Versprechen einfiel , fürchtete ich , lächerlich und beleidigend zugleich bei meinem Tänzer zu werden , der in der ganzen Stadt mit seinem Urteile galt . Ohne Sorge tanzte ich meinen schottischen Tanz herunter ; als ich unten außer Atem anlange , steht mein Bräutigam mit ganz verwirrtem Auge vor mir , frägt mich , ob ich ihn sehe , ob ich ihn kenne , ob ich mich meines Versprechens erinnere , das ich eben gebrochen , ob mir je zu trauen sei , nachdem ich in erster Liebe ihn getäuscht ? Dann versicherte er mir , ich sähe ihn zum letztenmal und in Gegenwart der ganzen Gesellschaft schwöre er mir , er wolle seiner Ehre verlustig sein , wenn er sich mir je nähere , wenn er je die Verbindung mit mir wieder anknüpfe , von der er sich so viel Seligkeit versprochen . - Bei diesen Worten stürzte er zur Türe hinaus , und ich ohnmächtig und in Krämpfen auf den Boden nieder . Noch jetzt , nach so vielen Jahren , empfinde ich , ohne zu wissen , was die Glocke sei , gegen diese Zeit eine Traurigkeit , daß ich mich von den Menschen wegwende . « - Sie stand bei diesen Worten auf und ging den Gang hinunter . - Jeder äußerte nun seine Meinung über das Verfahren des Bräutigams ; die Gräfin nannte ihn einen grausamen Barbaren , von dem sich jede Frau nachher hätte zurückziehen sollen . Der Graf schwor , er hätte es sicher in gleichem Verhältnisse ganz eben so gemacht ; wer ein solches Versprechen vergessen könne , den müsse man wieder vergessen können ; die Gräfin widerstritt ihm das , nannte dies Vergessen eine Kleinigkeit , ja es hätte selbst nichts zu bedeuten , wenn sie mit Absicht ein so törichtes Versprechen gebrochen hätte , und so gerieten der Graf und die Gräfin in einen lebhaften Streit mit einander . Eine kleine runde Stiftsdame , die eine Störung des ganzen Festes von diesem Streite befürchtete , legte sich auf einmal mit ihrer metallenen Stimme so laut dazwischen , und versprach eine so lustige Erzählung , daß niemand mehr der traurigen Geschichte denken sollte . Alle baten eifrig um die Geschichte und sie begann recht fröhlich zu improvisieren . Funfzehntes Kapitel Geschichte des Mohrenjungen Pripert war ein mächt ' ger Herzog Von dem großen Volk der Pirpen , Saß auf einem hohen Schlosse Bei dem dunklen Karpfenteiche , Wo die braunen Frösche hüpfen ; Seine Schwester hieß Fikette , Fidibus sein schlankes Weibchen . Als die Schwester in den Jahren , Wo sie könnte sich vermählen , Denn verliebt war sie schon lange , Fordert er von seinen Ständen Ihre Ausstattung ganz schleunig , Samt und Seide wie gewöhnlich , Und die Stände bringen beides . Doch nachdem er es befühlet , Scheint ihm beides also köstlich , Daß er es gern selbst behielte , Um sich einen neuen Schlafrock Statt des alten , der zerrissen , Zu der Cour daraus zu schneidern ; Und die schöne junge Schwester Sendet er nun als Äbtissin Nach dem großen Fräuleinstifte , Daß sie es nicht fordern könne . » Samt und Seide sind jetzt teuer « , Sagte ihr der gute Bruder ; » Kommen gar viel fremde Prinzen , Wie es bei der Werbung möglich , Geht mehr Hafer , Weißbrot , Kuchen Auf an einem einz ' gen Tage , Als du ißt im ganzen Jahre ; Auch die alten Livereien Sind dann nötig umzuwenden , Mancher Knopf geht da verloren , Mancher Flecken kommt beim Essen : Darum ist es mehr geraten , Daß du bleibest unvermählet . « Traurig fährt Prinzeß Fikette Nach dem alten Fräuleinstifte , Doch gedenkt sie , da zu finden Holde liebliche Freundinnen , Denen sie sich kann vertrauen ; Ach was findet sie für alte Ausgedürrte , ausgeschriene , Gelbe Tabaksschnupferinnen , Die im ewigen Gezänke Ihr das Blau im Aug abstreiten ; Alle fluchten wie die Landsknecht , Kommen stets zu spät zum Singen ; Keine wollte Brot anschneiden , Keine das Gebet hersagen . Wenn sie dann in ihren Nöten Zu dem tapfern Stiftshauptmann Hat gesendet ihre Diener , Da begann erst recht die Fehde , Und der Hauptmann war noch fröhlich , Wenn er ohne Nägelmale Zu der Tür hinaus geflüchtet ; Sicher fand er Reihen Zähne In dem Rocke fest verbissen , Ziegenhaarige Perücken , Lappen Flor in seinen Händen ; Ach es sind zu alte Sünder , Um sich jemals noch zu bessern ! Zählt zusammen ihre Jahre , Steigen sie zu vielen Tausend , Bis zu Medern und Assyrern , Und Methusalem dagegen Ist ein elend junges Bürschchen . Also war der Stamm beschaffen , Also war ihr reines Leben ; Denn unheil ' ger ist wohl nimmer Auf der Erd ein Stift gewesen , Und geplagter war auch keines . » Sagt , was spotten denn die Männer Über uns , die alten Jungfern , Also frech von allen Seiten , Ist es nicht die Schuld der Männer , Unser Wille war es nimmer ! « Also seufzte manches Fräulein , Das recht tückisch war genecket , Wenn die Knaben aus dem Städtchen Mit den flinken Blaseröhren Ihren Kater niederschossen , Der zum Nachbarhaus geschlichen , Auf den Dächern kühnlich irrte . Gab es Schnee , so standen morgens Weiße Männer vor dem Fenster ; Jeder Baum , der in der Nähe , Ward bezeichnet mit Skandalen , Und die Früchte weggestohlen ; Und für so viel stete Leiden Was war die Entschädigung ? Keine reichen Nadelgelder , Keine Leckerein beim Schmause , Gleiche Kost an jedem Tage , Täglich Ziegenfleisch und Erbsen , Damit war das Stift dotieret : - Schwere Kost für alte Magen ! Darum suchte jedes Fräulein Ihre mächt ' gen Portionen Heimlich solchen zu verkaufen , Die dafür was Leckres brachten ; Darum schlichen viele Leute Abends durch des Stiftes Garten , Um zu tauschen , um zu kaufen Ziegenfleisch und gelbe