durchschauert vom Morgenhauch , klang es anders . Wußo war ein wilder Heide gewesen , der nur gedürstet nach dem Blut der Fremden , welche eine fremde Sitte und einen fremden Gott in das Land seiner Väter einführen wollten . Oft hatte er sich unterworfen der wilden Gewalt , weil er ihr nicht länger widerstehen konnte , aber eben so oft , wenn die Gelegenheit sich bot , hatte er in das Horn des Urs gestoßen , die alten Freunde und Genossen gerufen , die Crucifixe niedergerissen , die Capellen zerstört und verbrannt und das Joch abgeworfen , das ihm eine Schmach dünkte . Und auch jetzt , als die Herrschaft der Sachsen in der Nordmark gefestet schien , diente er nur mit innerem Grollen den Söhnen des Bären Albrecht . Da war er einst zur Jagd ausgeritten mit dem Markgrafen Otto , und sie waren in eine Wildniß gekommen , die der Markgraf noch nicht kannte . Und darauf rechnete Wußo . Der Böse gab es ihm ein , daß er den Markgraf verlocken sollte , fernab von den Seinen , und da ihn tödten , wo Keiner es sah und Keiner die Spur finde . Dann werde alles bleiben und werden , wie es gewesen ; denn was thue das Neue , das die Christen gebracht , dem Lande und Volke gut , als daß es die Leute unzufrieden mache mit dem was sie hätten und ihre Väter . Die an Eicheln und Buchnüssen sich genügen lassen , wollten nun Brod essen , und die auf fauler Streu lagen , wollten in Betten schlafen und aus Höhlen und Hütten in Häuser und Thürme überziehen . So überredete sich Wußo und machte seine schwarzen Gedanken weiß , weil doch auch diesem Heiden , denn das war er trotz des Taufwassers , das Gewissen anging , daß Markgraf Otto ihm so viel Liebes erzeigt und sein Vertrauen auf ihn gesetzt . Dazumal war die Gegend ganz anders als sie jetzt ist . Wo jetzt die Fichten lustig und schlank in ' s Blaue schießen , war ein Dickicht von Eichen und Rüstern und Buchen , die ineinanderwuchsen und Krieg führten um das bischen Boden und Luft . Da lagen umgeworfene Stämme faulend einer über dem andern , und Gewürm , Kröten und Schlangen wimmelten am Boden , auf den nie ein Lichtstrahl fiel . Und wo der Wald aufhörte , war die Haide mit stachlichten Ginster- und Wacholdersträuchen besetzt , und wo die Haide aufhörte , war das Bruchland ; verwachsene Elsen und wilde Schlingpflanzen , daß kein Lüftchen durchdrang , und in dem warmen , feuchten Dunst nisteten Schwärme giftiger Stechfliegen . Wer sich verirrte und nicht untersank , blieb stecken in den Dornen und kam jämmerlich um vor Hunger und Qual unter den Stichen des Geschmeißes . Und auch das Wasser , wo es zu Tage lag , spiegelte nicht die Sonne und die Sterne und den blauen Himmel . Da trieben umgefallene Bäume umher , mit dickem Moos und Pflanzen überzogen , Inseln schwammen und ein buntes , schillerndes Netz von faulenden Stoffen schien darüber ausgebreitet . Die wilden Katzen kletterten in den verwachsenen Baumkronen , Krieg führend mit den Habichten , den Raben und Krähen . Der Bär schlich noch brummend in den Schatten um , ein Schrecken der andern Thiere , und die Waldameise baute ihre hohen Kegelhäuser , das einzige geordnete Gemeinwesen . Nur den Auerochsen hatte schon der Mensch vertrieben , und auf die stolzen und wilden Elennthiere richtete er eine verderbliche Jagd , daß sie weiter gen Osten flohen , und die wenigen , die noch waren , scheu im tiefsten Dickicht sich verbargen . » Wird Euch in der Wüstenei nicht bang , Herr Markgraf ? « fragte Wußo , da sie nun auf der Spur eines großen Elennhirsches ganz ab waren von ihrem Gefolge , und die Töne in ' s Hüfthorn riefen Keinen , und die Luft war schwül und Gewitterwolken zogen am Himmel auf . Und Wußo war doch selbst bang geworden , denn vorhin , als der Fürst über einen Baumstamm setzte und sein Thier zu kurz sprang , daß er herabglitt , hatte der grimme Mann schon die Axt geschwungen , die ihm am Sattel hing , um dem Herrn den Garaus zu machen . Aber sein Arm blieb in der Luft hangen , ein ferner Donner rollte über die Wälder . » Was soll mir bange werden ! « antwortete Otto . » Da Sanct Johannes bei mir ist in den Wüsteneien , der mein Schutzpatron ist und auch Deiner , Wußo . « Nun dachte Wußo heimlich : Ob Dir der Sanct Johannes jetzt den Weg zeigen wird ! und blieb tückisch zurück , da der Fürst , den Speer über sich schwingend , der Fährte des Elenns folgte , ohne viel vor sich auf den Boden zu sehen . Ihre Rosse , die nicht weiter konnten durch den Moor , hatten sie nämlich verlassen und anbinden müssen , und Otto ging mit kühnen Schritten den Tapfen des Hirsches nach . Nur Wußo kannte den einzigen schmalen Weg durch das Bruchland , und bei jedem Schritt meinte er , der Fürst werde sinken . Dann überhob ihn der Morast der Mordarbeit , und wie viele Deutsche waren in den Kriegen , von den tückischen Wenden in die Moräste gelockt , da versunken . Aber der Fürst fand den Weg , ohne daß er ihn kannte , sein Fuß traf immer das Feste und sank nie ein . Da er fast drüben war , rief er dem Wenden zu : » Was scheust Du , Wußo ? Kommst Du mir nicht nach ? « - Wußo machte sich nun auf den Weg , den er so oft zurückgelegt , aber seine Augen waren wie geblendet , oder war es die Unruhe in ihm . Er sank mit dem Fuß ein , zwei mal , und plötzlich , als der ganze Boden unter ihm zu zittern