Rückgrat wieder geradezubiegen , der Spreewäldler aber , dem weder Pferd noch Wagen ein Sitzen und Ausruhen gönnt , befindet sich eigentlich immer auf dem Qui vive . Das Ruder in der Hand steht er wie auf Posten und kennt nicht Hindämmern und Halbarbeit . Wenn es schon ein reizender Anblick ist , diese schlanken und stattlichen Leute in ihren Booten vorüberfahren zu sehn , so steigert sich dieser Reiz im Winter , wo jeder Bootfahrer ein Schlittschuhläufer wird . Das ist dann die eigentliche Schaustellung ihrer Kraft und Geschicklichkeit . Dann sind Fluß und Inseln eine gemeinschaftliche Eisfläche , und ein paar Bretter unter den Füßen , die halb Schlitten halb Schlittschuh sind , dazu eine sieben Fuß lange Eisstange in der Hand , schleudert sich jetzt der Spreewäldler mit mächtigen Stößen über die blinkende Fläche hin . Dann tragen sie auch ihr nationales Kostüm : kurzen Leinwandrock und leinene Hose , beide mit dickem Fries gefuttert , und Spreewaldstiefel , die fast bis an die Hüfte reichen . Es ist Sonntag , sagt ' ich , und die Arbeit ruft . Aber an Wochentagen ist die Straße , die wir jetzt still hinauffahren , von früh bis spät belebt , und alles nur Denkbare , was sonst auf Knüppeldamm und Landstraße seines Weges zieht , das zieht dann auf dieser Wasserstraße hinab und hinauf . Selbst die reichen Herden dieser Gegenden wirbeln keinen Staub auf , sondern werden ins Boot getrieben und gelangen in ihm von Stall zu Stall oder von Wiese zu Wiese . Der tägliche Verkehr bewegt sich auf diesem endlosen Flußnetz und wird nur momentan unterbrochen , wenn auf blumengeschmücktem Kahn , Musik vorauf , die Braut zur Kirche fährt , oder wenn still und einsam , von Leidtragenden in zehn und zwanzig Kähnen gefolgt , ein schwarzverhangenes Boot stromabwärts gleitet . Einzelne Häuser werden sichtbar ; wir haben Lehde , das erste Spreewaldsdorf , erreicht . Es ist die Lagunenstadt in Taschenformat , ein Venedig , wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag , als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten . Man kann nichts Lieblicheres sehen als dieses Lehde , das aus ebenso vielen Inseln besteht , als es Häuser hat . Die Spree bildet die große Dorfstraße , darin schmalere Gassen von links und rechts her einmünden . Wo sonst Heckenzäune sich ziehn , um die Grenzen eines Grundstückes zu markieren , ziehen sich hier vielgestaltige Kanäle , die Höfe selbst aber sind in ihrer Grundanlage meistens gleich . Dicht an der Spreestraße steht das Wohnhaus , ziemlich nahe daran die Stallgebäude , während klafterweis aufgeschichtetes Erlenholz als schützender Kreis um das Inselchen herumläuft . Obstbäume und Düngerhaufen , Blumenbeete und Fischkasten teilen sich im übrigen in das Terrain und geben eine Fülle der reizendsten Bilder . Das Wohnhaus ist jederzeit ein Blockhaus mit kleinen Fenstern und einer tüchtigen Schilfdachkappe ; das ist das Wesentliche ; seine Schönheit aber besteht in seiner reichen und malerischen Einfassung von Blatt und Blüte : Kürbis rankt sich auf , und Geißblatt und Convolvulus schlingen sich mit allen Farben hindurch . Endlich zwischen Haus und Ufer breitet sich ein Grasplatz aus , an den sich ein Brückchen oder ein Holzsteg schließt , und um ihn herum gruppieren sich die Kähne , kleiner und größer , immer aber dienstbereit , sei es um bei Tag einen Heuschober in den Stall zu schaffen oder am Abend einem Liebespaare bei seinem Stelldichein behilflich zu sein . 3. » Die Leber ist von einem Hecht « 3. » Die Leber ist von einem Hecht « Die letzten Häuser von Lehde liegen hinter uns , und wieder dehnen sich Wiesen zu beiden Seiten aus , nur hier und da durch Erlengruppen oder ein paar einzelnstehende Eichen unterbrochen . In südöstlicher Richtung geht es stroman , eine Biegung noch und jetzt eine zweite , bis sich unser Flachkahn durch allerlei Tang und Kraut in einen schmalen und gradlinigen Kanal einschiebt , der die Verbindungsstraße zwischen den zwei Hauptarmen der Spree bildet . Dieser Kanal , eine halbe Meile lang , zählt mit zu den besonderen Schönheiten des Spreewaldes . Im allgemeinen wird sich sagen lassen , daß eine mit dem Lineal gezogene Linie landschaftlich ohne Reiz sei , jede Regel aber hat ihre Ausnahme ( gewißlich hat sie sie hier ) und ein Vergleich mag diese Wasserstraße beschreiben . Jeder kennt die langgestreckten Laubgänge , die sich unter dem Namen » Poetensteige « in allen altfranzösischen Parkanlagen vorfinden . Ein solcher Poetensteig ist nun der Kanal , der eben jetzt in seiner ganzen Länge vor uns liegt , und ein niedriges und dicht gewölbtes Laubdach über uns , so gleiten wir im Boot die Straße hinauf , die nach Art einer Tute sich zuspitzend an ihrem äußersten Ausgang ein phantastisch-verkleinertes und nur noch halb erkennbares Pflanzengewirr zeigt . Alles in einem wunderbaren Licht . Endlich erreichen wir diesen Ausgang und fahren in abermaliger scharfer Biegung in einen breiten , aber überall mit Schlangenkraut überwachsenen Flußarm ein , der uns in weniger als einer Stunde nach der » Eiche « , einem mitten im Spreewald gelegenen und von der Frau Schenker in gutem Ansehen erhaltenen Wirtshause führt . Dasselbe zeigt den echten Spreewaldsstil und unterscheidet sich in nichts von den wendischen Blockhäusern des Dorfes Lehde . Nichtsdestoweniger scheinen statt Sorben oder Wenden eingewanderte Sachsen von Anfang an an dieser Stelle heimisch gewesen zu sein , denn nicht nur daß die fast allzu germanisch klingenden » Schenkers « in dritter Generation schon in diesem Hause haushalten , auch ein alter , mühsam zu entziffernder Spruch über dem Eingange läßt über den deutschen Ursprung der ganzen Anlage keine Zweifel aufkommen . Der Spruch aber lautet : Wir bauen oftmals feste Und sind nur fremde Gäste ; Wo wir sollten ewig sein Da bauen wir ja ewig ein . Frau Schenker ist eine freundliche Wirtin und eine stattliche Großmutter ; ob deutsch oder wendisch , sie hängt am Spreewald und schreibt der Spree