Sonnenschein ging , ich hatte den Brief nicht bedacht , aber beschlafen , aber doch blieb mein Begriff gelähmt . Der Mond kam , und der Tag war noch nicht vergangen , ich ging zum Gitter im Boskett , wo die Blumen alle stehen auf hohen Paradegestellen , man kann dran hinaufsteigen . Der Gärtner stand oben mit der Gießkanne , ich ward ganz durstig , wie sie so gierig das kühle Wasser schluckten , ich trank aus der Gießkanne . Der Gärtner wollt es nicht leiden , ich sollte warten , daß er ein Glas hole . Ich bin dem Gärtner gut , er ist mein bester Geselle . Alles , was er sagt , verbindet sich so nah mit der Gegenwart . Die Blumenglocken bewegten sich vom Abendwind , der zieht mit sanftem Brausen durch die erfrischten Sträucher und nimmt den Staub der Blumen mit sich fort ; jeden Abend sieht der Gärtner diesem Spiel des Windes mit den Blumen zu . Grade in diesem Monat versäumt der Wind es keinen Abend , sagt der Gärtner . Was ich gesehen hab noch ? - Eine Biene , die sich ein Bad zurecht machte in dem Schüsselblatt von einer Geißblattblüte , sie patschte drin herum , tauchte den Kopf unter und wusch sich von allen Seiten mit ihrem Rüsselchen , grad wie eine Katze . - Nun denk ich , ob man eine Biene nicht könne zahm machen auch wie eine Katze . Daß sie hereingeflogen käm abends und schlief da auf einem Nelkenstock oder Wicken oder sonst einem Blumenstock , den die Bienen lieben . Der Gärtner meint , eine oder die andere , die einen aparten Sinn habe , könne das wohl - und sagte noch allerlei von den Bienen , was die Leute nicht glauben , weil es zu gescheut wär für so kleine Tiere , aber es sei dennoch wahr ; ich glaub ' s , warum soll er es nicht besser wissen , da er diese mit so großer Liebe beobachtet , das heißt mit Geist . Die Leute sind wohl auch so dumm zu glauben , ein Gärtner habe keinen Geist ; - aber , der hat Geist - und kann also mit Geist beobachten , das heißt mit Liebe . - Ja , Clemens , ich hab gestern abend noch an Dich schreiben wollen , aber ich mußte nachdenken über die Bienen . Ob sie wohl einen an der Stimme erkennen würden ? - Die Bienen haben ein fein Gehör , sie richten sich bei weiten Ausflügen nach dem Abendgeläut , sie unterscheiden genau die Glocke ihres Dorfs , das hat der Gärtner in seinem Dorf hundertmal beobachtet . Wir überlegten ' s noch mit dem Heimlichmachen der Bienen ; - einen Blumenstrauß im Mund , sich ins Gras legen und schlafend stellen . Kommen die Bienen , so muß man sie nicht verjagen , sagt der Gärtner , wenn sie auch an den Blumen vorbei aufs Gesicht fliegen , sie stechen nicht . - Wenn eine erst zahm ist , dann kommen mehrere . - Das wär mir eine Freude , Clemente , über alle Freuden , wenn ich so an einem heißen Sommertag in der Lindenallee spazieren ging und die Bienen kämen alle von den Bäumen herabgeflogen und umschwärmten mich . Er würde gleich mit schwärmen , meint der Gärtner ! - Ich weiß es - und er flög wohl auch daneben ; und ich weiß - liebster Clemente ! Der ist aber kein sentimentaler Pfarrer , der mit dem Universum liebäugelt ! Bis die Bienen wirklich kommen und mich umsummen , daß ich mein eigen Wort nicht hör , hat ' s Zeit , Deinen liebenden Brief zu besprechen . Schon in Deinem früheren Brief über Kunst steht - - ich fühl , daß solche tief durchdachte Gedanken , die Du an mich zwar richtest , doch vielmehr der Welt angehören , das erstemal wollte ich sie wie einen musikalischen Satz durch einen Gegensatz beantworten , wodurch erst seine Basis begründet wird , sagt der Musiker , und eine Symphonie aus sich hervorzubilden vermag . Aber , Clemens , ich fühlte mich so beklommen bei Deinem neuen Brief ! - Er paßt nicht zu meiner feurigen Frühlingsstimmung . » Durch Feld und Wald zu schweifen , mein Liedchen wegzupfeifen ! « - - - er paßt nicht zu meinem himmlischen leichtsinnigen Stubenkamerad , meinem Dämon , - nicht Damon - der mir ' s unter die Füße gibt , ich soll mich nicht auf Stelzen begeben . - Und » was kann ich , was kann ich dafür ? « - Daß es mir gar um Freundschaft und Liebe nicht zu tun ist . Gestern , Dienstag , waren wir im Forstwäldchen auf einem Ball , bei Moritz Bethmann . - Der Brief kommt nicht weiter heute , es steht ein Blumenstrauß auf meinem Tisch von lauter Vergißmeinnicht , wunderlich gebunden wie ein Kelchglas . In der Mitte auf dem Grund des Kelches sind Moosrosen . Wie schön ! - Ja , ihr Rosen seid schön , und euer Gewand ist die Schönheit selbst , und euer Reiz umwallt gleich die Brust , an der ihr vergeht ! Und ihr seid so schnell fort , und doch hat man so zärtlich euch geliebt - und doch seufzt man euch nicht nach ! - Warum nicht ? - Hat ' s Gott gewollt , daß man euch liebe , wie der Clemens mir sagt : ich sei berufen mit ihm zusammen , daß wir einander lieben , wenn das so wär , daß Gott wolle , wo er gar nicht zu wollen hat , ich würde ihm widerspenstig sein und den grad nicht wollen lieben , den er dazu geschaffen . - Denn das bändigt mich eben grade nicht , wenn er vielleicht sagte , wie die Kindererzieher , wenn sie Äpfel austeilen , magst du den nicht , so kriegst du gar keinen ! - Fühl ich mich hingezogen