, neben allem sonstigen Guten , auch wirkliche Heil- und Wunderkräfte zu , worüber wir uns in einen scherzhaften Streit mit ihr verwickeln . Inzwischen ist die Tafel gedeckt worden , und wir blicken auf eine reizende Szenerie . Der Tisch mit dem weißen Linnen steht unter einer mächtigen und prächtigen Linde , zwischen uns und dem Fluß aber wölbt sich eine hohe Laube von Pfeifenkraut , vor derem Eingange – wie Puck auf seinem Pilz – Frau Schenkers jüngste Enkelin auf einem Baumstumpf sitzt und das lachende Gesicht unter dem roten Kopftuch halb verborgen in Neugier auf die fremden Gäste herüberblickt . Und nun das Mahl selber ! Das wäre kein echtes Spreewaldsmahl , wenn nicht ein Hecht auf dem Tische stünde . Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einer Schleie , Der Fisch will trinken , gebt ihm was , daß er vor Durst nicht schreie . Und mit diesem zeitgemäßen Leberreime ging es an die Entpuppung des Korbes , der bereits während der Fahrt mehr als einen interessierten Blick auf sich gezogen hatte . Das erste Glas galt wie billig der Wirtin , andere folgten , bis zuletzt die Mahlzeit und die lange Reihe der Toaste mit dem Jubelhymnus abschloß : Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Störe , Es lebe Lehrer Klingestein , der Kantor der Kantöre . 4. In Kätner Posts Garten 4. In Kätner Posts Garten Es war inzwischen Nachmittag geworden und wir schickten uns zur Weiterfahrt an . Noch viel war zu sehen : Die Dörfer Burg und Leipe , und in der Nähe des ersteren ein Stück Hügelland , darauf das Schloß des letzten Wendenkönigs gestanden haben soll . Die Kanäle vor und neben uns wurden immer flacher und seichter , endlich saßen wir fest . » Es geht nicht « , murmelte Bootführer Birkig . » Es muß gehn « , erwiderte der Kantor wie Blücher auf dem Marsche nach Waterloo . Und siehe da , es ging . Aber nicht auf lange , die Richtung war uns verloren gegangen , und wir wären mit unserm » frisch Wasser unterm Kiel « um nichts gebessert gewesen , wenn nicht der Kantor – unser Columbus jetzt – unerschütterlich gegen Westen gezeigt und einer beinah meuternden Mannschaft gegenüber auf seinem Willen bestanden hätte . Zwar war es zunächst ein allerschlimmster Platz , an den wir gelangten , ein Wasserkreuzweg , von dem aus Kanälchen und kleine Flußarme nach den verschiedensten Seiten hin abzweigten , aber dieser Moment äußerster Not und Verwirrung bezeichnete doch auch zugleich den Moment unserer Rettung . Just an der Stelle , wo zwei Flußarme fast in spitzem Winkel einander berührten , stand ein Bauern- oder Kätnerhaus , dessen weißgetünchtes Fachwerk aus Geißblatt und Fischernetzen freundlich hervorblickte , während sich uns in Front des Hauses , in einem halb ans Ufer gezogenen Kahn , ein streng und doch zugleich auch freundlich aussehender Mann präsentierte , der , von eben diesem Kahn aus , dem Treiben seiner im Flusse badenden und nach allen Seiten hin jubelnd umherplätschernden Kinder zusah . Es waren ihrer sieben , das älteste elf , das jüngste kaum vier Jahr alt , und aus Lachen und Kinderunschuld wob sich hier ein Bild , das uns auf Augenblicke glauben machte , wir sähen in eine feenhafte Welt . Und daß wir diese Welt nicht störten , das war ihr höchster Zauber . Ungeängstigt und von keiner Scham überkommen , spielten die Kinder weiter und tauchten unter und prusteten das Wasser in die Höh ' wie junge Delphine . Das älteste Mädchen war eine Schönheit ; ihre Augen lachten und das lange , aufgelöste Haar schwamm wie Sonnenschein neben ihr her . Bootführer Birkig rekolligierte sich zuerst und rief das uns sowohl wie das Bild auf einen Schlag entzaubernde Wort über das Wasser hin : » ob man uns einen Kaffee kochen wolle ? « Das bereitwilligste » Ja « klang zurück , und einige Minuten später sprangen wir ans Ufer , hinter dessen Büschen jetzt die Kinder in allen Stadien der Toilette standen und lagen , eines , das jüngste , noch platt im Sande . Der im Kahne stehende Häusler oder Kätner aber , der sich uns bald danach als Kätner Post vorstellte , war uns um ein paar Schritt entgegengekommen und bat uns , in seine Wohnung einzutreten . Wir zogen indes einen Platz im Freien vor und machten es uns auf einem von Kirschbäumen beschatteten Rasenplatze bequem . Was an Tisch und Bänken im Hause war , stand bald draußen , und zuletzt erschien auch ein blaugemustertes Kaffeeservice , das unverkennbar einer besseren Zeit angehörte . Der Kätner entstammte nämlich einer alten Spreewalds-Honoratiorenfamilie , daraus selbst Geistliche hervorgegangen waren , und ein leiser Unmut über ein gewisses Zurückgebliebensein hinter diesen historischen Rangverhältnissen lag auf seinem Gesicht . Er sprach dies auch unumwunden aus und verriet überhaupt eine Nervosität , wie man ihr bei Leuten seines Standes nur selten begegnet . Ich nahm ihn darauf hin von Anfang an für einen Konventikler und fand es bestätigt , als er eine Weile danach anfrug , ob es uns vielleicht genehm sein würde , seine Kinder ein mehrstimmiges Lied singen zu hören , auf das sie leidlich eingeübt seien ? Wir bejahten die Frage natürlich und alsbald klang es mit jener unwiderstehlichen Innigkeit , wie sie nur Kinderstimmen eigen zu sein pflegt , durch die sommerstille Luft : Jesu geh voran Auf der Lebensbahn , Und wir wollen nicht verweilen Dir getreulich nachzueilen . Führ ' uns an der Hand Bis in ' s Vaterland . Eine Pause trat ein , und erst als Kätner Post uns gemustert und sich über unsere Teilnahme vergewissert hatte , gab er aufs neue das Zeichen und sang nun selber mit : Soll ' s uns hart ergehn Laß uns feste stehn , Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen , Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu Dir . Rühret