Frauen lieben , und in Deinen Kirchen an die unsichtbare Kirche denken . Ich will auf Deinen Märkten etwas kaufen , an Deinen Tischen essen , unter Deinen Dächern ruhen , und in Deinen Gesellschaften lachen und lauschen . Ich will jeden Moment an Deinem Thun und Treiben wichtig achten , denn jeder Moment an einer Stadt kann welthistorisch sein . Sei mir jetzt in der Nähe gegrüßt , meine Stadt ! Der Spaziergang , von meinem Berg herunter , ist zu Ende , und mit einigen Schritten gelange ich nun schnell an den Fuß der Moldau , denn ich bin den umgekehrten Weg hinabgestiegen . Jetzt sehen wir uns Stirn an Stirn , Du herrliche Stadt , und indem ich hiermit meinen antischillerischen Spaziergang beschließe , segne ich noch einmal , als begeistertes Stadtkind , die städtebauende Muse Amphions ! - Nun stelle ich mich auf die Moldaufähre , und der Fährmann , ein rechtes böhmisches Gesicht , bringt mich in dem langsam abgemessensten Takt hinüber . Indem wir die Breite des schönen Stroms durchschneiden , kann ich Dir noch im Vorbeigehn seine beiden Inseln zeigen , die sich dort , den Pragern vielbesuchte Lustorte , aus der Welle erheben . Das ist rechts die anmuthige , mit dichten Schattengängen duftiger Kastanien und Linden besetzte Schützeninsel , und ihr gegenüber , gleich an der Stadt , die kleinere Färberinsel , deren hohe Pappeln Kühlung und Frische verbreiten . Sie sind noch leer von Spaziergängern , und die schöne Welt pflegt sich erst später einzufinden , wann sich die Gluth der Sonne gemildert hat , denn gegen nichts ist der Prager empfindlicher , als gegen Sonnenschein . So gehen wir ein ander Mal hin , wenn Leute da sind . - Und heut kann ich nichts mehr schreiben , Du Gute , Heilige ! Ich hatte Dir noch Vieles aufzeichnen wollen , wie Du aus der Ueberschrift dieser Blätter ersiehst . Vielleicht morgen . Denn ich reise erst in acht Tagen weiter nach Wien . Ich kann heut nicht mehr schreiben , mir wird traurig zu Muthe . Das Herz thut mir auf Einmal weh , und meine Schreibfeder kann und darf es nicht sagen . Darum schleudere ich sie weit weg von mir , diese Sclavin , und sage nur noch : Gott befohlen ! - - - III. Prag . Katholizismus , Legitimität , Wiedereinsetzung des Fleisches . - Was jetzt kommt , Heilige , da bitte ich Dich , es Dir nicht etwa als eine Lobhudelei anzunehmen . Denn ich will und muß noch einmal über die böhmischen Mädchen sprechen , von denen sich wahrhaftig ein eigenes Buch schreiben ließe , so reichhaltig ist dieser Gegenstand . Wer könnte in Prag leben , ohne zu einem solchen Buche , dessen schönste Stellen gewiß kein Censor streichen würde , sorgfältige Studien zu machen . Du aber bist eine Heilige ! Deshalb mach ' ein erhabenes Gesicht dazu , wo ich allzu unverschämt lobe und sehe . Ich muß loben und sehen , und Du kannst Dir immer noch etwas Anderes dabei denken , als ich sage . Aber soviel sage ich Dir , daß sogar der alte seelige Campe in seiner » Reisebeschreibung von Braunschweig bis Carlsbad und Böhmen « nicht aufhören kann , die außerordentlichen Vorzüge der schönen und gutmüthigen Pragerinnen zu preisen . Und das war Campe , ein Mann von Grundsätzen , der aus Philosophie Wassersuppe aß , nur der Pädagogik wegen reiste , einen plüschenen Jelängerjelieberfrack und Schuhe mit großen silbernen Schnallen trug , und wohlerzogenes Blut hatte . Als kleiner Junge , wo ich mir für ein paar Dreier von einer alten Frau Bücher borgte , las ich diese Reisebeschreibung , und weiß noch recht gut , wie es mir damals auffiel und Nachdenken machte . Ich konnte den Campe nicht begreifen , der mich in einem anderen Buch vor dem Umgang mit dem weiblichen Geschlecht so sehr gewarnt hatte , daß ich mir einmal die kleine Nachbarstochter genau ansah , ob sie wirklich ein so gefährlich Ding sei ? Jetzt bin ich ein großer Mensch geworden , schreibe selbst Bücher für ein paar Dreier , habe heißes Blut , und begreife den Campe . Campe , Campe , ja Campe hat meine Augen zuerst auf die Schönheit der Pragerinnen hingelenkt , und in die weltberühmte Tugend dieses soliden Mannes , dieses reellen Kindervaters und Pädagogen , wahrhaftig , in seine Tugend hülle ich mich , indem ich in diesen glühenden Himmelstrich reizender Formen mich wage . Campe , dieser zuverlässige Mann , soll Alles verantworten , was mir hier begegnet ist , und an ihn wende man sich , wenn mir Einer Vorwürfe machen will über die Folgerungen , die ich aus meinen in Prag regegewordenen Betrachtungen jetzt oder bald ziehen werde . Das sind hier Töchter des Landes , die im wahrsten Sinne diesen Ehrennamen verdienen . Nationale Schönheiten , denen an scharfgezeichneter Eigenthümlichkeit keine andere Bürgerin einer deutschen Stadt sich vergleichen läßt . Das langweilige Geschlecht der Berlinerinnen mag anziehen durch Tugend , Tournüre , Vorzüge einer feinen und schlanken Gestalt ; die sinnliche Wienerin durch lebhaftes Augenspiel , großartige Grundsätze , brennbare Lebensstoffe von Kopf bis Fuß ; die leichtgeartete Münchnerin durch ein regelmäßig gebildetes , sinnig lauschendes Gesicht , das einem Stieler zum Meisterwerk sitzen konnte ; die niedliche , naive Schwäbin durch freundlich zuthätiges , Alles gerade heraussagendes , convenienzloses Wesen ; die kleine heirathslustige Leipzigerin durch selbstgefällige Zierlichkeit , Freigebigkeit des Blickes , redseelig plauderndes Mundwerk ; die große farrenäugige Hamburgerin durch irdische Frische , Reichthümer der Natur , und derbe Resultate des good eating . Die Pragerin zieht vor Allen an , weil sie eine Pragerin ist , ein böhmisches Mädchen . Durchfliege mit entzücktem Blick die Schwesterreihe dieser Gesichter , von denen jedes dem andern ähnlich sieht , und frage , wem Du den Preis zuerkennen sollst , ob der reizenden Mutter oder der reizenden Tochter ? Denn der Nationaltypus dieser ausgezeichneten Bildung hat