- ich habe , da der Himmel mir keine Kinder gegeben hat , dies stets mit schmerzlicher Rührung wahrgenommen - in Ihren Söhnen leben sie noch fort . Wie mein Vater in dem Sinne und nach dem Ehrengebote unseres Standes und unseres Hauses handelte , als er es sich versagte , Sie öffentlich als seinen Sohn anzuerkennen , so handle ich , ich bin deß sicher , in seinem Geiste und in dem Geiste unseres Hauses , wenn ich danach trachte , den edlen , alten Namen der Freiherren von Arten-Richten nicht untergehen zu lassen . Meine Vermögensverhältnisse , die Sie kennen , machen es für die Baronin Cäcilie unmöglich , die Richtener Güter zu behalten , und ich weiß es aus dem Munde meines verstorbenen Lehrers und Erziehers , des Caplans , daß Ihre Mutter am Vorabende ihres freiwilligen Todes Sie ermahnt hat , nach dem Besitze des Schlosses zu streben , das sie Ihnen an jenem Abende als Ihres Vaters Haus bezeichnete . Es war das eine Vorstellung , die mir alle Zeit quälend gewesen ist , seit sie , es war als ich in den russischen Feldzug ging , zuerst in mir erweckt wurde , und sie hat mich , wie eine unheimliche Ahnung , stets befallen , so oft ich in Ihre Nähe gekommen bin . Dieses Geständniß , welches Ihnen zu machen ich jetzt kein Bedenken trage , wird Ihnen Vieles in meinem Verhalten gegen Sie erklären , das Ihnen vielleicht bisher nicht verständlich gewesen ist und Sie zu nachtheiligen Ansichten über mich verleitet haben mag . Was mich einst von Ihnen fern hielt , führt mich jetzt , da ich mein Leben und das Schicksal unseres Hauses in großem Ueberblicke betrachte , auf Sie und zu Ihnen zurück . Ich habe Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen , der sich als den ersten Edelmann seines Landes anzusehen geruht und dessen Gnade ich mich versichert zu halten Ursache habe , die Verhältnisse unseres Hauses aus einander gesetzt . Wenn dieser Brief in Ihre Hände kommt , hat Seine Königliche Hoheit auch mein Ansuchen bereits empfangen , und ich zweifle nicht , daß es bei ihm eine geneigte Stätte finden und daß Er Selber wünschen wird , den Namen eines alten Geschlechtes , das schon vor den Hohenzollern in unserer Heimath angesessen gewesen ist , auch für die Zukunft zu erhalten . Richten muß verkauft werden ; kaufen Sie es an ! Vereinigen Sie die Güter wieder , deren mich zu entäußern ich gezwungen war , und führen Sie in Sich und Ihren Kindern den Namen unseres gemeinsamen Vaters weiter fort . Unser Wappen wird in Ihren Händen wohl aufgehoben sein . Sie haben sein fortis in adversis ! beherzigt und bewährt . Und so empfangen Sie mit dem Segen und den Wünschen , die ich Ihnen über mein Leben hinaus für das Gedeihen unseres Geschlechtes zurufe , auch meine letzten Bitten . Es sind ihrer nicht viele , und sie sind selbstverständlich . Nehmen Sie Sich berathend und hülfreich meiner theuren Cäcilie , meiner Witwe an ; stehen Sie auch der Baronin Vittoria und ihrem Sohne mit Ihrer Erfahrung großmüthig zur Seite und sorgen Sie dafür , daß ich in unserer Familiengruft in Rothenfeld bestattet werde . Es ist ein erhebender Gedanke in jenem biblischen zu seinen Vätern versammelt werden ! Und damit Lebewohl ! Möge der neue Stamm , den Sie begründen , glücklicher sein , als ich es gewesen bin ! Des Himmels Segen über sein Gedeihen ! « Schweigend und in tiefe Gedanken versunken , hielt Paul das Blatt eine Weile in seinen Händen ; schweigend und in tiefe Gedanken versunken stand er an des Freiherrn schöner Leiche . Cäcilie war wie vernichtet . - Noch vor dem Ende des Jahres ward der Sarg , in dem Renatus ruhte , nach Rothenfeld gebracht . Cäcilie hatte gewünscht , die Leiche ihres Gatten zu seiner letzten Stätte zu begleiten , und Herbert war ihr eine Strecke entgegengereist , um die trauernde Witwe zum Verweilen in seinem Hause einzuladen . Man mochte sie nicht in das verödete Schloß nach Richten gehen lassen . - Im Frühjahr kam Richten zum Verkauf . Es war zwischen den Freunden , zwischen Steinert , Herbert und Paul , von Anfang an fast selbstverständlich gewesen , daß Einer von ihnen , daß Paul es an sich bringen müsse . Er hatte schon lange daran gedacht , einen Landbesitz zu erwerben , auf welchem er alljährlich ein paar Monate mit den Seinen in ruhiger Zurückgezogenheit verleben könne , und bei seinem großen Vermögen war es ohnehin gerathen , einen Theil desselben in Grund und Boden festzulegen . Allerdings gab es südlichere Gegenden , deren Naturschönheit verlockender gewesen wäre ; aber die Aussicht , Steinert und Herbert zu Nachbarn zu bekommen , die Gewißheit , daß ihre Aufsicht und Erfahrung seinem Besitze zu Statten kommen werde , waren hoch zu veranschlagen , und über dies alles hinaus , Paul läugnete sich das keineswegs fort , wirkten seine Jugend-Eindrücke bestimmend auf ihn ein . Es war ein eigenartiges Empfinden , mit welchem er den Kauf-Contract über die Richtener Güter unterzeichnete , eine ergreifende Erinnerung , mit welcher er als Besitzer mit den Seinen in Schloß Richten einzog . Die Erntezeit war , als er in Richten eintraf , schon vorüber , denn es hatte der unerläßlichen Instandsetzungen in dem seit Jahren nicht bewohnten Schlosse doch so viele gegeben , daß trotz der Bemühungen der beiden Herbert ' s der Monat August herangekommen war , ehe man daran denken konnte , das Schloß mit Behagen zu beziehen . Nun hatten die neuen Eigenthümer sich in demselben heimisch eingerichtet , und am ersten Sonntage , den man mit Ruhe dort verlebte , waren die befreundeten Familien von Neudorf und von Rothenfeld mit ihren verheiratheten Kindern und Enkeln nach Richten herübergekommen . Mit großer Genugthuung , aber doch innerlich bewegter , als er es zeigte , saß Paul an dem Mittage mit seiner Familie und seinen