der Gute schon im Heidenvorhofe der Liebe ; wie soll er im Weibervorhofe bestehen , oder im finstern Allerheiligsten fußen ? 32. Zykel Der Hof ließ jetzt ( er konnte vor Schmerz nicht sprechen ) ausschreiben , daß der tote Nestor mit Tode abgegangen . Ich setze hier den Jammer der Stadt samt der Freude derselben über die neue Perspektive beiseite . Der Landphysikus Sphex mußte den Regenten - anstatt daß man uns Untertanen gleich Schnepfen und Grundeln mit dem ganzen Eingeweide und Gescheide auf die Tafel des Gewürms serviert - wie ein großes Tier ausweiden . Abends ruhte der Erblaßte auf seinem Paradebette aus - der Fürstenhut und der ganze elektrische Apparat des Throndonners lag ebenso ruhig und kalt neben ihm auf einem Taburett - ; er hatte die gehörigen Kerzen und Leichenwächter um sich . Diese Toten-Schweizer - der Klang frappiert mich , und ich sehe jetzt die Freiheit auf dem Paradebette der Alpen liegen und die Schweizer wachen - bestehen bekanntlich aus zwei Regierungsräten , zwei Kammerräten und so fort . Der eine Kammerrat war der Hauptmann Roquairol . Es kann hier nur einschaltungsweise berührt werden , wie dieser Jüngling , der vom Kamerale fast nicht mehr verstand als ein Kammerrat im * * hischen , doch zu einem Rate in Kriegssachen darin aufstieg - nämlich wider seinen Willen durch den alten Froulay , der ( an sich eben kein sentimentalischer Herr ) dem alten Fürsten immer die Jugenderinnerungen auffrischte und auffärbte , weil man in dieser weichen Laune von ihm erbetteln konnte , was man wollte . Wie häßlich und niedrig ! So kann ein armer Fürst kein Lächeln , keine Träne , kein freudiges Bild haben , woraus nicht irgendein Hofprezist , ders sieht , einen Türgriff arbeitet , sich etwas zu öffnen , oder einen Degengriff zum Verwunden ; keinen Laut kann er von sich geben , den nicht ein Weidmann und Wildrufdreher zum Mundstück und Wildruf verbrauche . - Julienne besuchte abends um 9 Uhr das einzige Herz , das am Hofe wie ihres und für ihres schlug , ihre gute Liane . Diese bot gern ihrer anfangenden Migräne die Stirn und suchte nur fremde Schmerzen zu fühlen und zu stillen . Die Freundinnen , die vor fremden Augen nur Scherze und voreinander nur einen weichen schwärmerischen Ernst entfalteten , versanken immer tiefer in diesen vor der religiösen strengen Ministerin , die nie an Juliennen so viel Seele fand als in dieser sanft nachweinenden Stunde , wie Levkojen zu duften anfangen , wenn sie begossen werden . Nicht der kämpfende Schmerz , sondern der fliehende verschönert die Gestalt ; daher verklärt der Tote seine , weil die Qualen erkaltet sind . Die Mädchen standen schwärmerisch miteinander am Fenster , das zunehmende Mondenlicht ihrer Phantasie wurde durch das äußere voll ; sie machten den Nonnen-Plan , auf lebenslang beisammen zu leben und zusammenzuziehen . Es kam ihnen in dieser stillen Rührung oft mit Erschrecken vor , als wehe der klingende Flug abgeschiedener Seelen vorüber ( bloß ein paar Fliegen hatten auf der Harfe der Ministerin mit Füßen und Flügeln die Töne gegriffen ) - ; und Julienne dachte recht schmerzlich an ihren toten Vater in Lilar . Endlich bat sie die Seelenschwester , mit ihr heute nach Lilar zu fahren und das letzte und tiefste Weh einer Waise zu teilen und zu mildern . Sie tat es willig ; aber der Ministerin war das Ja mühsam abzuringen . Ich sehe die sanften Gestalten aus der langen Umarmung im Wagen in das Trauerzimmer in Lilar treten , die kleinere Julienne mit zuckenden Augen und wechselnder Farbe , Liane von Migräne und Trauer blässer und milder und über jene durch ihre schon vom zwölften Jahre geschenkte Länge42 erhoben . Wie überirdische Wesen strahlten beide die an allen Ecken brennende Seele Roquairols an . Ein einziger Tränentropfe konnte in diesen Kalzinierofen Sieden und Verwüstung bringen . Schon diesen ganzen Abend blickte er den Greis mit furchtsamen Schaudern über das kindische Ende dieses gewichnen Geistes an , der sonst so feurig gewesen als seiner jetzt ; und je länger er hinsah , desto dickere Rauchwolken schwammen vom offnen Krater des Grabes in das grünende Leben herein , und er hörte darin donnern , und er sah darin eine Eisenfaust dunkel glühen , die nach unserm Herzen greift . Unter diesen grimmigen Träumen , die jeden innern Schmutzflecken beleuchteten und die hart ihm droheten , auch an seinem Vulkane werde nichts fruchtbar sein als einst die - Asche , traten die traurigen Mädchen herein , die unterwegs nur über die erkaltete Gestalt , und jetzt noch heftiger über die verschönerte weinten ; denn die Hand des Todes hatt ' aus ihr das Linienblatt der letzten Jahre , das vortretende Kinn , die Feuermäler der Leidenschaften und so viele mit Runzeln unterstrichene Qualen weggelöscht und gleichsam auf die Hülle den Widerschein des frischen stillen Morgenlichts gemalt , das jetzt den entkleideten Geist umgab . Aber auf Julienne machte ein schwarzes Taftpflaster auf dem Augenknochen , das noch von einem Stoße daraufgeblieben war , dieses Zeichen der Wunden , einen heftigern Eindruck als alle Zeichen der Heilung ; sie bemerkte nur die Tränen , aber nicht die Worte Lianens : » O wie ruht er so schön ! « - » Aber warum ruht er ? « ( sagte ihr Bruder mit jener aus dem Innersten murmelnden Stimme , die sie von seiner Liebhaber-Bühne her kannte ; und faßte ihre Hand erschüttert , weil er und sie einander innig liebten , und seine Lava brach nun durch die dünne Rinde ) - » darum , weil das Herz aus seiner Brust geschnitten ist , weil darin das Feuerrad der Entzückung , das Schöpfrad der Tränen nicht mehr geht . « Diese tyrannische Erinnerung an die Leichenöffnung wirkte fürchterlich auf die kranke Liane , und sie mußte die Augen von der zugedeckten Brust abwenden , weil der Schmerz mit einem Lungenkrampfe den Atem sperrte ; und doch fuhr der wilde , andere