ihnen doch die Augen aufgetan werden , damit sie es wahrnähmen , mit wem sie es zu tun haben . « » Ei ! « rief der alte Poet , » wie kommt ihr auf eine so trübselige Erfindung ? Ist dies wohl ein Gegenstand , ihn in einer heiteren poetischen Akademie vorzutragen ? « Don Giuseppe schien anderer Meinung und lobte das Gedicht . » Es mag wohl « , sagte er , » nur zu sehr ein wahres und trübes Bild unseres Lebens sein . Außerdem aber habe ich es mir zur Pflicht gemacht , alles , was die Signora Peretti tut und sagt , zu bewundern . « » So ist es recht « , rief Vittoria , jetzt wieder ganz aufgeheitert , » eine solche Verehrung , die durchaus keinen Tadel zulassen will , ist einzig und allein die richtige . Nicht wahr , an unserm Ariost oder Dante noch mäkeln , diese Stelle so , jene anders wünschen , das ist nur die Art schwacher Geister ? Und so behandelt Ihr mich , Don Giuseppe , wie ein vollendetes Kunstwerk , und ich danke Euch dafür . « Als man sich jetzt zu Malespina wandte , sagte dieser : » Ich muß , wie Don Giuseppe , um Entschuldigung bitten ; ich darf mich in einer solchen Gegenwart wohl nicht für einen Poeten geben , und wenn ich auch diese Kühnheit hätte , so trage ich doch kein Blättchen mit Versen bei mir , und mein Gedächtnis ist mir nicht treu genug , etwas ungelesen rezitieren zu können . Wenn Ihr es aber nicht mit Unwillen aufnehmen mögt , so will ich Euch zur Abwechselung und Aufheiterung eine jener an sich unbedeutenden komischen Begebenheiten vortragen , die sich in Residenzen und an Höfen wohl oft ereignen . Nur muß ich bei den verehrten Damen im voraus um Entschuldigung bitten , wenn die Erzählung wie wohl die meisten komischen , hier und da , wenn auch nur ganz wenig , verletzend sein sollte . « Caporale erwiderte : » Es läßt sich fast alles erzählen , wenn man nicht selbst eine unziemliche Lust am Unziemlichen empfindet . « » Sehr wahr « , sagte die Mutter , » das möchte wohl die richtige Art bezeichnen , weshalb viele unserer Autoren von mir rein genannt werden , die bei andern in einem sehr übeln Rufe stehen Wer sich selber unsittlich aufreizt , um gemeine Lüsternheit in andern zu erregen , nur einen solchen sollte man unmoralisch nennen . « » So bin ich denn dreist genug , den Spaß , der sich wirklich so zugetragen hat , zu beginnen « , sagte Malespina . » In unserer Residenz lebt schon seit längerer Zeit ein komischer Mann , der unzählige Blößen gibt und sich fast immer lächerlich zeigt , dessen ohngeachtet aber eine gewisse Hochschätzung mit Recht in Anspruch nimmt : es ist dies der alte Conegiani , der Gesandte von Ferrara an unserm Hofe . Dieser Mann ist lang und hager , blaß , von eingefallenem Gesicht und tiefliegenden Augen , zuweilen , wenn er nachdenkend aussieht , wie ein Bild des Jammers ; wenn er leicht und ausgelassen sein will , so reißt er im schmalen , dürren Gesicht den großen Mund so weit auf , daß man sich entsetzen möchte . Dieses Bild des Schreckens also , oder diese klapperdürre Figur , welche die Natur in bizarrer Laune scheint hervorgebracht zu haben , weiß aber von seiner Lächerlichkeit nichts ; so verblendet ist er und so von sich selbst eingenommen , daß er sich für schön hält , für anmutig und geistreich ; darum tanzt er gern noch auf den Festen , spielt den Zärtlichen , den Witzigen , und versagt keinen Spaß oder keine Ausgelassenheit , die die jungen , übermütigen Kavaliere ersinnen , und welche sie oft nur erdenken , um ihn hineinzuziehn , und sich an seiner Possierlichkeit zu ergötzen . Sein vertrauter Freund ist ein junger reicher Edelmann aus Padua , der ein schönes , witziges Mädchen unterhält ; und bei diesem speiset , ohne andere Gäste , der Gesandte fast jeden Abend . Die größte Schwäche des Alten ist nun , daß er glaubt , jede Dame sei in ihn verliebt ; so daß die Frauen ihn närren und necken , oft die Zärtlichen spielen , um ihn zum Gelächter zu machen , wie es sich von selbst versteht . Ganz öffentlich aber hat er sein fühlendes Herz vorzüglich der witzigen und schönen Donna Isabella gewidmet , die auch zum Schein seine Liebe erwidert , seine Zärtlichkeiten beantwortet und den Alten in so wunderliche Posituren versetzt , daß dieses öffentliche Verhältnis zu den Lustbarkeiten des Hofes gehört . « » Wer ist diese Isabella ? « fragte Don Giuseppe , der sehr aufmerksam der Erzählung zuhörte . » Sie ist « , antwortete Malespina , » die Schwester unsers Großherzogs und die Gemahlin des Herzogs Bracciano , des berühmten Orsini Paul Giordano , der sich schon in verschiedenen Feldzügen ausgezeichnet hat , wie Ihr wissen werdet . Diese Dame ist vielleicht die schönste unsers Hofes ; sehr viele erkennen ihr den Preis vor unserer berühmten Schönheit , der Bianca Capello . Alle Welt ist von ihrer Anmut bezaubert , von ihrer witzigen Unterhaltung hingerissen . Dabei ist sie in ihrem edlen Betragen so gutmütig , daß die Armen und Bürgerlichen sie verehren : ihre Gewandtheit und Lebensklugheit ist so groß , daß unsere kränkliche und ernste Großherzogin sie ebenso liebt , und ihr ebenso vertraulich ist , wie jene übermütige Bianca . Gewiß ein seltnes Beispiel da die regierende Fürstin gewiß nicht leichtsinnig über die Leidenschaft ihres Gemahls denkt , und ihre Nebenbuhlerin nur mit innigem Grauen neben sich dulden kann . So gab es denn im letzten Karneval einen unendlich spaßhaften Auftritt am Hofe , im Saale der regierenden Fürsein . Es war ein trauriger Regentag , und die Fürstin , sonst ernst , fast melancholisch , schlug Tänze