Gelassenheit verschanzte . Ganz wahr ging er nicht dabei zu Werk - wie das mit der sogenannten consequenten Durchführung jedes Systems verbunden ist - aber um so fester hing er an demselben . Kurz nach unsrer Verheirathung schickte ihm seine Mutter eine Anweisung auf 2000 Thaler , wenn ich nicht irre , mit der Bemerkung dies wären seine einzigen Einkünfte für das laufende Jahr . Was that er ? - Mir war ein wunderschöner türkischer Shawl für einen enormen Preis angeboten ; ich hatte ihn nicht genommen . Otbert kaufte ihn ; - kaufte dazu einen Kasten von Cedernholz , der im orientalischen Geschmack mit Arabesken von kleinen vergoldeten Nägeln beschlagen war , und legte mir dies Prachtgeschenk zu Füßen . Ich freute mich eigentlich nur an seiner Freude über dasselbe . Er hing mir den Shawl um , erst so , dann so , er ließ meine übrigen Shawls bringen , legte sie alle selbst in den herrlichen Kasten , und freute sich an ihrer Zartheit und ihren Zeichnungen . » Eine Schönheit wie Du muß nichts als die köstlichsten Stoffe tragen , sagte er , und von den köstlichsten Stoffen umgeben sein . Deine kleinen weißen Linonkleider sind mir ganz unangenehm . Warum kleidest Du Dich nicht in ostindischen Musselin ? « Ich sagte ihm ostindischer Musselin sei eine Tradition aus der