durch die Thränen entweiht , mit denen Wehmuth sie benetzt . Entscheiden Sie - denn im Kampf mit mir selbst und mit den Dornen meines Schicksals traue ich , unsicher schwankend , dem eigenen Ausspruch nicht , und folge willig , wie einem höheren Gesetz , dem , was Ihre bessere Einsicht über mich verhängt . Und vor allem - senken Sie durch einen Blick der Güte , durch ein Wort der Vergebung den Frieden wenigstens wieder in meine zerrissene Seele , den es in Ihrer Macht steht , mir zurückzugeben - damit zu dem Schmerz , den zu dulden ich verurtheilt bin , sich nicht noch der Vorwurf gesellt , Ihren Unwillen verschuldet zu haben . X Ziemlich spät machte er sich am anderen Tage auf den Weg , der erhaltenen Einladung zu folgen , hauptsächlich aber : sein eigener Briefträger zu seyn . Er fand die Gesellschaft schon versammelt , und Erna , zierlich geputzt , und ihre Gäste mit Geist und Lebhaftigkeit unterhaltend , empfing ihn höflich , aber ohne alle , weder freundliche noch unfreundliche , Auszeichnung . Er fand sie heute so hlühend , daß ihre Schönheit ihn im Rosenschimmer der Gesundheit überraschte . Ein ganz eigener Glanz funkelte zauberisch in ihrem Auge - aber so sehr ihn auch der Anblick ihrer Reize gleich warmem Sonnenschein entzückend durchdrang , so schmerzte es ihn doch , daß diesmal auch nicht der leiseste Wechsel ihrer Farbe ihm verrieth , daß seine Erscheinung irgend einen Eindruck auf sie mache . Man schien nur auf ihn gewartet zu haben , um sich zu Tische zu setzen . Alexander wählte seinen Platz so , daß er die im Auge hatte , die er im Herzen trug , und sie scharf beobachtend , glaubte er endlich wahrzunehmen , daß die Munterkeit , die sie scheinbar beseelte , nur eine erkünstelte sei , die sie nicht ohne innere Anstrengung als eine Pflicht der Hausfrau übte . Als am Nachmittag die Gesellschaft sich in dem Garten zwanglos zerstreute , gelang es ihm sie einen Augenblick allein zu sprechen . Schüchtern , bewegt , mit dem vollen , warmen Ton der Liebe , die den geliebten Gegenstand gekränkt zu haben fürchtet , redete er sie an , und bat um die Erlaubnis , ihr in dem Brief , den er ihr übergab , sein ganzes Herz darlegen zu dürfen . Sie zögerte ein wenig , ihn anzunehmen . Doch als er die Versicherung hinzufügte , daß er nichts en halte , was ihr strenges Pflichtgefühl zu beleidigen im Stande sei - als er betheuerte , daß er , völlig resignirt auf jede Hoffnung des Glücks , nur Ihre Entscheidung über sein künftiges Benehmen gegen sie sich erbitte - und daß er keineswegs in der Absicht , irgend etwas dadurch zu gewinnen , sondern blos um sich eben sowohl anzuklagen als zu rechtfertigen , die Vergangenheit noch einmal , zum letztenmal , vor ihr ausgebreitet habe , um durch ihren Rath geleitet , nur das Betragen zu wählen , das weder ihrem inneren noch äußeren Frieden gefährlich zu werden drohe , nahm sie ihn hin , ihn uneröffnet zu verbergen . Das Wort : zum letztenmal , ist entscheidend für mich , sagte sie leise ; denn es entschuldigt mich allein , daß ich eine so geheimnisvolle Art , sich mir mitzutheilen , begünstige . Zum letztenmale denn will ich mit Ihnen in jene Zeit zurückschwärmen , die unwiederbringlich dahin ist , und in der wir nichts mehr zu ändern vermögen - - dann aber richten Sie gleich mir Ihr Auge muthig in die Zukunft , und gönnen mir die Freude , Sie in ihr gleichsam ein neues , froheres Leben beginnen zu sehen . Alexander wollte der Rührung nicht nachgeben die ihn erschütterte . Um sich daher die Fassung zu erhalten , die bei einer leicht möglichen Unterbrechung ihres Gesprächs ihm so nöthig war , erwiederte er nichts , sondern sprach ihr nur die Freude aus , sie heute so ungewöhnlich woh zu sehen . Mit einem wehmüthigen Lächeln blickte Erna ihn an , und leicht mit ihrem Tuch über de rosige Wange streifend , antwortete sie : Also haben diese tauben Blüthen auch Sie getäuscht ? Linovsky sieht mich ungern so bleich , wie ich nun einmal bin , weil seine Besorgnis mich dann gleich krank vermuthet . Ihm zu Ehren prange ich zuweilen mit erborgter Farbe , und vorzüglich , wenn er einen frohen Kreis um sich versammelt hat , damit ich nicht , einem bereits abgeschiedenen Schatten gleich , störend unter den Lebendigen erscheine . Wie ? so fühlen Sie Sich wirklich krank ? unterbrach sie Alexander betroffen . Nicht eben krank , aber matt und müde , versetzte sie ruhig . Schon seit längerer Zeit - ich darf es Ihnen wohl bekennen - ist mir das Leben selbst in seinen heiligsten Beziehungen so nichtig erschienen , daß es mich nicht Wunder nimmt , wenn mein Gemüth mitten im Genuß der reichsten Güter darbt . Wie eine Pflanze , in harten , ungewohnten Boden versetzt , trauert und welkt , mag auch Thau und Regen sie erfrischen und Sonnenwärme sie linde anstrahlen , so bietet auch mir die Erde keine Nahrung für meine Sehnsucht , keine Befriedigung des inneren Bedürfnisses , keine Gewährung der Ideale , die - vielleicht erträumt und nirgends in der Wirklichkeit existirend - doch so lebhaft vor meiner Seele schweben , als hätte ich sie einst gefunden , oder würde ihnen noch begegnen . Doch , setzte sie einlenkend hinzu , als habe ihr reges Gefühl sie unwillkührlich über die Schranken weiser Zurückhaltung hinübergeführt , wozu enthülle ich Ihrem fröhlichen Sinn , der das Leben nur erst , geprüft und geläutert und seinen wahren Werth erkennend , ergreift , um es zu genießen , die Schattenseite meiner Ansichten ? Vergeben Sie mir - nur die Hoffnung , ein besonnener , unserer würdige Umgang werde uns in reiner tadelloser Freundschaft einander nähern , konnte mich , die sonst