zum Altare geführt , und Du bist nicht bei ihr ? Wie magst Du es nur verantworten ? Du weißt wohl , wie ich Dein Tun und Deinen Wandel verehre ; dennoch glaube ich nicht , daß Du die Art und Weise von uns Weltkindern so sichtbar verachten darfst : Es ist wohl ebenso verdienstlich von mir , daß ich mich aus dem Getümmel losreiße , um an Dich zu schreiben , als daß Du das Haus der Fröhlichkeit nicht besuchen willst , um den armen kleinen Geschöpfen Deiner Pflege unter Deinen Augen Hülfe und Nahrung reichen zu lassen . Denkst du nicht daran , wie notwendig Du auch hier bist ? Wer unter uns soll wohl Julianen das Beispiel der Sammlung und Frömmigkeit geben , das sie von ihrer Tante erhalten würde ! Es werden viele gedankenlos um sie stehen , und sie wird umsonst die Augen suchen , an deren frommer Andacht sie sonst gewohnt war , die ihrigen zum Himmel zu erheben ! Wird nun nicht die wichtigste Angelegenheit ihres Lebens fast leichtsinnig vollendet werden ? Die böse Nachricht , daß wir Dich nicht erwarten dürfen , betrübte uns alle , und wie sehr Juliane anfangs darüber trauerte , kannst Du wohl denken ; bald wußte sie sich aber zu beruhigen , da wir ihr von Deiner eigentlichen Besorgnis nichts mitteilten , und sie so gewohnt ist , alles gut und recht zu finden , was von der Tante kömmt . Jetzt atmet ihre Brust wieder in ihrer natürlichen leichten Unbefangenheit . Du nennst es gewiß nicht blinde mütterliche Eitelkeit , wenn ich mich im Herzen freue , die Holdseligkeit des lieben Mädchens zu sehen , diese stolze zarte Schönheit , die aus ihrem Innern strahlend sie umgibt . Ja Du Teure ! Du würdest , wenn Du sie so vor Dir sähest , leuchtend und glühend im vollen Ausdruck ihres Glücks , Du würdest nicht länger unzufrieden sein , daß ihr Vater eilt , sie mit dem Geliebten zu vereinigen , daß sie trotz aller Deiner Gründe so früh vermählt wird . - Juliane ist beinah noch ein Kind , sagst Du , vieles liegt unentwickelt und tief verborgen in ihr , das nicht geahndet wird , am wenigsten von ihr selbst , sie fängt kaum an , sich selbst zu erkennen , sie wird aus einem Kinde zur Gattin , und wird gewiß einst auf die übersprungene Stufe ihres Lebens mit Wehmut zurücksehen . - Das ist sehr wahr , Liebe ; nicht weniger aber ist es wahr , daß Juliane vielleicht ihre Bestimmung ganz verfehlen möchte , wenn sie den ersten vernehmlich ausgesprochenen Wunsch ihres Herzens unterdrücken müßte . Du weißt , wie sehr Juliane mir in vielen Stücken ähnlich ist , da mein Gemüt von jeher in schwesterlicher Liebe vor Dir aufgeschlossen lag , so wie auch das ihrige von der zartesten Kindheit an . Du wirst es nicht vergessen haben , daß auch die Mutter , wie jetzt die Tochter , sich nur spät und langsam erkannte ; wie nur ihre frühe glückliche Bestimmung verhinderte , daß nicht das lang verborgne Feuer heftiger Leidenschaftlichkeit verderblich um sich gegriffen . Was anders bewahrte sie vor jeder Gefahr , die ihr aus ihrem Innern drohte , als die Zufriedenheit mit ihrem Lose , die sie an den Pforten der Selbsterkenntnis empfing ; als die ruhige Liebe in ihrem Herzen ; als der Gatte , die Schwester , die Kinder ! Ihr kostbaren Reichtümer ! Meinem Glück verdanke ich meine Tugend ! Auch das ist wahr , daß Eduard uns von Jugend auf mehr Beweise eines liebenden Gemüts und der feinen Ausbildung , als eines selbständigen Sinns gegeben ; aber eben dies sein liebendes Gemüt , dächte ich , müßte uns Bürge sein . Wie hängt er doch mit inniger Liebe an der Geliebten seiner Jugend ! Wie ist er ihr durch alle Wandelbarkeit seines Lebens so wahrhaft treugeblieben ! Seine Liebe war gleichsam der dauernde Grund , auf welchem die bunten Farben des Lebens wie lose Fäden hin und her gewebt waren . Es fehlt ihm vielleicht nichts weiter , als die bestimmende Vereinigung mit der Geliebten , um ihn ganz festzuhalten . Ich habe Sinn für häusliche Freuden an ihm wahrgenommen ; ich kann an niemand verzweifeln , dem dieser Sinn nicht fehlt . Laß uns nur nicht weiter mit unserer Vorsorge dringen wollen ! Unsre Hoffnung ist , sie dauernd glücklich zu sehen . Doch wer enthüllt uns die Zukunft ? Dürfen wir uns erlauben . Böses zu verüben , um ein künftiges Gut zu sichern ? Das wäre ja sogar gegen Deinen eignen Grundsatz . Du weißt doch , daß Eduard seinen Plan , gleich nach der Vermählung mit Julianen auf Reisen zu gehen , aufgegeben hat , zu unsrer großen Freude . Die Kleine konnte sich nicht entschließen , uns zu verlassen , er hat sich auf ihr unablässiges Bitten entschlossen , noch einige Jahre bei uns zu leben , eh ' er seine weiteren Pläne ausführt . Sie bleibt also immer noch in unserer Mitte , er raubt sie unserm Kreise noch nicht , er selbst ist ein teures Mitglied desselben geworden . Wir wollen nun alles aufbieten , um ihn seinen neuen Entschluß nicht bereuen zu lassen . Fest soll sich an Fest ketten , und eine Lust die andere verdrängen . Wärst Du nur hier , die bange Sorge würde bald von Dir weichen ! Dein Bruder ist in der besten Laune von der Welt ; Du weißt , wie liebenswürdig er in seiner Heiterkeit sein kann ; und überhaupt sind wir so fröhlich und ausgelassen wie die Kinder , haben alle Sorgen weit abgeworfen . Nun ernstlich an meine Toilette , Juliane ist sicher schon fertig ; der Lärm wird immer lauter , ich darf doch nicht zuletzt erscheinen . Bald siehst Du uns bei Dir , ich habe Dir viel zu erzählen von den lieblichen Festen , die hier begangen werden , vorzüglich von einem