des Mittelgebäudes Posto , kurz , ein kleiner Militärstaat wuchs im Augenblicke , sozusagen , aus der Erde . Als er sich nach der Ursache dieser plötzlichen Verwandlung erkundigte , hörte er , daß der Herzog das Recht der Standesherrn , eine Leibwache zu halten , auf diese Weise ausübe . Man habe vernommen , daß ein fremder General noch heute ankommen werde . In solchen und ähnlichen Fällen nun , wo es gelte , den Glanz des Hauses zu zeigen , werde die Armee zusammenberufen , für welche jeder Arbeiter zugleich geworben sei , und welche nur so lange bestehe , als die Veranlassung währe . Wirklich sah Hermann noch vor Abend die Posten von dem Schlosse abziehn , die Hauptwache verlassen , und die Arbeiter wieder rüstig in ihren Jacken schaufeln und jäten , denn die Nachricht mit dem fremden Generale hatte sich nicht bestätigt . Dergleichen Beobachtungen führten ihn darauf , über die Schlußworte in dem Briefe seines Oheims nachzusinnen . Sie lauteten folgendermaßen : » Du bist da in Umgebungen geraten , wo Du nur verdirbst . Traue ihnen nicht , sie meinen es immer falsch mit uns . Deinen Vater haben sie zum unglücklichen Mann gemacht , laß Dich von seinem Schicksale warnen . « Siebenzehntes Kapitel Um Flämmchen hatte er sich seither wenig bekümmert . Sie zeigte nach dem mystischen Abende eine heftige Neigung zu Wilhelmi , und schien die Hoffnungen ihres Wahnglaubens auf ihn gesetzt zu haben . Wo er ging und stand , suchte sie ihm zu dienen , und war endlich durch Dreistigkeit und unermüdliches Verfolgen dahin gelangt , daß ihr Wilhelmi erlaubte , einen Teil des Tages bei ihm im Archive zuzubringen , wo er sich im Schweiße seines Antlitzes bemühte , Ordnung zu stiften , soviel dies möglich war , denn die Eigenheiten des Herzogs legten ihm große Schwierigkeiten in den Weg . Flämmchen durfte ihm dabei zur Hand gehn , sie brachte ihm die Akten und Skripturen zu , versah sie mit Papierstreifen und was dergleichen mechanische Dinge mehr sind , welche bei einer Arbeit dieser Art so vielfach vorkommen . Wilhelmi fand sie in allem , was er ihr auftrug , äußerst brauchbar ; er gewann den muntern bildschönen Knaben lieb , und sprach eines Tages gegen Hermann die Bitte aus , ihm den Jungen ganz zu überlassen . Dieser geriet hierdurch in eine große Verlegenheit . Er sah zwar , daß sein Freund wirklich , wie der Arzt sagte , blind für alles Nächste war , allein irgendeine Unbesonnenheit Flämmchens konnte ihm dessen ungeachtet mit jedem Tage gewaltsam die Binde von den Augen reißen . Er kannte Wilhelmis strenge Grundsätze , und wenn er auch hoffen durfte , diese durch einen wahrhaften Bericht zu beschwichtigen , so mußte er doch von dessen Hange , alles gleich auf die Spitze zu stellen , den schlimmsten Verrat fürchten . Sein Aufenthalt im Schlosse war ihm ohnehin verleidet , er nahm sich daher kurz und gut vor , zu reisen , und den ihm empfohlnen Pädagogen um Erlösung aus seiner seltsamen Not zu bitten . Indessen mußte in der Zwischenzeit für sie gesorgt werden . Trotz seiner Abneigung gegen den Arzt , die zuletzt fast in Verachtung übergegangen war , sah er sich gezwungen , mit diesem über ihre vorläufige Unterbringung zu verhandeln . Der Arzt empfing ihn zwischen seinen Elektrisiermaschinen und Spirituspräparaten höflich , als sei nichts vorgefallen . Er wußte gleich Rat . » Sie soll « , sagte er , » solange Sie abwesend sind , zu meiner alten Kräutersammlerin gebracht werden , und wir wollen sofort mit dieser die Sache richtig machen . « Sie ritten auf Wegen , die Hermann noch nie betreten hatte , durch ein wüstes Hügelland , und kamen in ein abgelegnes Tal , welches , obgleich in geringer Entfernung von menschlichen Wohnplätzen , den Charakter völliger Einsamkeit zeigte . Freilich waren die Pfade , die hineinführten , die schlechtesten , sie hatten sich mehrmals genötigt gesehen , abzusteigen , und ihre Pferde hinter sich herzuleiten . Ein Bach floß hindurch ; an demselben zwischen alten Rüstern stand die Hütte der Alten , gegen den Stamm der einen gelehnt . Die Alte kroch zwischen den Klippen umher , und sammelte Pflanzen . Vor sich hatte sie ein blendendweißes Tuch ausgebreitet , auf welches sie die grünen Sprossen und Blätter mit Bedachtsamkeit legte . » So fleißig , Mutter ? « rief sie der Arzt an ; » habt Ihr gesucht , was ich haben wollte ? « - » Nur der Waldmeister fehlt noch « , versetzte die Alte in ihrer gebückten Stellung und ohne sich stören zu lassen , » sonst ist alles da , was Sie befohlen . « » Laßt es jetzt sein , und kommt herunter zu uns , wir haben mit Euch etwas auszumachen « , sagte der Arzt . Ungern schien sie sich von ihrem Geschäfte zu trennen . Sie pflückte erst noch einige Blumen ab , band jede Spezies , behutsam nur den Stengel berührend , mit Halmen in gesonderte Bündelchen , faßte das Tuch locker bei den Zipfeln , und kam , ihr Gewand vorn zusammennehmend , ohne aufzusehen , von den Felsen herab . » Sie sind heute recht frisch und kräftig « , sagte sie , das Tuch oben etwas lupfend ; » damit sie nichts verlieren , will ich sie gleich in den Keller legen . « Der Arzt hielt sie zurück , und eröffnete ihr seinen Wunsch . Er fragte sie , ob sie ein junges Mädchen , welches er ihr zubringen werde , gegen gute Bezahlung auf einige Wochen hinnehmen wolle ? Sie machte eine ehrerbietige Bewegung mit der Hand und rief : » Sie sind mein Herr und Gebieter . Ich werde die , welche Sie mir bringen , wie mein Kind aufnehmen . « Als Hermann das Gesicht der Alten betrachtet , und ihre Stimme gehört hatte , stieg in ihm eine Vermutung auf , die