sage und behaupte , daß es das echte und aufrichtige Schwert Caroli Magni ist , womit er hier auf dem Oberhofe den Freistuhl gesetzet und eingerichtet hat . Und das Schwert wirket und vollbringet noch heutzutage sein Amt , obgleich davon nicht weiter geredet werden darf . « Der Alte sprach diese Worte mit einem Ausdrucke in den Mienen und mit einer Gebärde , die etwas Erhabenes hatten . » Und ich sage und behaupte , daß das eitel Torheiten sind « , eiferte der Sammler . » Ich habe den alten Flederwisch an die hundert Male untersucht , er hat kein halb Jahrtausend erlebt und rührt vielleicht aus der Soester Fehde her , wo ihn ein Reisiger des Erzbischofs , der sich hier in den Büschen verkrochen , mag haben stehen lassen . « » Daß dich ! « rief der Hofschulze und schlug mit der Faust auf den Tisch . Dann murmelte er vor sich hin : » Nun warte ! Dafür sollst du heute deine Strafe kriegen . « Der Knecht trat aus der Türe . Er trug ein Gefäß aus gebrannter Erde , von bedeutendem Umfange und fremdartigem Ansehen , es steif und achtsam mit beiden Händen an den Henkeln gefaßt . » Ei Gott ! « rief der Sammler , als es ihm näher zu Gesichte kam , » das ist ja eine prächtige große Amphora ! Woher stammt denn die ? « » Ich habe « , versetzte der Hofschulze gleichgültig , » den alten Topf vor acht Tagen in meiner Kiesgrube gefunden , als Grand ausgestochen wurde . Es stand noch mehr des Zeuges umher , was aber die Leute mit den Grabscheiten zerschlagen haben . Der Topf allein ist erhalten worden . Ich wollte doch , daß Sie ihn sähen , da Sie einmal hier sind . « Mit feuchten Blicken betrachtete der Sammler das große , wohlerhaltene Gefäß . Endlich stammelte er : » Ist darüber kein Handel zu machen ? « » Nein « , versetzte der alte Bauer kalt , » ich will den Topf mir selber aufheben . « Er gab dem Knechte einen Wink , dieser wollte die Amphora in das Haus zurücktragen , wurde aber daran von dem Sammler gehindert , welcher , die Augen nicht von dem Gefäße wendend , den Eigentümer mit den mannigfaltigsten und beweglichsten Wendungen anging , ihm den ersehnten Weinkrug abzustehen . Es war indessen alles vergebens ; der Hofschulze verblieb den eindringlichsten Bittworten gegenüber in unerschütterlicher Seelenruhe und machte auf diese Weise den unbewegten Mittelpunkt der Gruppe , um welchen die Bauern , die dem Handel mit aufgesperrten Mäulern zuhorchten , der Knecht , der das Gefäß an den Henkeln gefaßt , dem Hause zustrebte , und der Altertümler , welcher dasselbe am untern Ende festhielt , die aufgeregten Seiten- und Nebenfiguren bildeten . Zuletzt sagte der Hofschulze , daß er in Willens gewesen sei , seinem Gaste den Topf , wie so manches früher aufgefundene Stück zu schenken , weil er selbst seine Freude daran habe , die alten Sachen auf den Brettern der Sammlung an den Wänden ringsherum in Ordnung gestellt , zu sehen , daß ihm aber die beständigen Angriffe auf das Schwert Caroli Magni verdrießlich seien , und daß er deshalb auch mit dem Topfe seinen Willen behalten wolle . Kleinlauten Tons versetzte hierauf der Sammler nach einer Pause , daß Irren menschlich wäre , daß die Waffen des Mittelalters sich nach den Zeitaltern oft nicht genau unterscheiden ließen , daß er auf diese Überbleibsel sich weniger , als auf Römersachen verstände , und daß allerdings manches an dem Schwerte auf ein höheres , über die Soester Fehde hinausreichendes Alter zu deuten schiene . Vorauf der Hofschultze entgegnete , daß ihm dergleichen allgemeine Redensarten nichts frommen könnten , daß er den Zwist und den Zweifel an seinem Schwerte ein für allemal abgetan wissen wollte , und daß es nur ein Mittel gäbe , in den Besitz des alten Topfes zu kommen , nämlich , wenn der Herr Schmitz auf der Stelle eine Schrift von sich gäbe , worin das im Oberhofe , aufbewahrte Schwert förmlich für das wahre Schwert Caroli Magni anerkannt würde . Nach dieser Eröffnung hatte der Altertümler freilich einen harten Kampf zwischen seinem antiquarischen Gewissen und seiner antiquarischen Begierde zu kämpfen . Er warf die Lippe auf und trommelte mit den Fingern auf der Stelle umher , wo er den Knochen vom Teutoburger Schlachtfelde stecken hatte . Sichtlich war sein Bestreben , über die Anmahnungen des ihn zur Unwahrheit verlockenden Gelustes Herr zu werden . Endlich aber erhielt dennoch die Leidenschaft , wie dieses immer zu geschehen pflegt , die Oberhand . Hastig forderte er Feder und Papier und stellte mit fliegender Eile , zuweilen seitwärts nach der Amphora schielend , ein unumwundenes Bekenntnis aus , daß er nach oftmaliger Besichtigung des Schwertes im Oberhofe solches für das des Kaisers Karls des Großen erkannt und befunden habe . Diese Urkunde ließ der Hofschulze von den beiden Bauern als Zeugen mit unterschreiben , und steckte dann das Papier , mehrmals zusammengeschlagen , zu sich . Der alte Schmitz aber faßte heftig nach der auf Kosten seines besseren Bewußtseins erkauften Amphora . Der Hofschulze sagte , er wolle ihm den Topf andern Tages nach der Stadt schicken ; wie hätte aber ein Sammler wohl jemals auch nur einen Augenblick lang die körperliche Innehabung eines teuer erworbenen Besitzstückes entbehrt ? Entschieden lehnte der unsrige jeden Verzug ab , ließ sich eine Schnur geben , zog diese durch die Henkel , und hing sich daran das große Weingefäß über die Schulter . Sie schieden demnächst im besten Einvernehmen , nachdem der Sammler noch zur Hochzeit gebeten worden war . Er gewährte mit seinen Winkeln , mit den bauschig abstehenden Rockschößen und der hin und her wackelnden Amphora an der linken Seite einen abenteuerlichen Anblick , als er von dannen zog . Die Bauern boten ihrem Ratgeber die Zeit , versprachen , sich seinen Rat merken zu wollen