meine Arbeit ; ja es war offenbar , meine Helden hatte er auf die Letzt aufgespart - als die besten ! Endlich ruhte er einige Augenblicke , räusperte sich und nahm ein Heft mit rosenfarber Überdecke , das meinige , zur Hand ; mein Herz pochte laut vor Freude , ich fühlte , wie sich mein Mund zu einem triumphierenden Lächeln verziehen wollte , aber ich gab mir Mühe , bescheiden bei dem Lob auszusehen ; der Rektor begann : Und nun komme ich an eine Arbeit , welche ihresgleichen nicht hat auf der Erde ( earth ) ich will einige Stellen daraus vorlesen : er deklamierte mit ungemeinem Pathos gerade jene Kraftstellen , welche ich mit so großer Begeisterung niedergeschrieben hatte ; ein schallendes Gelächter aus mehr als vierzig Kehlen unterbrach jeden Satz , und als er endlich an den Schluß gelangte , wo ich mit einer kühnen Wendung dem furchtbaren Domschützen noch einige Blümchen gestreut hatte , erscholl Bravo ! Ancora ! und die Tische krachten unter den beifalltrommelnden Fäusten meiner Mitschüler . Der Rektor winkte Stille und fuhr fort : Es wäre dies eine gelungene Satire auf die Herren Spieß und Konsorten , wenn nicht der Verfasser selbst eine Satire auf die Menschheit wäre . Es ist unser lieber Garnmacher . Tritt hervor du dedecus naturae , hieher zu mir ! Zitternd folgte ich dem fürchterlichen Wink . Das erste war , als ich vor ihm stand , daß er mir das rosenfarbene Heft einmal rechts und einmal links um die Ohren schlug ; und jetzt donnerte eine Strafpredigt über mich herab , von der ich nur so viel verstand , daß ich ein bête war , und nicht wußte , was Geschichte sei . Es begegnet zuweilen , daß man im Traum von einer schönen , blumigen Sonnenhöhe in einen tiefen Abgrund herabfällt ; man schwindelt , indem man die unermeßlichen Höhen herabfliegt , man fühlt die unsanfte Erschütterung , wenn man am Boden zu liegen glaubt , man erwacht und sieht sich mit Staunen auf dem alten Boden wieder ; die Höhe , von der man herabstürzte , ist mit all ihren Blütengärten verschwunden , ach , sie war ja nur ein Traum ! So war mir damals , als mich der Rektor aus meinem Schlummer aufschüttelte , ein tiefer Seufzer war die einzige Antwort , die ich ihm geben konnte , ich war arm wie jener Krösus , als er vor seinem Sieger Cyrus stand , auch ich hatte ja alle meine Reiche verloren ! ! Ich sollte bekennen , woher ich die Romane bekommen , wer mir das Geld dazu gegeben habe ; konnte , durfte ich sie , die ich einst liebte , verraten ? Ich leugnete , ich hielt den ganzen Sturm des alten Mannes auf , ich stand wie Mucius Scaevola . Der langen Rede kurzer Sinn war übrigens der , daß ich von meinem Vater ein Attestat darüber bringen müsse , daß ich das Geld zu solchen Allotriis von ihm habe , und überdies habe ich am nächsten Montag vier Tage Karzer anzutreten . Verhöhnt von meinen Mitschülern , die mir Thiodolf , deutscher Alcibiades und dergleichen nachriefen ; in dumpfer Verzweiflung ging ich nach Hause . Es war gar kein Zweifel , daß mich mein Vater , wenn er diese Geschichte erfuhr , entweder sogleich totschlagen , oder wenigstens zum Schneidersjungen machen würde . Vor beidem war mir gleich bange ; ich besann mich also nicht lange , band etwas Weißzeug und einige seltene Dukaten und andere Münzen , welche mir meine Paten geschenkt hatten , in ein Tuch , warf noch einen Kuß , und den letzten Blick nach des Nachbars Garten , sagte meinem Dachstübchen Lebewohl , und eine Viertelstunde nachher wanderte ich schon auf der Straße nach Berlin , wo mir ein Oheim lebte , an welchen ich mich vors erste zu wenden gedachte . In meinem Herzen war es öde und leer , als ich so meine Straße zog ; meine Ideale waren zerronnen . Sie hatten also nicht gelebt , diese tapferen , frommen , liebevollen , biederen Männer , sie hatten nicht geatmet jene lieblichen Bilder holder Frauen ; jene bunte Welt voll Putz und Glanz , alle jene Stimmen , die aus fernen Jahrhunderten zu mir herübertönten , die mutigen Töne der Trompete , Rüdengebell , Waffengeklirr , Sporenklang , süße Akkorde der Laute - alles , alles dahin , alles nichts als eine löschpapierene Geschichte , im Hirn eines Poeten gehegt , in einer schmutzigen Druckpresse zur Welt gebracht ! Ich sah mich noch einmal nach der Gegend um , die ich verlassen hatte ; die Sonne war gesunken , die Nebel der Elbe verhüllten das liebe Dresden , nur die Spitzen der Türme ragten vergoldet vom Abendrot über dem Dunstmeer . So lag auch mein Träumen , mein Hoffen , Vergangenheit und Zukunft in Nebel gehüllt , nur einzelne hohe Gestalten standen hell beleuchtet wie jene Türme vor meiner Seele ; wohlan ! sprach ich bei mir selbst : O fortes , pejoraque passi Mecum saepe viri , nunc cantu pellite curas Cras ingens iterabimus aequor . Noch einmal breitete ich die Arme nach der Vaterstadt aus , da fühlte ich einen leichten Schlag auf die Schulter und wandte mich um . « Der Herausgeber ist in der größten Verlegenheit ; er hat bis auf den Tag , an welchem er dies schreibt , dem Verleger das Manuskript zum ersten Teil versprochen , und doch fehlt noch ein großer Teil des letzten Abschnittes ; er ist noch nicht geweiht , die Messe ist schon vorüber und eine eigene über die paar Bogen lesen zu lassen , findet sich weder ein gehöriger Vorwand , noch würde das Werkchen diese bedeutende Ausgabe wert sein . Wir versparen daher die Fortsetzung des Festtages in der Hölle auf den zweiten Teil . Zweiter Teil Vorspiel Worin von Prozessen , Justizräten die Rede , nebst einer stillschweigenden Abhandlung » was von Träumen zu halten