Treppe hinaufstieg ... Je mehr sich dieser von der Schmeling zu entfernen schien , desto lauter erscholl deren Stimme . Jetzt unterschied er deutlich , was sie hinter ihm herrief : Suchen Sie nur oben ! Suchen Sie ! Sehen Sie nur , ob bei mir Katzen entbunden werden ! Aber daß Sie sich dabei nur vorm höllischen Feuer in Acht nehmen ! Teufels Großmutter muß böse Katzen haben ! Mies , mies , mies ! ... Komm Mies und nimm dein Wochensüppchen von dem Herrn Gensdarmen ! ... Herr Müllenhoff schickt dir ' s ! Komm ! - komm ! ... Unser Kindchen hat zwar die Nothtaufe gekriegt , aber sie ziehen ' s mit Milch und Wasser auf ! Großmutters Mieschen ! ... Hubertus , der kaum etwas von einer Katze gehört hatte , als er annehmen konnte , daß doch wol hier eine andere Fährte , als die des Brandstifters gesucht wurde , hatte die Beruhigung , den Gensdarmen , der , als er dann eintrat , schon wieder die Treppe herabstieg , lachend sprechen zu hören : Schon gut , schon gut - Frau Schmeling ! Wir thun eben , was uns befohlen wird ! Ich höre und sehe und , was die Hauptsache ist , ich rieche nichts von Katzen bei Ihnen ! Nämlich Katzen , die hier gejungt hätten ! Schon gut ! Schon gut ! Ei , da kriegt Ihr ja Mittagsgäste ! Wir haben heute alle Hände voll zu thun ! ... Nun , er ist richtig hinüber , Väterchen ! ... Wer ? fragte Hubertus , dessen Gedanken nur an Bickert hafteten ... Der Landrath ! ... Ja so ! Den Menschen vom Schloß oben sucht Ihr ? ... Wetter , das war gestern Abend Euer Meisterstück ! ... Ich glaub ' s wol , daß Ihr ihn nicht weiter habt bringen können als bis hieher ! ... Frau Schmeling hielt schon inzwischen dem Landrath nicht die erbaulichste Nachrede ... Und der Gensdarm schilderte Hubertus ' gestrige Rettung des gräflichen Dieners ... So ging denn diesem alles gemüthlich und beruhigend ... Inzwischen fiel der immer doch noch nach Katzen spähende Blick des Gensdarmen auf ein junges Mädchen , das in der Küche stand .... Ei Lene ! sagte er erstaunt und fuhr mit zweideutigem Tone fort : Sie hier ? Na ! das dacht ' ich wol , daß es mit Ihr so weit kommen würde ! Geb ' Sie nur keinen Unrechten an ! ... Frauen , wie Mutter Schmeling , sind immer in der Lage , bei vermöglichen Leuten für Ammen sorgen zu müssen und die Lene war ein blitzäugiges schwarzes Ding , das nächstens dazu empfohlen werden konnte ... Ja , sagte die Hebamme höhnisch , auf dem Finkenhof kommt nun bald keine mehr zu Schaden ! Der Finkenhof wird ein Betsaal ... Bruder , Bruder , fuhr inzwischen schon wieder dem Mönche zugewandt der Gensdarm fort ... Die Leiter so lange frei zu halten , das hätte keiner fertig gekriegt ! ... ... Und schon am Morgen bei der Jagd die Noth mit unserm Alten ! ... Der ist denn also hin ... Guter Kerl ist er gewesen , das ist wahr , aber krank war er im Kopf schon lange ; vor lauter Ambition ! Wir sagten ' s nur keinem ... Als der Kronsyndikus begraben wurde , sagte er noch : Gebt Acht , nun weiß ich , was der arme Tropf mir vermacht hat ... Hier auf den Deetz zeigte er ... Was steht denn da draußen für ein Fuhrwerk ? ... So unterbrach schon wieder der Umsichtige sein Deuten auf den Kopf ... Hubertus sprach ohne langes Besinnen , der Mann im Wagen draußen wolle ihm helfen den Kranken ins Spital bringen ... Herr Seligmann ? ... Das Fuhrwerk gehört Schöninghs ... Mit diesen ruhig controlirend hingesprochenen Worten war der Scharfspähende in verhallender Rede zum Haus hinausgetreten und schon zum Hohlweg hinunter und auf Löb zu , der ihn mit herabgezogenem Hute begrüßte ... Inzwischen hatte das Lachen und Zanken der Schmeling fortgedauert ... Die Hauptrollen dabei spielten Staat , Kirche , Welt , Zeit , Sitte , Vorurtheil , das Gleichniß vom Splitter und Balken , der Pfarrer zu Sanct-Libori und ein junges Kätzchen , dessen Mutter man bei ihr suchte ... Hubertus war zu beschäftigt mit seinem nächsten Vorhaben , um sich lange bei diesem Zwischenfall aufzuhalten ... Wie geht ' s denn oben ? fragte er , als die Magd ihm den gestern bestellten Speckkartoffelpfannkuchen brachte , dessen Fett- und Zwiebelgeruch das ganze Haus durchduftete ... Suppe hat er und auch ein Stück Fleisch genommen ! hieß es ... Nun , dann wird er ' s ja aushalten können ! Ich nehm ' ihn jetzt - mit ins Spital oder ... Hubertus murmelte während des Essens und sah sich , scheinbar ruhig , nach der vorerwähnten Lene um , die sich auch vor ihm versteckt hielt ... Jetzt trat sie vor und stand mit kecken , funkelnden Augen vor dem Bruder und setzte dem Kopfschütteln desselben eine leichtfertige Geberde entgegen ... So , so weit also , Lene ! sagte Hubertus ... Das hätt ' ich wissen sollen , als ich dir deine Briefe an den braven Wachtmeister schrieb , der dich heirathen wollte ... Die Lene zog den Mund und ließ Mutter Schmeling reden ... Die Lene ist heilig ! kicherte diese . Ja , heilig , sag ' ich Ihnen ! Wer bei einem Pfarrer gedient hat , der kann gar nicht sündigen ... Hubertus ließ sich auf so leichtfertige Anspielungen nicht ein ... Inzwischen klatschte draußen Seligmann ungeduldig mit der Peitsche ... Es fing ihn an zu frieren , zu hungern und - die Zwiebeln und der Speck dufteten wol auch anmuthend zu ihm hinüber ... Hubertus eilte nach oben und war im Begriff , in das Staatszimmer einzutreten ... Als er die Thür öffnete , bot sich ihm ein erschreckender Anblick ... Der Kranke stand im