stehe jetzt wie eine Bittende vor Euch . Ich fordere von Euch eine Gewährleistung , an der mir sehr viel liegt , die für ' s Erste nöthig ist , die ich vielleicht später wieder aufhebe , vielleicht auch nicht . Wollt ihr mir geloben , meine Bitte zu erfüllen , meine dringende Bitte ? - Zweifelt Ihr , Frau Herzogin , an meiner Bereitwilligkeit ? Wollt Ihr mir nicht sagen , was Ihr befehlt ? Wollt Ihr nicht überzeugt sein , daß dies Herz froh sein wird , Euch zu gehorchen ? Was Ihr von mir fordert , es kann nur recht sein , und ich kann sagen , ich werde Euch nicht gehorchen , um der großen Verpflichtungen willen , die ich gegen Euch habe , ich werde gehorchen aus Liebe . - Da ergriff die Herzogin hastig die Hände der Gräfin , drückte sie fest zwischen die ihrigen und sagte schnell : Nie , nie , gegen kein menschliches Wesen , nicht durch Blick oder Wort , nie , nie verrathet Eure frühere Bekanntschaft mit Gaston . Mit Gaston ? stammelte , überwältigt von Erstaunen , die Gräfin . Sie hatte sich , nach dem lebhaften und feierlichen Benehmen der Herzogin , auf die Anhörung irgend einer wichtigen Mittheilung gefaßt gemacht , und jetzt sollte sie nichts als die harmlose Bekanntschaft eines Hundes verläugnen . Doch sie besaß zu viel Gefühl für Schicklichkeit , um , der Herzogin gegenüber , nicht ein Erstaunen zu mäßigen , welches dem Betragen derselben fast zum Tadel werden mußte . Ihre wiederkehrende Besonnenheit aber ward bis zum ernsten Nachdenken erhöht , als ihrem folgerechten Verstande zunächst klar ward , daß dieser an sich unbedeutenden Bitte doch ein Umstand anhing , der sie zu keiner unwichtigen machte , nämlich das Verläugnen der Wahrheit , wenn der Zufall eine Erklärung darüber für sie herbeiführen möchte . Sie fühlte hier zuerst im Leben , daß man keines Menschen so sicher sein darf , ihm ohne Vorbehalt irgend eine heilige Angelobung zu thun , noch vor der Kenntniß des Begehrten . Der Streit in ihrem Innern darüber legte ihren Lippen noch immer ein Schweigen auf , das durch ein etwas unbehagliches Gefühl gegen die Herzogin vermehrt ward , welche ihr räthselhaft und nicht so rein mehr erschien , als einige Augenblicke früher . Aber die Herzogin hatte gebeten , und diese ihr seltene Stellung ließ sie dies Schweigen beleidigend empfinden . Augenblicklich daher auf ihre frühere Hoheit zurücktretend , richtete sie sich empor , und ihr Blick heftete sich nicht bittend , sondern zürnend auf die Gräfin . Ich bat Euch , Mylady , sagte sie kalt ; habt Ihr mich gehört ? Ich that meine erste Bitte an Euch ! Vielleicht wagte ich zu viel , Euch um die Erleichterung einer Sorge zu bitten , wobei ich Euer Wohl mit bedachte . - Sie wollte sich wenden , um den Saal zu verlassen , denn ihr einmal aufgeregter Stolz mußte seine Befriedigung haben , und jede andere Sorge stand stets dieser Anforderung nach . Da fühlte sie sich gehalten , und eine Bittende erwartend und getheilt in ihren Empfindungen , welche ihr die Angelobung ihrer Forderungen wünschen ließen , wandte sie sich . Aber sie fand ein ruhiges , nachdenkendes Gesicht , ohne Sorge , wie es schien , über ihren heftig geäußerten Unmuth . Ich bin , wie Ihr seht , in Unruhe und Zweifel , und Ihr müßt mich jetzt nicht verlassen , sagte die Gräfin ruhig und ernst ; ich gestehe Euch , daß mich Eure Aufforderung in diese Stimmung versetzt hat . Ich gab Euch früher mein Wort , zu willfahren , noch ehe ich den Inhalt dieses Begehrens kannte , und wenn meine Ehrfurcht vor Euch mich es auch verbergen läßt , wie unbegreiflich mir Euer Gebot ist , und wenn ich Euch auch gern ohne Gründe vertrauen möchte , muß ich doch glauben , Ihr bedachtet selbst nicht Alles genau . Denn sagt mir , wer rettet mich vor der Gefahr einer Lüge , der ich fast unerläßlich ausgesetzt bin , wenn ich Euch unbedingt gehorche ? - Ihr seid sehr überlegt , Lady , in so jungen Jahren , sagte die Herzogin , noch immer streng , doch zu einer innern Anerkennung dieser reinen Ansicht fast gegen ihren Willen gezwungen . Indeß darf ich Euch wohl am wenigsten deshalb tadeln , da auch ich eine Feindin der Lüge mich nennen darf ; und ich muß es beklagen , Euch nun nicht länger verhehlen zu dürfen , daß Ihr selbst es seid , die mich zuerst vielleicht im Leben zu einer mir sonst fremden Heimlichkeit und Verhehlung zwingt . Aber das ist der Fluch des Bösen , setzte sie , wie zu sich selbst redend , hinzu , und es bleibt nichts in seiner Nähe unbefleckt davon . Ich überlasse Euch , fuhr sie lauter fort , was meine Bitte betrifft , Euerm Gewissen ! Das Wort , das Ihr gabt , soll nur Kraft haben bis zu dieser Grenze ; doch werde ich bemüht sein , Euch die Versuchungen aus dem Wege zu räumen . Thut Ihr ein Gleiches und denkt , daß Ihr mir damit den geringsten Dienst leistet , denen aber , die Ihr die Eurigen nennt , vielleicht den größten . - Ich danke Euch , sagte die Gräfin mit ihrem wiederkehrenden klaren Blick und dem vollen Ton ihrer melodischen Stimme , Ihr habt mich wieder frei gemacht , es scheint mir nicht schwer , das zu vermeiden , was Ihr befehlt , und ich wünschte , Ihr hättet allein dabei Interesse , ich würde gern um Euretwillen recht vorsichtig und besonnen handeln . Ich sehe wohl , setzte sie sanft hinzu , Euer erfahrner Blick hat schon tiefer in mein Leben geschaut , ich bin dessen froh und will durch keine kindische Neugierde Euch lästig fallen über das , was Ihr mir noch verbergen zu müssen glaubt . - Schreitet in dieser Hoffnung