Gästen auf der Terrasse , die nach dem Parke hinunterführte . Man hatte in dem chinesischen Häuschen am oberen Ende der Terrasse , das Herbert nicht verändern lassen , ein Frühstück für die große , buntgemischte Gesellschaft aufgetragen . Es waren stattliche Greise , tüchtige Männer und Jünglinge , heitere Matronen , fröhliche junge Frauen und dazu Kinder beiderlei Geschlechtes , die sich in ihrer lauten Lust kaum Genüge zu thun wußten . Seba mit ihrem sanften Ernste saß an Eleonorens Seite ; sie konnte nicht aufhören , an die Baronin Angelika zu denken , die hier an derselben Stelle einst ihre Eltern bewirthet , die hier in solcher milden Herbstessonne die letzten Tage ihres Lebens zugebracht hatte , und auch in Herbert tauchte ein altes , schönes Erinnern mit seiner stillen Wehmuth auf . Fast in Allen lebte mehr oder weniger deutlich das Bewußtsein der großen Wandlungen , welche sich in ihnen selber und während der letzten vierzig Jahre auch in der Erkenntniß und in dem Gemeingefühl der ganzen Menschheit befreiend und erlösend vollzogen hatten . Während man in gutem Gespräche so beisammen saß , brachte der Diener dem neuen Besitzer von Richten die Briefe , welche von seinem Geschäftsführer ihm regelmäßig nach dem Gute gesendet wurden . Paul legte sie ruhig zur Seite , da er in diesem Augenblicke sie doch nicht zu erledigen und zu beantworten vermochte ; nur ein Brief schien ihm durch Form und Siegel aufzufallen , und er eröffnete ihn . Er kam aus dem Kabinette des Kronprinzen . Eine flüchtige Röthe und ein feines Lächeln flogen über das Angesicht des Lesenden . Seba und Davide blickten ihn fragend an . Es ist eine Gnade , die man mir anzuthun denkt , sagte er gelassen . Der König ist , wie es in dem Schreiben heißt , nicht abgeneigt , mich in Anerkennung meiner Verdienste um die heimische Industrie und als jetzigen Besitzer der Güter eines edeln Hauses unter Beilegung des Namens und Titels der Herren von Arten , wie der Letzte dieses Hauses und Stammes es von ihm erbeten hat , in den Adelstand zu erheben . Die Anwesenden sahen einander an und blickten dann fragend auf den Sprechenden . Paul hatte das Schreiben bereits wieder zur Seite gelegt . Die Sache kommt mir nicht unerwartet , sagte er . Der Staat ist klug genug , sich der Besitzenden so viel als möglich versichern und den finanziellen Schwerpunkt so viel als möglich dem Bürgerthum entziehen zu wollen . Ich hatte es für sehr wahrscheinlich gehalten , daß man mir dieses Anerbieten machen würde . Und Du hast es nicht gehindert ? fragte Steinert , dessen fester , aber eben deßhalb zum Argwohn geneigter Bürgersinn sich nicht gleich in die Handlungsweise des Freundes zu finden wußte . Wie sollte ich ablehnen , was man mir noch nicht angeboten hatte ? entgegnete Paul . Aber sei unbesorgt , alter Freund , ich gehöre weder zu denen , die Gnaden zu erbitten , noch zu denen , die unerbetene Gnade anzunehmen gewohnt sind ! - Er schwieg einen Augenblick , dann sagte er : Der verstorbene Freiherr Renatus hat es auf seine Weise wohlgemeint und er hat als ein wahrer Repräsentant seiner Kaste nur an sich und seine Ehre , an sich und seinen Stamm und an die Erhaltung seines Namens gedacht , nicht an mich , an meine Ehre und an meinen Stamm . Er konnte es sich von seinem Standpunkte aus nicht denken , daß ich keines andern Namens begehren kann , als dessen , welchen ich selber mir erschaffen habe , und daß derjenige , der mich aus meinem Stande in einen andern nicht nur versetzen , sondern sogar erheben zu können glaubt , mich und meine ganze Vergangenheit beleidigt ; denn er erniedrigt in mir nicht nur mich selbst , sondern alle Diejenigen , welche mit mir bisher als mit Ihresgleichen in achtendem Vertrauen verbunden gewesen sind . Und ich lebe der sichern Hoffnung : von uns Allen , die wir heute hier in meinem Hause beisammen sind , soll keiner je danach verlangen , etwas Anderes zu sein , als ein unbescholtener , unabhängiger Mann , ein nützlicher Bürger seines Vaterlandes ! Darauf laßt uns anstoßen , daß ein starker , freier Bürgersinn auch unter unsern Kindern und Kindeskindern mächtig sein und daß er die Freiheit , deren wir nach allen Seiten noch bedürfen , heraufführen helfen möge über unser Volk und über die ganze Welt ! Er hob sein Glas , sie drängten sich Alle um ihn ; seine Brust athmete frei und stolz . Am Abende , da alle seine Gäste unter seinem Dache bereits die Ruhe gesucht hatten , trat er mit Daviden noch einmal aus seinem Zimmer auf die Terrasse hinaus . Er hatte seinen Arm um seines Weibes schlanken Leib gelegt , und in stillem Frieden wandelten sie langsam und schweigend hin und wieder . Der Mond war inzwischen emporgestiegen , die Nacht war sehr warm , der volle Duft der Levkojen und des Reseda erfüllte die ganze Luft . Fortgezogen von der Schönheit der Nacht , stiegen die Beiden von der Terrasse hinunter und gingen dem Flusse zu , über dessen Wasser die Mondstrahlen eine goldene Brücke bauten . Jenseit des Wassers blieben die beiden Eheleute stehen . Das Schloß lag vor ihnen , der Mond erhellte es in seiner ganzen Stattlichkeit . Sieh , sagte Paul , hier habe ich gestanden , hier an dieser Stelle , mit meiner armen Mutter an dem Tage , ehe sie sich das Leben nahm . Aber es war ein rauher , kalter Abend , der Nebel stieg von dem Wasser empor , die welken Blätter flogen in der Luft empor . Ich wunderte mich damals über die vielen Schornsteine des Schlosses und über die vielen Fenster , denn ein so großes Gebäude hatte ich nie zuvor gesehen , und weil die untergehende Sonne sich in den Fenstern spiegelte , fragte ich die Mutter , wer darin wohne